Jens Mecklenburg

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Kochschule Kürbis

US-amerikanische Kanonenboote brachten Hubbard nach Hokkaido, Japaner brachten ihm Geschmack bei
25. September 2021
© Gemüsehof Peters

Selten bringen Aggressoren freundliche Geschenke mit. Doch die Geschichte kennt auch einige Ausnahmen. 1853 landeten US-amerikanische Kanonenboote in Tokio, das damals Edo hieß, um die Aufnahme von Handelsbeziehungen zu erzwingen. In der Folge brachten Agrarexperten Kürbisse aus Amerika auf die japanische Insel Hokkaido. Die Sorte hieß „Hubbard“. Sie zeichnete sich durch eine sehr harte Schale und durch ein geschmacksarmes Inneres aus. Die Japaner nahmen sich dem geschmacksarmen Mitbringsel an und verwandelten ihn im Laufe der Zeit zu einer kleinen strahlend orangenroten nussigen Geschmacksbombe mit leichtem Maronenaroma – und zu einem weltweiten Exportschlager. Aus Hubbard wurde Kuri aji (Kuri heißt Kastanie, aji Geschmack), bei uns bekannt als Hokkaido.

In Norddeutschland wurde er in den 80er Jahren durch die Öko-Bewegung heimisch und avancierte mittlerweile zum beliebtesten seiner Gattung. Zu Recht: denn der feine nussige Geschmack ist nur eine seiner vielen guten Eigenschaften: Die Kürbisschale ist sehr dünn und damit essbar. Das Fruchtfleisch zerfällt kaum beim Kochen, ideal also für Kürbisgemüse. Und da der japanische Einwanderer kaum Fasern hat, wird ein Püree aus ihm besonders fein. Die familienfreundliche Größe von 1-2 Kilo reicht immer für ein Essen. Dass der Kürbis mit seinen zahlreichen Arten und Sorten auch nach 10.000-jähriger Geschichte noch heute zu den wichtigsten Gemüsearten auf der Welt zählt, ist neben seinen Geschmacksvorzügen auch seinem kalorienarmen, vitamin- und mineralstoffreichen, gesunden Inhalt zu verdanken. Wir bereiten einen Hokkaido auf dem Blech im Ofen zu. Schmeckt immer, auch solo, und harmoniert als Gemüsebeilage für Wild und geschmorte Braten. 

Hokkaido vom Blech

Zutaten: 1 Hokkaido, Knoblauch, Ingwer, Raps- oder Olivenöl, Salz, Pfeffer


So geht’s: 

Hokkaido waschen, aufschneiden, Kerne entfernen und in ca. 8 x 2 cm große Stücke schneiden. Aufs eingeölte Backblech oder in eine geölte Auflaufform geben, Schale nach unten. Salzen, pfeffern, mit klein geschnittenem Knoblauch und Ingwer (nach Geschmack) bestreuen und von oben nochmal leicht mit Öl bestreichen.

Wer mag streut Kürbiskerne oder frisch geriebenen Parmesan über das Gemüse.

Bei 180° C. Umluft im vorgeheizten Ofen braucht der Kürbis ca. 20 Minuten, bis er gar ist.


Kürbis-ABC

Auf der ganzen Welt sind die bunten Gemüseriesen beliebt und begehrt. Schon vor 10.000 Jahren soll es Wildformen des Kürbis in Süd- und Mittelamerika gegeben haben. Im alten Ägypten wurden zahlreiche Kürbisarten in der Malerei dargestellt. Die Griechen schätzten Kürbisse als Nahrungs- und Arzneimittel. Es waren Mönche, die die Flaschenkürbisse des Mittelmeerraums über die Alpen brachten. Aber erst durch Kolumbus kamen die heute bekannten und beliebten Gartenkürbisse nach Europa. Schon wenige Jahrzehnte später begann eine muntere Kürbiszucht mit ihnen. Kürbisse werden in fünf botanische Arten unterteilt. Weltweit sind ca. 800 Sorten bekannt. Von praktischem Interesse ist die Unterscheidung zwischen Sommer- und Winterkürbis. Zucchini zum Beispiel ist ein Sommerkürbis: Er wächst schnell, wird unreif geerntet, hat einen weichen Kern und eine dünne Schale und die Haltbarkeit ist begrenzt. Winterkürbis, als Speisekürbis bekannt, wird erst im ausgereiften Stadium geerntet, hat eine harte Schale, meist gelboranges, weiches faseriges Fruchtfleisch und eine lange Haltbarkeit. Wer auf dem Bauern- oder Wochenmarkt auf Butternut- oder Spaghettikürbis stößt, sollte zugreifen, mal selten angebotene Sorten probieren. Bei einem Muskatkürbis kenne ich kein Halten mehr. Sein Duft ist betörend, sein feines Aroma unübertrefflich. Dafür schäle ich dann auch gern wieder. Für viele tröstlich: Nicht die Größe zählt. Kleinere Exemplare haben festeres Fruchtfleisch, weniger störende Fasern und geschmacklich eindeutig mehr zu bieten!

©Ingo Wandmacher

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