Barbara Maier

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Skudden

Charmante und robuste Schafrasse
21. Februar 2022

Heike Völtz und ihr Mann Norbert Westphal züchten in ihrer Freizeit Skudden – eine kleine, robuste und alte Schafrasse, die aus dem Baltikum und Ostpreußen stammt. Ihr restaurierter Resthof liegt mit vielen Weideflächen in der Elbmarsch in Moordiek. Inzwischen ist der Hof seit zwanzig Jahren das Heim der beiden Skuddenliebhaber und ihrer circa 50-köpfigen Schaferde.

Heike Völtz und Norbert Westphal ©Skuddenhof Moordiek

Die Organisationsberaterin und der Bauingenieur wollten wieder raus aus der Stadt und zurück aufs Land. Da beide sehr tierlieb sind hatten sie schon vor langer Zeit angefangen, nach einem für sie passenden Resthof zu suchen. Irgendwann war der richtige Hof 35 Kilometer nordwestlich von Hamburg dann gefunden. Nun wurde überlegt, welche Tiere man denn halten möchte. Pferde kamen in die engere Wahl, doch die Haltung dieser Tiere ist sehr zeitaufwendig. Da beide nach wie vor Vollzeit berufstätig sind, schauten sie sich weiter um und stießen irgendwo unterwegs auf ein paar Skudden. Bei Heike Völtz war es Liebe auf den ersten Blick. Nachdem sich beide ausgiebig über diese Rasse informiert hatten, gab es für Heike Völtz und Norbert Westphal kein Halten mehr. Sie schafften sich sechs Monate später eine kleine Herde von fünf Skudden an.

Heike Völtz ist begeistert von ihren Skudden: „Skudden sind sehr gesellige Tiere und leben im engen Herdenverband. Alleinsein ist nicht nach ihrem Geschmack, sodass mindestens fünf Tiere zusammenleben sollten. Skudden kommen mit weißer, schwarzer, brauner oder grauer Wolle vor. Die Muttertiere sind meist hornlos, Böcke tragen ein wunderschönes, zu Schnecken gewundenes Gehörn. Skudden sind lebhaft, neugierig, plietsch, etwas eigensinnig und unglaublich treu. 

Und da sich die Tierliebe von Völtz und Westphal nicht nur auf ihre kleinen Schafe bezieht, leben auch um die vierzig  Freilandhühner, ein Kater und, statt eines Wachhundes, zwei Gänse auf dem Hof. Heike Völtz erzählt schmunzelnd, „wenn unser Kater in der Diele sein Futter bekommt und wir vergessen die Außentür zuzumachen, kommen sofort einige Hühner angerannt um ihm sein Fressen streitig zu machen. Hühner haben ein super Gedächtnis und können sich noch nach einem Jahr an einen bestimmten Platz erinnern.“


Robust und ursprünglich

Die Skudden sind eine sehr alte und kleine Schafrasse. Selbst große Böcke wiegen gerade einmal 50 Kilogramm. Das ist ein Drittel dessen, was herkömmliche Fleischschafrassen auf die Waage bringen. Sie sind dem Wildschaf genetisch noch am verwandtesten und zeichnen sich durch Robustheit und ursprüngliches Verhalten aus.

Skudden kommen auch mit kargen Flächen gut klar; sie verbeißen sogar Disteln und Brenneseln. So werden sie mancherorts auch gerne als Landschaftspfleger eingesetzt. 

Obwohl sie auch durch ihre große Widerstandskraft und das hochwertige Fleisch gegenüber anderen Schafrassen einige Vorzüge besitzen, wurde die Skudde immer mehr verdrängt. Mit Einführung neuer Leistungsrassen wurde die Skudde nun zum Schaf „der kleinen Leute“.

Laut Slow-Food gibt es in Schleswig-Holstein geschätzt ca. 250-300 Tiere. Die Anzahl der Skudden, die von Hobbyzüchtern geführt werden, sind jedoch schwer zu schätzen, da ihre Anzahl nicht erfasst wird. 

Die Skudde gilt als gefährdet, Kategorie III gemäß der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und vom Aussterben bedrohter Haustierrassen (GEH). Der aktuelle Bestand ist tendenziell abnehmend, so ein Bericht von Slow-Food.

©Skuddenhof Moordiek

Schafe, Böcke, Lämmer

Trotz ihrer robusten Konstitution benötigen sie einen Unterstand, wo sie Schutz vor zu viel Sonne oder Starkregen suchen können. Die im Winter trächtigen Mädels kommen in dieser Zeit in einen geräumigen Stall. Sie können sich hier frei bewegen, sich ins Heu legen und ihre Besitzer haben die Möglichkeit, täglich nach den Tieren zu sehen. Nach fünf Monaten werden die Lämmer geboren – meistens als Zwillinge. Sie wiegen dann gerade zwischen drei und vier Kilogramm. Die kleinen Böckchen bleiben für drei Monate bei ihrem Muttertier. Danach werden sie auf die Bockweide gebracht. Die kleinen weiblichen Schafe bleiben bei Muttern und im weiblichen Herdenverband. Im Frühjahr kommen die Muttertiere mit ihren Lämmern dann wieder auf die Weiden. Die weiblichen Schafe sind in mehreren Gruppen auf verschiedene Weiden verteilt. Die Böcke, deren Anzahl wesentlich geringer ist, weiden gemeinsam, aber separiert von den Mädels, denn Skudden haben, wie wir Menschen, einen ganzjährlichen Zyklus. Allerdings von nur 21 Tagen. Die Lämmer sollen möglichst geboren werden, wenn es draußen schon wieder wärmer wird. Dementsprechend werden die Böcke, wenn sie eineinhalb Jahre alt sind, Ende September für sechs bis acht Wochen bei ihren Mädels gelassen. Im März und April werden die Lämmer dann geboren. 

