Zugvögel kommen zurück

Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hat das große Schnäbeln begonnen: Brutvögel sind auf der Partnersuche und bereiten sich auf die Aufzucht des Nachwuchses vor. Mit als erste beginnen die Graugänse mit der Eiablage, außerdem Kiebitze und Uferschnepfen, die ihre Nester teilweise außerhalb, aber auch in den Salzwiesen des Nationalparks anlegen.

Rotschenkel und Sandregenpfeifer, Brandgans, Säbelschnäbler und Austernfischer, später dann die verschiedenen Möwen- und Seeschwalbenarten werden das Wattenmeer in den kommenden Wochen in eine Vogelkinderstube verwandeln. Insgesamt ziehen Expertenschätzungen zufolge annähernd 100.000 Paare in den Salzwiesen, an Stränden und in den Dünen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ihren Nachwuchs groß.

In dieser sensiblen Zeit ist die Vogelwelt auf Rücksichtnahme angewiesen. Vogelreiche Gebiete sind darum mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet. Besonders gefährdet sind dabei die bodenbrütenden Arten – und das nicht nur hinsichtlich Störungen durch den Menschen. Beutegreifer wie Fuchs und Marderhund machen den Brutvögeln zunehmend zu schaffen. Zudem gehen die Brutbestände einiger Arten, etwa des für das Wattenmeer typischen Austernfischers, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern wattenmeerweit seit etlichen Jahren aus bisher nicht geklärter Ursache kontinuierlich zurück.

Lang- und Kurzstreckenreisen

2,1 Milliarden Vögel machen sich schätzungsweise jährlich von Europa auf den Weg nach Afrika. Lediglich etwa 660 Millionen davon schaffen es, gesund zurückzukehren, um hier zu brüten, teilt der NABU mit. Der Großteil dieser sogenannten Langstreckenzieher wird im April wieder in heimischen Gefilden erwartet. Aber erst Anfang Juni sind auch die letzten Zugvögel zurück.

Fast genauso groß ist die Zahl der Zugvögel, die lediglich bis in den Mittelmeerraum ziehen. Diese Arten werden Kurzstreckenzieher genannt. Deren Ankunft hat schon im Februar begonnen und kommt bis Mitte April zum Abschluss.

Aus Deutschland ziehen jedes Jahr insgesamt 170 Millionen Zugvögel (Lang- und Kurzstreckenzieher) nach Süden. Nur 55 Millionen schaffen es wiederzukommen und zu brüten. 115 Millionen versterben also auf dem Zugweg oder im Winterquartier durch Hunger, Krankheiten oder Altersschwäche. Sind es aber nicht mindestens 55 Millionen, die diese Strapazen überleben, dann nehmen die Zugvogelbestände ab.

Die Menschen sorgen dafür, so der NABU, den Zugvögeln das Überleben immer schwerer zu machen: Wichtige Rastgebiete werden zerstört, der Klimawandel bringt über Jahrtausende eingespielte zeitliche Routinen durcheinander und Zugvögel werden von Menschen getötet: 53 Millionen im Rahmen der legalen Jagd in Europa, geschätzt weitere 25 Millionen illegal im Mittelmeerraum.

Hintergrund: NABU Berechnungen auf Basis der Bestandsdaten aus BirdLife International (2015) European Red List of Birds. Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities.