Jens Mecklenburg

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Prickelnd ins neue Jahr

Kleines Schaumwein ABC
30. Dezember 2019

Mittlerweile haben sich viele Menschen ein fundiertes Basiswissen in Sachen Wein angeeignet. Können Rebsorten, Preise und Qualitäten einschätzen, wissen welcher Wein zu welchem Essen passt. Nur beim Schaumwein scheint immer noch die Devise zu gelten: Hauptsache, es sprudelt! Doch das Prickeln, gern auch die Süße, blenden, die Qualität ist oft lausig. 

Dabei bieten die Schaumwein-Regale, besonders die der Fachhändler, eine tolle Vielfalt und für jeden Anlass, Geschmack und Geldbeutel ist was dabei.   



Champagner 

Er darf nur so heißen, wenn er aus dem französischen Weinanbaugebiet Champagne kommt. Durch das kühle Klima, die Kreideböden, die Rebsorten, die Hefenoten und die besonders langsame zweite Gärung in der Flasche ist er wie Parfüm am Gaumen. Als Motto sollte gelten: Wenn es Champagner sein soll, dann bitte nur ein guter. Und bitte nicht den langlebigen Gerüchten glauben, beim Discounter gäbe es guten Champagner. Das Zeug taugt nur für den Ausguss. Ich persönlich favorisiere nicht allein die großen Namen, sondern gerne individuelle von kleineren Winzer-Betrieben. Sie sind handwerklich toll gemacht und oft auch günstiger. Guten Winzer-Champagner gibt es schon für 35 bis 40 Euro.

© DWI


Prosecco 

Durch die Tankgärung hat der Italiener keine Hefenoten wie Champagner. Die Rebsorte Glera ist sehr aromatisch, mit blumiger, fruchtiger Note. Die Kohlensäure ist schäumend bis cremig. Im Gegensatz zum Champagner, der filigraner ist, lullt ein Prosecco einen auf die Schnelle ein.

Zu klären ist noch die Frage: Frizzante (Perlwein) oder Spumante (Schaumwein)? Im Sommer ist ja ein Frizzante ganz nett. Aber passend zur Jahreszeit sollte man jetzt zum Spumante greifen. Ein Prosecco eignet sich gut zur Begrüßung. Für eine anständige Qualität muss man um die 12 Euro ausgeben. 

Sektherstellung, Weingut Griesel. © DWI


Winzersekt 

Wer sichergehen will und alle Geschmäcker treffen möchte, sollte einen schönen Winzer-Riesling-Sekt der Kategorie brut holen. Bei „brut nature“ sollte man bedenken: der ist wirklich sehr, sehr trocken. Ein Riesling-Sekt hat eine feine Dosage und pusht das Riesling-Aroma am Gaumen. Er ist nicht nur ein perfekter Aperitif, sondern umschifft auch ganz elegant Klischees wie „Aha, wir sind denen nur Prosecco wert“ oder „Sieh an, Champagner. Die lassen ja mal wieder den dicken Max raushängen“. Ein Riesling-Sekt passt mit seinen feinen Kohlensäureperlen auch gleich zur Vorspeise, wie etwa Lachs. Mit 12 Euro ist man gut dabei.


Crémant 

Ein Schaumwein, der vielen schmeckt, die es nicht zu süß oder zu trocken mögen. Er kommt oft aus dem Elsass und von der Loire und hat mindestens ein neun Monate langes Hefelager nach der zweiten Gärung in der Flasche hinter sich. Crémant ist eine günstige Alternative zum Champagner, allerdings mit einer feineren Hefenote. Der Preis für einen guten Crémant liegt um die 12 Euro.


Alkoholfrei

© DWI

Das neue Jahr nicht mit einem Glas Sekt begrüßen – das ist für viele undenkbar. Wer keinen Alkohol mag oder aus anderen Gründen abstinent lebt, muss aber nicht zuschauen. Das Angebot an alkoholfreiem Sekt nimmt stetig zu, ebenso die Nachfrage. In den ersten neun Monaten 2019 übertraf der Absatz der Schaumweine ohne Alkohol das Ergebnis im Vorjahresraum um fünf Prozent. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend zum alkoholfreien Sekt fortsetzen wird“, sagt eine Sprecherin des Verbands Deutscher Sektkellereien. Begonnen habe der Trend im Zeichen eines wachsenden Bewusstseins für gesunden Lifestyle vor drei oder vier Jahren. Aktuell entfällt etwa fünf Prozent des Sektabsatzes in Deutschland auf alkoholfreie Produkte. „Die Qualität hat sich in den vergangenen Jahren verbessert“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Grund sind neue Verfahrenstechniken. Qualitätswinzer verzichten aber in der Regel darauf, ihre Schaumweine zu entalkoholisieren, verliert der Sekt dadurch doch an Natürlichkeit und Qualität. Als Alternative produzieren sie stattdessen lieber alkoholfreien Trauben-Secco.



Eine Milliarde für Sprudelwasser

Die deutschen Verbraucher geben im Jahr mehr als eine Milliarde für Sekt und Champagner aus. Für Champagner, Sekt und Prosecco greifen die Verbraucher also tief in die Tasche – zumindest auf den ersten Blick. In den vergangenen zwölf Monaten kauften sie allein im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten (!) rund 324 Millionen Flaschen Schaumwein und gaben dafür rund 1,25 Milliarden Euro aus. Am größten ist die Nachfrage nach Sekt, Champagner und Co. natürlich zu Weihnachten und Silvester. Macht im Jahr vier Flaschen für jeweils rund 4 Euro inklusive Champagner für den Durchschnittstrinker. Bei einem Preis von 4 Euro pro Flasche abzüglich der Sektsteuer (1,02 Euro) und der Mehrwertsteuer (0,64 Euro) verbleiben für den Inhalt, die Glasflasche und den Korken 2,34 Euro. Was kann für rund 2 Euro in der Flasche drin sein? Natürlich nichts, was auch nur in die Nähe von Genuss und Qualität kommen könnte. Mehr als 50% verkaufen die großen deutschen Sekthersteller wie Rotkäppchen-Mumm und Henkel Freixenet über Rabattaktionen im Handel. Der Handel ist davon überzeugt, mit dem Billigsekt Kunden in ihre Läden zu locken, die auch andere Dinge kaufen. Einerseits hoffen sie auf die Strahlkraft von Sekt, andererseits wird er verramscht. Auf der Strecke bleiben Qualität und Genuss. Dabei bekommt man im Fachhandel schon ab ca. 8 Euro anständige Schaumweine. Für Champagner wie für gute Schaumweine gilt: Eine Flasche kann vielleicht nicht die Welt retten, den Tag aber auf jeden Fall!