Der Skuddenhof umfasst eine Gesamtfläche von sechs Hektar. Diese sind nötig, um die kleinen Herden alle drei bis vier Wochen umweiden zu können, denn das Grün der Flächen ist schnell abgegrast. Zudem soll auch genug Gras zum Mähen übrig bleiben um die Winterfütterung mit Heu sicherstellen zu können. Alle Weiden und Flächen hier sind unbehandelt, sodass Gras und Heu vom Skuddenhof Moordiek Bio-Qualität haben. Äpfel und Karotten bekommen die Schafe in der kalten Jahreszeit zusätzlich.

Wie alle Schafe brauchen auch diese regelmäßige Pflege. Neben der Klauenpflege gehört natürlich die einmalige Schur im Jahr dazu.


Zuchtskudden mit Herdbuch

Seit einigen Jahren züchten Heike Völtz und Norbert Westphal nun Bio-Skudden im Herdbuch. Die kleinen Schafe leben in Moordiek ganzjährig im Freien und werden konsequent ökologisch gehalten. Das heißt auch, dass auf Mastfuttermittel und präventive Medikamentengabe verzichtet wird. Die Tiere erhalten Gras und Bio-Heu von eigenen unbehandelten Weiden und Flächen.

Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein werden Skuddenlämmer, Jung- und Alttiere, die gekört oder körfähig sind, aus der Zucht abgegeben. Das bedeutet, dass diese Tiere ein Zuchtzeugnis vom Landesverband für Schaf- und Ziegenzucht erhalten haben. Dieses Zeugnis bekommen nur Tiere, bei denen alle Kriterien die bezüglich der Wolle, der Bemuskelung und dem Gesamterscheinungsbild geprüft werden, einwandfrei erfüllt sind.


Das Schaffleisch mit Wildbretnote

Da die Nachfrage nach lebenden Skudden nicht so groß ist, wird ein Teil der Tiere mit einem bis eineinhalb Jahren geschlachtet. Dies geschieht im Oktober und Dezember nur 5 Minuten entfernt in einer kleinen Landschlachterei, sodass Transporte und der damit verbundene Stress für die Tiere entfallen. Das Lebendgewicht der Schafe beträgt dann um die dreißig Kilogramm. Nach der Schlachtung, dem Ausbluten und dem Fellabzug bleiben noch fünfzehn Kilogramm übrig.

Durch die extensive Haltung auf Böden mit den verschiedensten Wildkräutern gedeihen die Tiere sehr gut und futtern sich dabei schmackhaftes, wildbretartiges Fleisch an. Dieses ist dunkelrot marmoriert, nicht faserig, sondern sehr fein und zart. Der Geschmack erinnert tatsächlich ein wenig an Wild. Dadurch, dass die Tiere das ganze Jahr auf den Weiden laufen und ohne Kraftfutter ernährt werden, ist das Fleisch fettarm, besitz einen hohen Eiweißanteil und hat ein vorzügliches  Verhältnis der Omega-3- zu den Omega-6 Fettsäuren. Im Vergleich zu anderen Fleischarten ist weiterhin die Konzentration an spezifischen Linolsäuren, die zu den krebshemmenden Stoffen zählen, im Fleisch der Skudde hoch.

Es werden nur halbe und ganze Tiere verkauft, auf Wunsch auch portioniert und vakuumiert. Ein halbes Tier wiegt zwischen 6 und 8 kg und umfasst Keule, Rücken, Schulter, Brust/Bauch.

Meistens ist das Fleisch, dass Anfang Oktober geschlachtet wird schon Mitte Oktober ausverkauft. Dieses Jahr geht der Verkauf durch eine weitere Schlachtung bis in den November hinein, bis dann die nächste Schlachtung im Dezember folgt.

Da es keinen Hofladen gibt, findet der erste Kontakt für den Verkauf von Skudden, dem Fleisch und der Felle über das Internet oder das Telefon statt.


Engagierte Tierfreunde

Die beiden Skuddenzüchter sind sehr engagiert. Sie sind Mitglied im Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V., in der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) und bei PROVIEH  – einem Verein, der sich die Verbesserung des Nutztier-Wohls zur Aufgabe gemacht hat.

Durch die Züchtung und den Verzehr der Skudden, tragen Heike Völtz und Norbert Westphal aktiv dazu bei, dass uns diese kleine charmante, aber auch leckere Schafrasse vielleicht erhalten bleibt. Denn nach wie vor gilt „Wir erhalten was wir essen.“

©Skuddenhof Moordiek

Skuddenhof Moordiek

Heide Völtz und Norbert Westphal

Moordiek 11

25358 Horst

Tel.: 04126 39 35 79

Mobil: 0171 556 72 70

E-Mail: info@skudden-moordiek.de
www.skudden-moordiek.de

 

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