Bericht zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein vorgestellt

Nicht erst seit dem Klimaschutzabkommen von Paris 2015 ist klar: Klimaschutz und die Verringerung von Treibhausgasen hängen eng miteinander zusammen. Der Land- und Forstwirtschaft kommt dabei eine besondere Rolle zu. Die Landwirtschaft bietet große Potentiale zum Schutz des Klimas, denn beim landwirtschaftlichen Produktionsprozess wird das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid in Böden und Pflanzen gebunden. Ebenso trägt sie durch die Produktion großer Mengen an klimarelevanten Treibhausgasen (THG) wie Methan, Lachgas und Kohlenstoffdioxid zum Klimawandel bei. Das zeigen auch die Ergebnisse eines vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) zusammen mit dem Thünen-Institut, der Agrarfakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Statistikamt Nord erstellten Berichts.
 

Der Klimawandel ist angekommen

"Erst die Nässe 2017, dann Dürre im vergangenen Sommer - der Klimawandel ist angekommen und stellt unsere Landwirtinnen und Landwirte vor große Herausforderungen. Der Klimawandel ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit ist und wir müssen alle an einem Strang ziehen. Der vorgestellte Bericht soll daher als Grundlage dienen, um wesentliche Emissionsquellen in der Landwirtschaft ausfindig zu machen - und der Bericht zeigt: Schleswig-Holstein ist anders", sagte Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht.

Im Rahmen der Hochschultagung in Kiel wurde der Bericht zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein vorgestellt. Es zeigt sich, dass der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Treibhausgasemissionen in Schleswig-Holstein insgesamt 20,2 Prozent beträgt. Damit unterscheidet sich Schleswig-Holstein deutlich vom Bundesdurchschnitt, wo der Anteil der Landwirtschaft nur bei 7,2 Prozent liegt. Hauptgrund dafür ist die im Bundesvergleich höhere Bedeutung der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft als Wirtschaftssektor und die geringere Bedeutung von Emissionen aus Industrie und Stromerzeugung.

"In Schleswig-Holstein sind die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft im Zeitraum von 1990 bis 2016 um 9,6 Prozent gesunken. Bundesweit beträgt die Minderung aber schon 17,8 Prozent", sagte Albrecht. Der hohe THG-Anteil und der bisher unterdurchschnittliche Rückgang stelle eine große Herausforderung für die Erreichung der Klimaschutzziele in Schleswig-Holstein dar, auch wenn Schleswig-Holstein zugleich bei der CO2-Minderung im Energiesektor höhere Erfolge als der Bundesdurchschnitt zu verzeichnen hat, so der Minister.

Einflussfaktor Tierhaltung

Ein wesentlicher Einflussfaktor auf die Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft hat die Tierhaltung. Eine hohe Milchviehdichte, ein geringerer Rückgang der Tierbestände als im Bundesdurchschnitt sowie die Emissionen aus der Lagerung von Wirtschaftsdüngern und aus der Ausbringung von Gärrückständen aus Biogasanlagen führen zu den weniger stark gesunkenen Emissionen. Außerdem hat Schleswig-Holstein viele Hochertragsstandorte, die intensiv bewirtschaftet werden. Damit steigt der Einsatz von Mineraldüngern pro Hektar, der in Schleswig-Holstein derzeit etwa 27 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt ist. Diese Ergebnisse hat das MELUND in Fachgesprächen mit Bauernverband und der Landwirtschaftskammer im Vorfeld der Veröffentlichung erörtert.

"Der Treibhausgasausstoß im Sinne des CO2-Fußabdrucks ist pro produzierter Einheit, z.B. pro Liter Milch oder Kilogramm Weizen, in Schleswig-Holstein deutlich geringer als in anderen Teilen der Welt", sagte der Präsident des Bauernverbands Schleswig-Holstein, Werner Schwarz. Dies sei Ausdruck von Produktivität und Effizienz. Zudem weist er darauf hin, dass man bereits im Januar 2018 im Deutschen Bauernverband die berufsständische Klimastrategie überarbeitet hat (Klimastrategie 2.0, https://www.bauernverband.de/klimastrategie-2018). Dort werden Reaktionsmöglichkeiten der Branche auf die globalen Herausforderungen beleuchtet, aber auch bestehende Zielkonflikte, etwa zwischen Tierwohlleistungen und Klimaschutz, aufgezeigt. Die Landwirtschaft kann zum Klimaschutz beispielsweise durch einen verstärkten Einsatz von Gülle in Biogasanlagen, die Abdeckung von Gärrestbehältern oder Fortschritte bei der Zucht und Fütterung von Rindern beitragen.

"Wir werden die Erkenntnisse des Berichts nutzen, um im weiteren Arbeitsprozess wirkungsvolle Klimaschutzmaßnahmen für Schleswig-Holstein zu identifizieren und umzusetzen. Die durchgeführte Analyse der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft gibt uns dabei wichtige Hinweise auf die wesentlichen Emissionsquellen und deren Minderungspotentiale. Zur Erreichung unserer Klimaschutzziele ist auch ein angemessener Beitrag der Landwirtschaft erforderlich", sagte Albrecht.
 

Hintergrund

Mit dem im März 2017 in Kraft getretenen Energiewende- und Klimaschutzgesetz wurden Ziele zur Minderung der Treibhausgas- (THG-) Emissionen in Schleswig-Holstein bis 2050 verbindlich festgeschrieben. Bis zum Jahr 2020 sollen die THG- Emissionen um 40 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 gesenkt werden, bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent, dabei wird der obere Rand des Zielkorridors angestrebt. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch in Schleswig-Holstein - wie auf Bundesebene - die Frage, wie sich die insgesamt erforderliche Minderung auf einzelne Sektoren verteilen soll.

Den Bericht finden Sie unter:

www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/K/klimaschutz/klimaschutz_landwirtschaft