Jens Mecklenburg

Herausgeber & Autor

Zum Portrait

Topinambur

Nussig-süße Sonnenblume
19. November 2020

Die Topinambur-Knolle (Helianthus tuberosus) hat viele Bezeichnungen: Erdbirne, Erdapfel, Erdartischocke, Diabetikerkartoffel … um nur einige zu nennen. Die uramerikanische Sonnenblumenart kam um 1600 nach Europa, breitete sich rasch aus – von den französischen Fürstenhöfen über Baden nach Norddeutschland – und war bis Mitte des 18. Jahrhunderts ein beliebtes Grundnahrungsmittel.

Topinambur: Sonnenblumenart aus Uramerika

Benannt wurde die von den amerikanischen Ureinwohnern kultivierte Pflanze aus der Familie der Korbblütler nach dem südamerikanischen (brasilianischen) Stamm der Tupinambas. 

Mit dem Siegeszug der kalorienreicheren Kartoffel verlor Topinambur zunehmend an Bedeutung. Nur noch in Hungerzeiten stand sie auf dem Speisezettel. Seit einigen Jahren erlebt die Topinambur-Pflanze bei uns jedoch wie die Pastinake eine Renaissance. Vor allem die Naturmedizin hat die Knolle als Heilmittel gegen zeitgeistige Gesundheitsprobleme entdeckt: Übergewicht und Diabetes. Die Topinambur ist nämlich kalorienarm und hat einen langanhaltenden Sättigungs-Effekt. In Apotheken und Reformhäusern sind sogar Topinambur-Tabletten gegen Heißhunger-Attacken erhältlich. Ob es hilft? Aber die Knolle ist tatsächlich gesund, denn sie ist reich an Kalium, Phosphor, Kalzium, Magnesium und Eisen. Sie ist auch für Diabetiker ideal, da sie Inulin, ein Reserve-Kohlenhydrat enthält, das ohne Insulin verdaut werden kann.

Die bis zu drei Meter hohe Pflanze ist wegen der dekorativen Blätter und hübschen Blüten für jeden Garten eine Zierde. Topinambur ist allerdings auch sehr vermehrungsfreudig, doch durch eine Wurzelsperre lässt sich die Delikatesse im Zaum und vom Wuchern (ab-)halten. 


Vielfältig in der Küche einsetzbar

Zubereitet wird die helle Knolle mit der gelben, braunen oder violetten Schale

– die Schale ist hauchdünn, deshalb muss sie nicht unbedingt geschält werden, es genügt, sie gut abzubürsten – ganz nach Belieben: gebacken, gebraten gedünstet, püriert, roh oder gekocht und mariniert als Salat. Roh hat sie einen artischockenähnlichen Geschmack, gekocht einen nussig-süßlichen.

Alles was man in der Küche mit einer Kartoffel anstellt, ist auch mit Topinambur möglich. Beide vertragen sich auch gut gemeinsam im Püree oder als Salat. Einfach mal ausprobieren! Bei Kontakt mit Sauerstoff verfärbt sich das weißliche Fleisch bräunlich, ein paar Spritzer Zitronensaft helfen, die Farbe zu behalten.

Die Topinambur-Knolle hat schöne Blüten fürs Auge und gesunde, leckere Früchte für den Magen – mehr kann man von einer Gemüsepflanze nun wirklich  nicht erwarten.


Topinambur-Kartoffelsalat

Zutaten

500 g Topinambur

4 große festkochende Kartoffeln

4 EL Rapsöl (kalt gepresst)

100 ml Gemüsebrühe

1 EL Weißer Balsamico

1 EL Kokosmilch

Salz, Pfeffer

½ Bund Dill 


Zubereitung

Topinambur und Kartoffeln in Salzwasser weichkochen. Dann schälen, in Scheiben schneiden und in eine Schüssel geben. 

Noch warm anmachen: zuerst Öl und Essig zugeben, dann die leicht erwärme Brühe, dann die Kokosmilch. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und vorsichtig verrühren. Zum Schluss den klein geschnittenen Dill drüberstreuen. 


Tipp

Die leicht nussig schmeckenden Rapsöle aus heimischer Produktion haben in den letzten Jahren stark an Qualität gewonnen und sollten mehr Beachtung finden. Statt Dill kann man auch Fenchelkraut verwenden. Am liebsten esse ich den Salat zu einem gerillten Fisch. 

Topinambur ©Ingo Wandmacher