NABU ruft zu Vogelzählung auf

Wer meint, die Vogelfütterung sei alleine das Hobby schrulliger Damen, liegt falsch. Längst ist das Anlocken der gefiederten Freunde zum Volkssport geworden. Wer drinnen das „Hygge-Gefühl“ haben will, möchte auch draußen für gute Stimmung sorgen. Nirgendwo sonst können Wildvögel so hautnah beobachtet werden, wie an der Futterstelle vor dem Fenster. Der NABU rät, jetzt schon mit dem Füttern zu beginnen, denn das erhöht die Chancen bei der Wintervogelzählung vom 4. bis 6. Januar.
Verschiedene Vögel freuen sich auch über verschiedenes Futter. „Meisen, Spatzen und Finken kommen mit allen möglichen harten Samen und Körnern klar, Rotkehlchen, Amsel und Zaunkönig sind dagegen Weichfutterfresser“, erklärt der Bremer NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann. Letztere haben für harte Samenschalen zu schwache Schnäbel. Sie brauchen Rosinen oder Haferflocken auch ein angestoßener Apfel wird begeistert angenommen, wenn er auf den Zaun gespießt wird.

Auch der Vogel will kein Billigfutter


In billigem Futter wird oft preiswerter Weizen als Füllstoff zugemischt. Meise und Co sortieren diese für sie unbrauchbaren Körner dann zur Freude der Ratten und Tauben aus. Ebenfalls in Billigfutter häufig vertreten: Samen der Beifuß-Ambrosie, einer Horrorpflanze für Allergiker. „Am wichtigsten ist es, dass die Vögel nicht im Futter herumlaufen. Futtersäulen, Körnerspender und die guten alten Meisenknödel sind prima geeignet“, rät der NABU.
„Mehr Ehrlichkeit“ fordert Hofmann: „Wenn man zugibt, dass die Vogelfütterung allein den Zweck erfüllt, die Tiere besser beobachten zu können, dann kann man auf einige unlogische Regeln pfeifen.“ So gebe es in der Natur keine unerschöpflichen Nahrungsquellen, weshalb die Mahnung zu „regelmäßiger Fütterung“ ökologischer Quatsch sei. Auch die Einschränkung, nur bei Schnee und Eis zu füttern sei ein hilfloser Versuch, auch die Hardcore-Biologen einzufangen.
„Solange eine Fütterung nicht schadet, kann ich mir und anderen den Spaß doch wohl gönnen“, so der Naturschützer. Gleichzeitig sieht der NABU die Aufrufe zur massiven Fütterung als Ausgleich für die ausgeräumte Agrarlandschaft, wie sie der Ornithologe Professor Berthold propagiert, kritisch. „Da erzeugt dann eine intensive Landwirtschaft Massen an Vogelfutter, damit wir es in den Städten als Ausgleich für die intensive Landwirtschaft verfüttern. Finde den Fehler.“
Wer eine katzensichere und hygienische Futterstelle eingerichtet hat, wird schon bald Besuch einer fröhlich streitenden Vogelschar bekommen. „Dieses niedliche Schauspiel stellt sich jedoch nur ein, wenn der Garten halbwegs naturnah ist“, betont Sönke Hofmann, „zwischen Kirschlorbeer, Schotter und Rasen lebt wenig. Da klaut man dem Nachbarn höchstens die Meisen.“ Heimische Sträucher wie Hagebutte, Pfaffenhütchen oder Vogelbeere bieten natürliches Vogelfutter und dazu noch Deckung.

Stunde der Wintervögel


„Ich bin diesmal besonders gespannt auf die Zahlen aus der Stunde der Wintervögel“, verrät Hofmann, „besonders die Amseln haben im Sommer in Bremen zum ersten Mal massiv unter dem Usutu-Virus gelitten.“ Auch das gute Futterangebot an den Sträuchern könne sich auswirken. Am ersten Januarwochenende ruft der NABU zur Zählung „Stunde der Wintervögel“ auf. Eine Stunde sollen Bürger die Vogelwelt am Futterhaus beobachten und die Anzahl der Tiere dem NABU melden.