Weingut Ingenhof in Malkwitz

Im Herzen der Holsteinischen Schweiz führt Melanie Engel ein etwas anderes Gut. Ursprünglich ein reiner Ackerbau- und Schweinemastbetrieb wurde auf die Veränderungen in der Landwirtschaft reagiert. Heute werden auf 50 Hektar Erdbeeren und Himbeeren angebaut
sowie ein Feldcafé betrieben. Ferienwohnungen runden das Programm für Urlaubsgäste ab. Die Idee, Wein anzubauen kam 2009 als Pflanzrechte für Schleswig-Holstein durch die Pfalz abgetreten wurden.

Südlage, optimales Terroir

Mit dem Gröndalberg gibt es einen Südhang mit einer Neigung von 35 Grad in Form eines Amphitheaters, der sich mit seinen Knicks bestens für einen geschützten Weinbau eignet. Die Kaltluft kann nach unten aus dem Weinberg abfließen, so dass ein Temperaturgefälle von bis zu 3 Grad entsteht. Gerade in der Zeit der Spätfröste, wenn die ersten Blüten erscheinen ist dies ein großer Vorteil. Dennoch wurde auf dem Ingenhof inzwischen in eine Frostberegnungsanlage investiert, bei der die Blüten bei Bedarf in einen Eismantel gehüllt vor der Erfrierung geschützt werden. Das Terroir mit seinen skelettreichen Sandböden einer Endmoränenlandschaft der Holsteinischen Schweiz erinnert ein wenig an die südlichen Ausläufer des Gardasees wo der Lugana beheimatet ist.

Speziell für den Weinbau wurde just ein Winzer aus Baden Württemberg eingestellt, der mit seiner Expertise sowohl für die Rebpflege im Weinberg als auch dem Ausbau der Weine im Keller zuständig ist. Die Weine werden auf dem Ingenhof komplett vor Ort gekeltert und ausgebaut. Von der Presse über eine Entrappungsmaschine bis hin zu Edelstahltanks und Holzfässern wurde das gesamte notwendige Equipment für einen Weinkeller angeschafft. Dies deutet schon daraufhin, dass die Ambitionen von Melanie Engel weitergehen und auf Expansion ausgerichtet sind. Nachdem ursprünglich mit 3 Hektar begonnen wurde, sind es inzwischen 4 und eine Ausweitung fürs nächste Jahr ist angedacht.

Die Erlangung der Erstpflanzrechte war allerdings nicht ganz einfach, denn die Auflagen bei der Bewerbung im Jahre 2009 waren enorm hoch. Insbesondere wurde auf geeignete Flächen mit einem für Weinbau optimalen Terroir geachtet. Es mussten alleine für ein Klimagutachten rund 5.000 Euro in die Hand genommen werden. Am Ende wurde dieser Aufwand belohnt, so dass heute die Kombination von Erdbeerhof mit Ferienwohnung und Weinbau ein Alleinstellungsmerkmal für den Ingenhof bedeuten.

Angebaut wird ähnlich wie auf Sylt und in der Nachbarschaft beim Weingut Montigny in Grebin vornehmlich die weiße Rebsorte Solaris (siehe Artikel zum Weingut Ress auf Sylt). Zusätzlich kommen die beiden roten Piwi-Rebsorten Regent, die wir im Artikel zum Weingut Montigny beschrieben haben, sowie die etwas unbekanntere Cabernet Cortis. Sie ist eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon mit der weißen Solaris. Piwi’s sind gesondert gezüchtete pilzwiderstandsfähige Sorten, die deutlich seltener gegen Pilzbefall insbesondere falschen Mehltau gespritzt werden müssen und deshalb bevorzugt in feuchteren Regionen angepflanzt werden. Der ökologische Nutzwert ist bei der Forschung nach neuen Piwi-Sorten ein wichtiger Aspekt.

Cabernet Cortis besitzt ähnlich wie Cabernet Sauvignon eine kräftige Tannin-Struktur mit ausgeprägten Cassisaromen und würzigen Noten, ist aber deutlich früher reif und erlangt selbst in kühlen Gebieten ausreichende Öchsle-Grade. Bei den Engels wird die Rebsorte im Rosé zusammen mit Regent cuveetiert, was einen feinherben fruchtigen Tropfen mit Aromen von reifen Aprikosen und Cassisnoten ergibt. Neben dem trockenen roten Regent gibt es noch zwei Weißweine aus Solaris als trockene und liebliche Variante sowie einen Secco, der extern „versektet“ wird.

Ähnlich erstaunlich ist wie bei den beiden anderen vorgestellten Weingütern aus Schleswig-Holstein, die Qualität die diese Weine mit ihrem typisch harmonischen Fruchtcharakter hervorbringen sowie der gut integrierten Säure und deren zum Teil voluminösen Körper. Insbesondere die Weißweine wissen zu überzeugen. Die Weine aus Schleswig-Holstein sind vielleicht nicht das ganz große Kino und man kann hier und da über das Preis-/Leistungsverhältnis nachdenken, aber die Weine sind allesamt sauber gemachte Tropfen in guter Qualität, die man unbedingt mal probieren sollte. Wenn man dann den besonderen Charme „Wein Made in Schleswig-Holstein“ einbezieht und den Aufwand betrachtet, den diese Winzer für kleine Parzellen auf sich nehmen, sind die Preise, die sich beim Ingenhof zwischen 8,50 – 12,50 Euro bewegen allemal gerechtfertigt. Zum Wohle mit Weinen aus Schleswig-Holstein.