Supermärkte in Europa schlagen Alarm – Cyberangriff auf ihre Kühlsysteme

3. November 2026
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Vor drei Wochen hatte ein großangelegter Cyberangriff in Frankreich die Kühlanlagen mehrerer Supermarktketten lahmgelegt.  Nun sorgten Angreifer in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland und den Niederlanden dafür, dass Kühlschränke und Tiefkühltruhen wärmer wurden. Das berichteten europaweit zahlreiche Nachrichtenagenturen.

Hacker-Angriff: Anlagen heizen statt kühlen

Eine Filiale der schwedischen Supermarktkette Ica in Sjöbo schrieb am Montag im Onlinedienst Facebook, ihre Kühl- und Gefrierschränke seien gehackt und die Temperatur auf 50 Grad Celsius gestellt worden. In Belgien waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga Gefrier- und Kühlanlagen der Supermarktketten Delhaize, Carrefour und Spar betroffen. 

Lebensmittel müssen entsorgt werden

Der Angriff begann gegen Mitternacht, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga den Vorstandschef des Kühlanlageninstallateurs Sabcobel, Stephan Moelans, zitierte. Demnach waren insgesamt rund 20 Kühleinheiten des Unternehmens betroffen. Den Angaben zufolge schalteten die Angreifer die Anlagen in den Abtau-Modus. Ein Carrefour-Sprecher bestätigte, rund 15 Filialen der Kette in Belgien seien Opfer eines Cyberangriffs geworden.

In Belgien und Luxemburg verzeichneten unter anderem die Handelskonzerne Ahold Delhaize und Colruyt Störungen.

Luc De Laet, der Gründer und Inhaber der belgischen Metzgereikette De Laet & Van Haver, berichtete, er sei um 3.30 Uhr morgens von einem Mitarbeiter geweckt worden, der ihm mitteilte, dass es ein Problem gebe. Er sei zu seinem Geschäft im belgischen Hove geeilt und habe dort festgestellt, dass die Temperatur in den Kühlschränken auf bis zu 18 Grad Celsius angestiegen war. Dadurch seien Fleischwaren im Wert von rund 15.000 Euro ungenießbar geworden, so De Laet. Er sprach von einem »sehr beängstigenden« Vorfall.

Die schwedische Supermarktkette Ica erklärte, eine „begrenzte Zahl“ an Filialen sei betroffen. Coop teilte mit, sechs seiner 800 Standorte in Schweden hätten Probleme mit Kühl- und Gefrierschränken gehabt und deswegen Lebensmittel wegwerfen müssen.

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Auch Irland und Estland betroffen

In Irland waren nach Angaben des Senders RTÉ 13 Supermärkte betroffen. Vorsorglich wurden gekühlte und gefrorene Lebensmittel in den betroffenen Filialen aus dem Verkauf genommen. In den Niederlanden seien mindestens 17 kleinere Geschäfte betroffen, teilte das Kühltechnik-Unternehmen Danfoss mit. Auch aus Estland wurde ein Fall bekannt. Ein Supermarkt und das zuständige Kühltechnik-Unternehmen bestätigten den Vorfall. Demnach verschafften sich Angreifer Zugang zum Steuercomputer eines älteren Kühlsystems von Danfoss, dessen Software bisher nicht aktualisiert worden war.

Sabotage vermutet

Die Hintergründe der Angriffe blieben zunächst unklar. Da keine finanziellen Forderungen gestellt wurden, vermuten Experten Sabotage. „Der Einzelhandel ist ein leichtes Ziel, weil Handelsketten eine Vielzahl von Kühlreglern, Gebäudemanagementsystemen, Zugangskontrollen und Kassensystemen betreiben“, erklärte Tom Hegel, Analyst beim Cybersicherheitsunternehmen SentinelOne. Die Margen im Lebensmittelhandel seien gering und die Ware verderbe innerhalb weniger Stunden, weshalb jede Störung schnell schmerzhafte, öffentlich sichtbare Folgen habe.

Vorfall ähnelt Cyberangriff in Frankreich

Den Angaben zufolge handelte es sich um dasselbe Vorgehen wie bei dem großangelegten Cyberangriff auf Supermärkte in Frankreich vor drei Wochen. Am 12. Oktober waren durch einen Cyberangriff in Frankreich in zahlreichen Filialen der Supermarktketten Intermarché und Coopérative U die Kühlanlagen lahmgelegt worden. Sämtliche gekühlten und gefrorenen Waren mussten vernichtet werden. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem „großangelegten Cyberangriff auf die vernetzten Kühlsysteme mehrerer großer Lebensmittelmärkte im ganzen Land“.

Auch die EU-Kommission äußerte sich am Montag zur erneuten Angriffsserie. »Diese Vorfälle zeigen, dass Cyberangriffe Dienstleistungen stören, Unternehmen beeinträchtigen und sich direkt auf den Alltag der Bürger auswirken können«, sagte ein Sprecher der Kommission und betonte, wie wichtig es sei, die Cybersicherheit in der gesamten Union zu stärken.

Christophe Hansen, der EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, vermutet unterdessen, die Attacken seien »ein gezielter Versuch, die Lebensmittelversorgung der EU zu stören« und das Vertrauen der Verbraucher in dieses System zu untergraben. Hansen betonte aber zugleich, dass die Lebensmittelsicherheit derzeit nicht gefährdet sei.

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So können sich Supermärkte schützen

Nach dem Vorfall in Frankreich hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor Angriffen auch in Deutschland gewarnt. Das BSI empfiehlt, „aus dem Internet erreichbare Steuerungsanlagen nach dem Stand der Technik abzusichern“. Konkret rät das BSI, den direkten Zugriff aus dem Internet auf Steuerungssysteme zu unterbinden und sogenannte virtuelle private Netzwerke (VPN) und „multifaktorgeschützte Zugriffe“ zu nutzen. Zudem sollten die Systeme auf dem aktuellen Stand gehalten und Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen kurzfristig eingespielt werden.