Buchvorstellung: Quallen

Quallen: Sind das nicht diese glitschigen Tierchen, die im Meer treiben und eklig brennen können? Weit gefehlt: Wer sein buntes Wunder erleben und eine faszinierende Lebensform kennenlernen möchte, der sollte dieses Buch über Quallen lesen.


Der Untertitel des zauberhaften Buches von Lisa-Ann Gershwin ist gut gewählt: „Von der Faszination einer verkannten Lebensform“. Wer Quallen ohnehin schon toll fand, wird durch das Buch nur bestätigt. Wer diese Nesseltiere bisher nicht mochte, findet viele Gründe seine Sicht auf Quallen zu ändern. Dafür sorgen schon die atemberaubenden Fotografien, die Seite für Seite die bizarre Schönheit dieser seltsamen Unterwassertierwelt dokumentieren.

Nicht von dieser Welt?

Quallen scheinen nicht von dieser Welt zu sein – zumindest nicht zur herkömmlichen Fauna zu passen, denn: Wo befindet sich ihr Kopf? Wie bewegen sie sich eigentlich fort? Manche sind so winzig, dass wir sie kaum sehen können und andere werden länger als ein Blauwal. Sie haben zumeist weder Hirn noch Herz und pflanzen sich oft ohne Sex fort – produzieren aber Massen von Nachkommen. Ihre Vielfalt ist unglaublich und sie tragen bizarre und bisweilen poetische Namen: Seewespe, Zigarrenqualle, Riesenstaatsqualle, Venusgürtel.

In fünf Kapiteln informiert das Buch umfassend über Quallen: Zunächst geht es um ihre ausgefallene Anatomie, sodann um ihren Lebenszyklus, der sie unsterblich erscheinen lässt, und dann um die Evolutionsgeschichte dieser Wesen, die seit fünfhundert Millionen Jahren die Meere bevölkern. Die Lebenswelt der Quallen und die Beziehung zu ihrer Umwelt ist ein eigenes Thema, bevor es abschließend um das Verhältnis von Qualle und Mensch geht. Und das ist – man ahnt es schon– problematisch. Tatsächlich können einige Quallen richtig giftig sein. Doch handelt es sich nicht so sehr um gefährliche, als vielmehr um gefährdete Schönheiten. Man kann sie übrigens auch essen. Für die Welternährung der Zukunft wird ihr noch eine bedeutende Rolle zukommen. 50 der bedeutendsten und faszinierendsten Arten werden in kleinen Porträts vorgestellt: von der winzigen unsterblichen Qualle Turritopsis bis zur riesigen Nomura. Quallen gehören zu den ältesten Lebensformen auf der Erde. Sie wird es auch noch geben, wenn die Menschheit ausstirbt. Grund genug könnte man meinen, sich mit ihr zu beschäftigen. Von Quallen lernen heißt schließlich unsterblich werden.    

Lisa-Ann Gershwin

Quallen. Von der Faszination einer verkannten Lebensform

Delius Klasing Verlag, 224 Seiten, 260 Farbfotos, Format 25 x 22 cm, gebunden, 29,90 Euro

 

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