Barbara Maier

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Spargelhof Niemann – bester Spargel & feine Erdbeeren aus Niedersachsen

Von Feld auf den Gourmetteller
31. Mai 2022

Der erste SchmeXperten-Tag für Gastronomen fand direkt auf dem Hof der Niemanns statt. Hier wächst auf Heideböden hervorragender Spargel. Familie Niemann wollte mit Köchinnen und Köchen ins Gespräch kommen, ihnen den komplexen Spargelanbau näherbringen. Das Thema war die Herkunft des Spargels und der nachhaltige Anbau auf dem Hof. Es wurde getestet, wie unterschiedlich und vielfältig die Sorten schmecken können und gezeigt, wie aufwendig es ist, den Spargel frisch und gut sortiert – und geschält – zu den Verbrauchern zu bekommen. Beim Versuch den Spargel selbst zu stechen, nahm die Wertschätzung einer einzelnen Stange dann noch einmal enorm zu. 

© Philipp Schulze / phs-foto.de

Ebenfalls zu Gast war unser Foodtalker Boris Rogosch, der seinen selbst gestochenen Spargel später noch zu einem Hamburger Sternekoch brachte. Motto: Frisch vom Feld in die Küche auf den Teller. Hinrich Niemann selbst bringt es gut auf den Punkt „Das geniale am Spargel: Es ist ein Gourmet-Essen, das sehr einfach zuzubereiten ist!“

Spargel braucht Sorgfalt und Zeit 

In den ersten Apriltagen begann die frühe Spargelsaison auf dem Spargelhof. Weißer und grüner Spargel werden hier von Hinrich und Gunda Niemann mit viel Sorgfalt und Fachwissen angebaut. Dem traditionellen Landwirt liegen nicht nur sein Spargel, sondern auch der Erhalt und die Förderung der Bodenfruchtbarkeit am Herzen. Deswegen hat er eine Vielzahl von alternativen Maßnahmen auf den Weg gebracht, um der Natur und der Umwelt etwas Gutes zu tun.  

Seit wann der Hof Niemann genau besteht, ist nicht bekannt. Es muss aber wohl schon vor 1487 gewesen sein.  

Der erste Spargel auf dem Hof wurde von Inge und Johannes Niemann im Jahr 1968 gepflanzt. Damals war es halt einfach ein Gemüse – Das es viele Jahre später zum Edelgemüse avancieren würde, wusste damals noch niemand. Und damit war auch die spätere betriebliche Bedeutung des Spargels noch nicht absehbar. 

Sohn Hinrich Niemann hat im Jahr 1992 den Betrieb seiner Eltern übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Gunda konzentrieren sie sich auf den nachhaltigen Anbau von Spargel und Erdbeeren. In Hinrich Niemanns Händen liegt der verantwortungsvolle Anbau der genussvollen Produkte. Ehefrau Gunda kümmert sich um die Verkaufsstände, den Hofladen, das Büro und die Familie. Sohn Peer hilft mit Leidenschaft bei der Arbeit auf dem Hof auch schon mit. Und auch der kleine Sohn Joost weiß schon, wie es geht: Er sticht begeistert den ersten Spargel der Saison. Mutter Inge hatte damals die Idee mit dem Spargelanbau und kocht die beliebte Erdbeer-Konfitüre für den Hofladen.  

Der Spargelbauer erzählt, „Unsere Heideböden, die organische Düngung und die Behandlung des Spargels nach der Ernte – all diese Faktoren sind wichtig für den guten Geschmack des Spargels. Auch der Ausbau der Spargelvielfalt und der Neu-Kultivierung alter Sorten – wie zum Beispiel „Huchels Leistungsauslese“ stehen für uns im Fokus. Außerdem führen wir regelmäßige Geschmackstests mit den verschiedenen Sorten durch und pflanzen ausschließlich gutschmeckende Sorten. Nicht ohne Grund trägt die beliebteste Sorte bei uns die Bezeichnung „Gourmet-Spargel“. Sie sehen also: Wir sind echte SchmeXperten.“ 

Boris Rogosch (l.) lässt sich von Hinrich Niemann ins Spargelstechen einweisen

Für den Spargelanbau braucht man Geduld. Das erste Jahr wird die junge Pflanze gehegt. Das heißt, so Hinrich Niemann, dass das Unkraut rundherum entfernt werden muss, gegebenenfalls muss sie beregnet werden oder man muss gegen Schädlinge vorgehen – und sie benötigt Dünger. Im zweiten Jahr wird sie auf die gleiche Weise weiter gepflegt. Erst im dritten Jahr kann ein Teilertrag geerntet werden.  

