Barbara Maier

Autorin

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Probsteier Craft Cider

Wie ein Weinmacher von der Traube zum Apfel kam
7. August 2022

Steve O´Connor und seine Frau Claudia Horn leben in dem kleinen Dörfchen Muxall in der schleswig-holsteinischen Probstei nahe der Ostsee und kreieren seit 2017 aus heimischen und alten Apfelsorten einen unverwechselbaren Cider, der immer mehr Anhänger findet. Rund 30.000 Liter werden in bester Qualität jährlich in Handarbeit in Flaschen gefüllt. 

© Muxaller Cider

Von der Traube zum Apfel 

Steve O´Connor ist gebürtiger Neuseeländer und lebt seit 1998 in Deutschland. O´Connor kommt aus einer Gastronomen-Familie, hat in Neuseeland im Marketing-Bereich einer Ölfirma gearbeitet und als er merkte, dass das nicht wirklich seins ist, studierte er Winemaker. Hier in Deutschland arbeitete er erst einmal als Gebietsleiter bei einem Weinimporteur bis ihm die Idee Cider herzustellen in Form eines Apfels, unter dessen Baum er gerade saß, direkt in den Schoß fiel. Auch seine Frau Claudia arbeitete lange in der Weinbranche und war und ist außerdem im PR-Bereich tätig. 

Muxaller Cider 

Boskop und Holsteiner Cox bieten viel Frucht und eine knackige Säure. Zur Verfeinerung, um mehr Elemente wie zum Beispiel Gerbstoff zu bekommen, importieren die Cidererzeuger auch Apfelsaft aus England, der selbstverständlich ebenfalls ohne Zusätze hergestellt wurde. Auch Äpfel aus Frankreich eignen sich zur Verfeinerung und kommen zum Einsatz. Die nordischen Traditionsäpfel bilden aber immer die Grundlage. Durch die verschiedenen Apfelsorten kommt in Sachen in Geschmack, Süße und Säure Vielfalt in die Flaschen. 

Der Muxaller Cider enthält zwischen 4,7 und 5,7 Volumenprozent Alkohol. Eine Abfüllung mit 7,5 Volumenprozent ist in Planung. Alle verwendeten Äpfel kommen aus naturbelassenen Gärten und Plantagen die komplett ohne Chemie auskommen. Eine Kooperation besteht zum Beispiel mit dem Obsthof Schönborn in Malente. Hier ist die Anpflanzung richtiger Cider- und Cidresorten für den Muxaller Cider langfristig geplant. Das zur Produktion benötigte Wasser wird in den Kreislauf zurückgeführt und mehrfach genutzt. 

Probsteier Jung & Deern 

© Muxaller Cider

Der erste Muxaller Cider kam mit dem Namen „Probsteier Jung“ auf den Markt. Dieser Apfelwein ist etwas herber, hat einen höheren Gehalt an Tannin, ist schön fruchtig und trocken im Abgang. Als Pendant dazu wurde dann die „Probsteier Deern“ kreiert. Die „Deern“ enthält etwas mehr Restzucker und ist dadurch etwas lieblicher, hat mehr Aromen, ist fein und vollmundig im Geschmack und im Abgang leicht trocken. 

Die „Friesendeern“ und der „Friesenjung“ sind zwei Etikettierungen die speziell für die Westküste kreiert wurden – eine Sylt Edition, die auch in Husum und Niebüll zu bekommen ist.   

Der „Franzmann“ wird nach dem Rezept von Steve O`Connor in Kooperation mit einer französischen Cidrerie nach französischer Art produziert und nennt sich somit Cidre. Er enthält etwas mehr Restzucker und fällt unter die Rubrik halbtrocken.  

Nach Champagnerart 

In ein paar Monaten wird ein Cider der nach Champagnerart hergestellt wurde fertig gereift sein. Eine Flaschenabfüllung, die zurzeit noch auf der Hefe liegt. Die Abfüllung von knapp 200 Flaschen, die noch auf der Hefe reift, ist für die gehobene Gastronomie vorgesehen. Der Geschmack wird elegante Fruchtaromen gepaart mit den für die Flaschenreifung typischer Noten von Brotkruste und einer feinen Perlage bieten. Eine erste Verkostung im frühen Reifungsstadium zeigte bereits das enorme Potenzial. 

