Das Tier und wir – Wolf wieder frei

Auswilderung auf Bewährung
9. April 2026

Der Wolf, der in Hamburg eine Frau verletzte, ist mit einem Sender versehen an der Grenze zu Niedersachsen ausgewildert worden. Umweltsenatorin Fegebank spricht von einer „rechtssicheren Lösung“.

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Das männliche Jungtier sei mit einem Sender ausgestattet und am Ostersonntag wieder ausgewildert worden, teilte die Umweltbehörde mit. Wo genau der Wolf freigelassen wurde, gab sie nicht bekannt. Das Tier hatte sich seit Dienstag in einer Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg befunden.

Bei seiner Auswilderung am Ostersonntag wurde er im südlichen Hamburger Stadtgebiet an der Grenze zu Niedersachsen freigelassen, teilte das Umweltministerium in Hannover auf Anfrage mit.

Andere Lösungen als die Auswilderung seien „nicht umsetzbar“ gewesen, hieß es von der Umweltbehörde. Es sei aus „rechtlichen und praktischen Gründen“ nicht möglich gewesen, das Tier in einem Wildgehege unterzubringen. Es zu töten, sei aus „rechtlichen Gründen“ ebenfalls keine Option gewesen.

Wolfsexperten wie Norman Stier von der Technischen Universität Dresden hatten zuvor auch öffentlich argumentiert, dass sie die Integration des Wolfs in ein Rudel in einem Wildpark für unmöglich hielten. „Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind“, sagte Stier.

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Standort jederzeit bekannt

„Mit der Auswilderung haben wir für diesen Wolf nun eine rechtssichere Lösung gefunden, die die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger und das Tierwohl berücksichtigt“, sagte Umweltsenatorin Katharina Fegebank. Durch den Sender sei der Standort des Tieres zu jeder Zeit bekannt, Jäger könnten im Zweifel unmittelbar eingreifen, wenn der Wolf sich beispielsweise wieder einer Siedlung nähere. „Es ist eine Auswilderung auf Bewährung“, sagte die Senatorin. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sich mit Expertinnen und Experten beraten.

Der Wolf war erstmals am letzten Märzwochenende im Westen Hamburgs gesichtet worden. Am Montag vor einer Woche war er dann in eine kleine Einkaufspassage an der Großen Bergstraße im Stadtteil Altona gelaufen und hatte dort eine etwa 60 Jahre alte Frau verletzt. Anschließend rannte der Wolf mehrere Kilometer durch die Innenstadt und sprang schließlich in die

Binnenalster, wo die Polizei ihn einfangen konnte.

Die Umweltbehörde geht davon aus, dass der Wolf die Frau gebissen hat, als diese mutmaßlich auf das panische Tier zuging, um es durch die gläsernen Automatiktüren der Einkaufspassage nach draußen zu lassen. Umweltsenatorin Fegebank hatte dazu am Dienstag auf den Polizeibericht verwiesen. Was genau in dem Bericht steht, ist jedoch unbekannt, da die Polizei ihn nicht veröffentlicht.

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Mahnwache für den Wolf

Naturschützer bezweifeln, dass der Wolf die Frau angegriffen und gebissen hat. Sie verweisen etwa auf eine Zeugin, die gesehen haben will, dass der Wolf die Frau angesprungen, aber nicht gebissen habe. Die Textilhändlerin mit eigenem Geschäft in der Passage sagte dem Hamburger Abendblatt: „Es sah eher so aus, als hätte der Wolf sie beim Anspringen mit seiner Pranke im Gesicht getroffen.“

Am Ostersonntag hatten sich nach Veranstalterangaben rund 150 Tierfreunde bei einer Mahnwache am Hamburger Jungfernstieg für die Freilassung des Tieres starkgemacht. Beobachter schätzten die Zahl eher auf 100. Einige von ihnen brachten ihre Hunde mit, andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Lasst ihn zurück in seine Freiheit“, „Ich bin keine Trophäe“ oder „Der Wolf soll bleiben“. Der Wolf war an jener Stelle von der Polizei aus der Binnenalster gefischt worden.