„Eine Spargelpflanze steht einige Jahre auf dem Feld und kann ab dem dritten Jahr geerntet werden. Nach zehn Jahren ist sie gealtert und wird kaputt gefräst und als Naturdünger im Feld belassen. Auf dem ehemaligen Spargelfeld können nun Getreide oder Zuckerrüben angebaut werden. Mit dem erneuten Spargelanbau sollte man schon zwanzig Jahre warten, denn die neuen Pflanzen mögen die verrottenden Wurzeln der alten Spargelpflanzen nicht. Man braucht also nicht nur Geduld, sondern auch viel Fläche. Da wir so viel Fläche nicht haben, tauschen wir die Felder immer wieder mit unseren Nachbarn,“ erzählt der stolze Spargellandwirt. 

Das Spargelstechen muss fachgerecht ausgeführt werden, denn man kann eine Spargelpflanze auch kaputt stechen oder Bruch produzieren. Deswegen wird den neuen Erntekräften bei den Niemanns erst einmal ein Lehrfilm gezeigt, nachdem eine zweitägige Probezeit absolviert wurde. Erst dann darf der Erntehelfer richtig loslegen. Für die Erntezeit beschäftigen die Spargelbauer eine Stammmannschaft von 25 Mitarbeitenden, die aus Bulgarien und Polen kommen. Wer das Spargelstechen einmal probiert hat, der weiß, dass das ein richtiger Knochenjob ist. „Rücken“ darf man da nicht haben! 

„Vom Stechen bis zum Angebot im Regal hat man jede Spargelstange siebenmal in der Hand gehabt. Das ist richtig Megaarbeit,“ weiß Hinrich Niemann zu berichten. 

Seit über 10 Jahren bauen die Niemanns auch eigenen Grünspargel an. Die Sorten „Xenolim“ und „Bacchus“ sind zart und aromatisch. Grünspargel erfreut sich steigender Beliebtheit in der jungen, frischen Küche.  

Auf Wunsch bekommt man seine Stangen frisch geschält. Die moderne Schälmaschine schält mehr als eine Stange pro Sekunde. Jede Stange wird noch einmal von Hand kontrolliert. Diesen „tiptop“ geschälten Spargel kann der Verbraucher direkt in den Kochtopf geben. 

Nachhaltigkeit beim Spargelanbau 

„Auch mir als traditioneller Landwirt liegen der Erhalt und die Förderung der Bodenfruchtbarkeit sehr am Herzen. Ein wichtiger Indikator sind Regenwürmer, die wir zahlreich finden. Wir wollen so klimafreundlich wie möglich produzieren. Auf diesem Weg unterstützt uns die Klimaschutzberatung des Landwirtschaftsministeriums,“ erzählt Hinrich Niemann. 

Als Erstes wurden die Emissionen analysiert: Wie hoch sind diese und wo kommen sie her? Auf der Grundlage dieser Analyse wurden verschiedene Maßnahmen definiert und umgesetzt: Mit der eigenen Photovoltaik-Anlage wird bis zu 35KW eigener Strom erzeugt. Dieser wird direkt in der Aufbereitungshalle, zum Beispiel für die Kühlung genutzt. Durch Humusaufbau im Boden kann CO2 aus der Luft gebunden werden. Dieses wird hier durch die Einsaat eines Kleegras-Gemisches zwischen den Spargelreihen erreicht. Die Pflanzerde für die Erdbeeren wird klimaneutral eingekauft. Die Treibhausgasemission und der CO2-Fußabdruck im Bereich des Spargelanbaus konnten in den vergangenen vier Jahren bereits um 22% pro Kilogramm Spargel gesenkt werden. Damit begeistert der Spargelhof Niemann mittlerweile auch viele Gastronomen in der Lüneburger Heide und in Hamburg. Lässt sich schließlich nur mit Qualitätsspargel auch Qualität auf den Teller bringen.

Lass es blühen  

Entlang der Spargel- und Erdbeerfelder haben die Niemanns ausgedehnte, mehrjährige Blühstreifen und -flächen angelegt. Diese bieten wichtige Nahrungs- und Rückzugsorte für Insekten und andere Tiere wie Bodenbrüter und Niederwild. Und auch die angrenzenden Wegesränder sollen ihren naturbelassenen Charakter mit Hecken und Bäumen nicht verlieren. Gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft Wichtenbeck wurden mehrere Obstbäume gepflanzt. Darüber hinaus unterstützen die Spargelexperten als Blüh-Paten gemeinsam mit ihren Kunden die Landwirte des Insektenschutzprojektes „Lass es blühen!“. Friedrich Helmke, Henning Pfeiffer und Jan Kaiser haben mit ihrer Initiative bereits großzügige Blühflächen in und um Suhlendorf und im Wendland angelegt. Niemanns Kunden können die Gutschrift, die sich aus einem vollen Bonusheft ergibt, in eine Spende an die Initiative umwandeln. Der Spargelhof verdoppelt den Betrag dann jeweils noch einmal. 