Auch im Sommer viel Arbeit 

Man könnte auf die Idee kommen, dass die beiden Ciderproduzenten, die alles alleine bewerkstelligen, im Frühjahr und Sommer die Beine hochlegen können – frische Äpfel gibt es schließlich erst im Herbst. Aber weit gefehlt. Im Herbst werden zwar die frischen Äpfel gepflückt und gesammelt und in vielen Schritten zu den verschiedenen Cidersorten verarbeitet. Bis dahin muss der Cider nach einiger Zeit von der Biomasse runtergenommen werden. Das heißt also den Cider oberhalb dieser abzupumpen und in einem anderen Tank weiter reifen lassen. Der vorherige Tank wird gereinigt für die nächste Charge. Insgesamt sind es über zwanzig verschiedene Tanks mit einem Fassungsvermögen von 60 bis 3.000 Litern, mit denen das ganze Jahr gearbeitet wird. Außerdem werden Analysen gemacht, es wird kontrolliert wie die Cidersorten sich entwickeln und je nach Reife und Bedarf erfolgt die Abfüllung in Flaschen. Die Flaschen werden etikettiert, mit einem Code versehen und verkorkt. Da der Cider auch in der Flasche noch weiter reift, wird er erst nach ein paar Wochen für die Vermarktung bereitgestellt.  

© Muxaller Cider

Und dann sind sind da ja auch noch die 2010 geborenen Zwillinge von Steve O´Connor, ein Pferd, ein Hund und zwei Katzen um die sich gekümmert werden will und die versorgt werden müssen.  

Wo bekommt man ihn? Die Vermarktung erfolgt freitags von 12 bis 18 Uhr in dem Muxaller Hofladen, der sich direkt in der Muxaller „Einkaufsmeile“ von diversen Direktvermarktern und Handwerkern befindet. Auch bei verschiedenen Supermärkten der Region ist er erhältlich. 

Auszeichnungen 

Bei der INTERNATIONAL CIDER CHALLENGE 2021 in London, sowie bei dem Cider Word 21 Award in Frankfurt wurde der Muxaller Cider mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.  

Bei der „International Cider Challenge 2022“ gab es eine Silbermedaille für die „Probsteier Deern“ und eine Bronzemedaille für den „Probsteier Jung“.  

Mit der Probsteier Deern nahmen sie an der International Wine and Spirit Competition IWSC 2022 teil und gewannen dort als einziger deutscher Produzent eine von insgesamt nur sechs Goldmedaillen, die einzige in der Kategorie Keeved Cider und eine ausgezeichnete Bewertung von 95/100 Punkten.   

Bei der International Cider Competition 2022 (ebenfalls in London) hat die Probsteier Deern außerdem eine Silber Medaille und der Probsteier Jung eine Bronzemedaille verliehen bekommen. 

Ein Nordbauer 

Steve O`Connor und Claudia Horn sind Mitglied bei den Nordbauern Schleswig-Holstein e.V. Der 2013 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Qualität und Absatz von Produkten heimischer Direktvermarkter zu verbessern und den einzelnen Mitgliedern eine Stimme nach außen zu geben. Die Cidermacher arbeiten mit dem Vorsitzenden der Nordbauern, Ernst Schuster, dessen Familie einen Obstbaubetrieb und eine Mosterei im Schwentinental bewirtschaftet, zusammen. Claudia Horn ist der Meinung: „Wir als Start-up-Unternehmen profitieren von diesem Netzwerk und helfen uns neue Kontakte zu generieren. Durch die Nordbauern bekommen wir zudem die neuesten Entwicklungen in der Landwirtschaft mit und wir kommen mit anderen Mitgliedern und Interessierten auf Veranstaltungen zusammen, auf denen wir uns vorstellen können. Der Austausch miteinander ist uns wichtig.“  

© Muxaller Cider

Muxaller Wein GmbH
Stephen John O’Connor und Claudia Horn 
Schönberger Landstraße 62 
24253 Probsteierhagen / OT Muxall 
Telefon. 04348-6319996 
info@muxallercider.de  

www.muxallercider.de  

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