NABU warnt vor Gefahren

Ostersamstag lodern sie wieder überall im Land, die beliebten Osterfeuer. Eigentlich eine heidnische Frühjahrstradition, integrierte das Christentum die Freudenfeuer kurzerhand. So schön und anheimelnd der Brauch auch ist, birgt er doch auch Gefahren für die Natur, besonders für Kleinlebewesen.


Jedes Jahr warnt der NABU, dass zu früh aufgeschichtete Osterfeuer zu Todesfalle für Kleintiere werden. Deshalb, so der NABU, müssen die Haufen direkt vor dem Anzünden umgeschichtet werden.

In der ausgeräumten Landschaft suchen im Frühjahr Insekten, Amphibien, Rotkehlchen und Zaunkönig, Igel und Wiesel Unterschlupf in den attraktiven Totholzhaufen. „Das geht innerhalb weniger Tage, sobald ein geeignetes Habitat aufgeschichtet ist“, betont der Bremer NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann. Die Zaunkönige und Rotkehlchen bauten beispielsweise schon fleißig Nester direkt vor der NABU-Geschäftsstelle. Auch Kröten, Frösche und Insekten würden jetzt schnell aktiv, wenn die Temperaturen steigen.

Werden Osterfeuer ohne Umschichten angezündet, wird das vermeintlich sichere Versteck für Tiere zur tödlichen Falle. „Als Kind musste ich einmal beobachten, wie ein Igel durch die von außen nach innen fressenden Flammen verzweifelt entkommen wollte“, erinnert sich der Naturschützer mit Schaudern.

Osterfeuer ja, aber mit Bedacht

 „Wir haben jedes Jahr Anrufe, in denen sich Menschen beschweren, dass das Osterfeuer in ihrer Nachbarschaft über Wochen aufgeschichtet wurde,“ berichtet Sönke Hofmann. „Ich empfehle dann, mit Bildern und Zeugen solche Verantwortungslosigkeit zu dokumentieren und den Ordnungsämtern vorzulegen.“ Diese müssen die Feuer genehmigen und können schärfere Auflagen machen oder ungeeigneten Veranstaltern die Genehmigung verweigern.

Der NABU will die geselligen Osterfeuer aber keinesfalls verbieten. Auch wenn das meist feuchte Astwerk beim Verbrennen große Feinstaubmengen freisetze, sei das nur eine kurzzeitige Belastung im Jahr, so Hofmann. Eigentlich seien Buschwerk und Reisig jedoch viel zu schade, um zum Spaß verbrannt zu werden. „Nicht umsonst sprechen wir im Wald vom ‚ökologischen Gold’ wenn es um Totholz geht“, betont der gelernte Förster. Manche Arten seien dringend aufs Totholz angewiesen. Schnittholz und Reisig sollten deshalb möglichst in der Landschaft bleiben, plädiert Hofmann. Auch jeder Gartenbesitzer kann der landschaftlichen Strukturarmut entgegenwirken. Schnittholz und Gestrüpp schaffe Lebensraum und Unterschlupf für Vögel und Kleintiere. Ein von Brombeeren oder Wildrosen überwucherter Reisighaufen, ein Holzstoß in einem dichten Gebüsch aus heimischen Sträuchern wie Holunder und Weißdorn - mit geringem Aufwand, etwas Phantasie und gutem Willen lässt sich so ein Stück Natur zurück in den Garten holen. Selbst ein Balkon kann zum Paradies für Vögel und Insekten werden.


Tiere in der Stadt

Um Insekten und Vögeln zu helfen, braucht man nicht unbedingt einen Garten. Auch auf Balkon und Fensterbrett kann jeder etwas für die Tiere in der Stadt tun. „In Deutschland gibt es viele Millionen Balkone und Terrassen“, so NABU-Gartenexpertin Marja Rottleb, „Da kommt viel Fläche zusammen, die wertvoll für Wildbienen, Schmetterlinge, Meisen und Spatzen sein kann. Viele füttern bereits im Winter Vögel auf ihrem Balkon und beobachten sie beim Fressen. Aber auch im Sommer kann man ihnen helfen.“

Paradies Balkonien

Etwa indem man an heißen Tagen eine Wasserstelle für Vögel anbietet. Nistkästen für Kohl-, Blaumeisen und Haussperlinge können auch auf dem Balkon angebracht werden. Wer im obersten Stockwerk wohnt, kann auch einen Nistkasten für Mauersegler anbringen und damit die Wohnungsnot für Gebäudebrüter lindern. Sie brüten gern am höchsten Punkt eines Gebäudes.

Insekten kann man ebenfalls gut auf Balkonien fördern. Wer ihnen helfen möchte, pflanzt viele verschiedene heimische Pflanzen und Kräuter, lässt diese auch über den Winter stehen. „Einige Insekten überwintern in abgeblühten Pflanzenteilen“, so Rottleb. „Und die Samenstände sind wertvolles Futter für Vögel, wie den Distelfinken.“

Geeignete Pflanzen für den schattigen Balkon sind beispielsweise Efeu, Vergissmeinnicht, Beinwell und Blutampher. Wer einen eher sonnigen Balkon hat, sollte Lavendel, Fetthenne, Storchschnabel oder Jelängerjelieber pflanzen. „Sie bieten Insekten Pollen und Nektar als Nahrung – viele klassische Balkonpflanzen, wie Geranien und Petunien, hingegen nicht“, sagt Rottleb.

Eine Wasserstelle oder ein Mini-Teich hilft auch Schwebfliege, Wildbiene und Co. über heiße Tage. Rottleb: „Wer dann noch ein Insektenhotel und als Ergänzung einen Balkonkasten mit Sand und Lehm für Sandbienen und andere Solitärbienen anbietet, bei dem wird es auf Balkonien bald summen und brummen.“
 

Alle Tipps unter: www.NABU.de/balkon