Und seit der letzten Saison werden die Spargel-Verkaufsstände mit einem Elektro-Fahrzeug beliefert.
 

Kann Folie nachhaltig sein? 

Darüber kann man sich wahrscheinlich streiten. Hinrich und Gunda Niemann denken: “ja!”: Die Folie hat verschiedene positive Effekte. So minimiert sie beispielsweise die Wasserverdunstung. Des Weiteren wächst unter der schwarz-weißen Folie kein Unkraut, weil das Licht fehlt. So entstehen also unkrautfreie Dämme, ohne dass Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen. 

Zudem hat die Folie eine weiße und eine schwarze Seite. Wenn es zum Beispiel zu warm wird, wird die Folie einfach umgedreht. Mit der weißen Seite oben behält der Spargel einen „kühlen Kopf“. Dies sichert eine gleichbleibend hohe Qualität und minimiert so Lebensmittelverschwendung. 

Um möglichst frühzeitig heimischen Spargel anbieten zu können, bauen die Niemanns auf ausgewählten Feldern ihre „Sonnentunnel“ über die Spargeldämme auf. Das hat den Effekt, dass zwei bis drei Wochen früher in die Saison starten können. 

Am Ende der Saison wird die Folie aufgewickelt und die nächsten Jahre wiederbenutzt. Die Folie wird bis zu acht Jahren wiederverwendet. 

Und wenn die Folien das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben, werden sie in einem Spezialbetrieb in Deutschland geschreddert, gewaschen und recycelt. Das Recyclat ist ein begehrter Rohstoff, denn er ist „sortenrein“ und keine Mischung aus verschiedenen Abfällen. Sämtliche Altfolie wird dem ERDE-System zugeführt. 

Zurzeit wird gerade eine „aus-alt-mach-neu-Folie“ getestet, die zu 70% aus alter Folie besteht. 

Erdbeergenuss 

Seit 2014 werden auf dem Spargelhof auch eigene Erdbeeren angebaut. Zuerst im Freilandanbau, doch da hat man bei Regenwetter oft matschige Früchte. Das Problem kann man lösen indem man die Erdbeeren im sogenannten „geschützten Anbau“ kultiviert. Also im Tunnel. 

© Spargelhof Niemann

Seit 2016 wachsen alle Erdbeeren im geschützten Anbau direkt am Hof. Zusätzlich haben Niemanns seit 2017 noch drei Tunnel bei der Biogasanlage in Böddenstedt. Hier wird die Abwärme genutzt, um noch früher ernten zu können. Jetzt gelingt es den Landwirten, fast über den gesamten Zeitraum der Spargelsaison, Ende April bis 24. Juni, und natürlich darüber hinaus, immer sehr leckere Erdbeeren aus eigenem Anbau anbieten zu können.

Hofladen 

In dem kleinen Hofladen werden die weißen und grünen Spargel frisch vom Feld – gerne auch schon fix und fertig geschält – angeboten, sowie die eigenen Erdbeeren. Außerdem Schinken, Wurst und weitere Spezialitäten von der Fleischerei Munstermann aus Munster, Heidekartoffeln vom Kartoffelhof Schulte-Mausbeck in Wessenstedt bei Ebstorf, Tees und mehr von der Heide-Kräutermanufaktur in Eimke, verschiedene Honigsorten vom „Dorfimker“ Johannes Bodach, sowie Sauce Hollandaise, verschiedene Weine und weitere Kleinigkeiten. 

© Spargelhof Niemann

Wo bekommt man sonst den Spargel? 

Die Vermarktung des Spargels erfolgt auch über die Fleischerei Kudritzki in Wrestedt, in Uelzen bei AutoPlus, auf den Wochenmärkten in Uelzen, Ebstorf und Bad Bevensen, sowie ein paar Edeka-Märkten.  

Zudem beliefert Familie Niemann die Gastronomie mit ihrem Spargel. 

Spargelhof-Niemann 
Hinrich Niemann 
Hauptstrasse 7 
29578 Eimke 

Tel.: 05873/253 
E-Mail: mail@spargelhof-niemann.de 
www.spargelhof-niemann.de 

Öffnungszeiten: Hofladen täglich von 8.30-18.30 Uhr 

Unser Foodtalker auf dem Spargelhof Niemann 

© Spargelhof Niemann