Brockmanns Weinschule (Teil 8)

Seine Farbe, seine Spritzigkeit, sein Feeling –alles spricht dafür, dass zum Sommer der Roséwein gehört. Unser Weinexperte Werner Brockmann klärt auf.

 

In der Weinwelt gibt es wohl kein Produkt, welches so saisonal gelebt wird wie der Rosé-Wein. Wenn im Frühjahr die Tage länger werden, die Sonnenstrahlen an Intensität gewinnen, die Temperaturen steigen und die ersten Weine des neuen Jahrgangs auf den Markt kommen, dann kommt schnell der Gedanke an einen lachsfarbenen Rosé-Wein auf. Seine Farbe, seine Spritzigkeit, sein Feeling … alles spricht für den Genuss im Sommer auf der klassischen Terrasse.

Ist Rosé aber nur spritzig, fruchtig und süffig oder kann er auch mehr? Noch vor einigen Jahren wurde diese Weinart gerne abgewertet als „Durstlöscher für Frauen“, der gerne halbtrocken oder lieblich daherkam. Diese Zeiten haben sich aber glücklicherweise geändert auch wenn er immer noch meist unkompliziert und mit viel Trinkspaß verbunden wird – was auch gut so ist! 

 

Wie wird Rosé hergestellt?

Etwas vereinfacht gesagt wird Roséwein ähnlich hergestellt wie ein Weißwein nur aus roten Trauben. Die Farbe und vor allem deren Intensität kommen aus den Schalen der roten Trauben und deren Maischestandzeit. Es gibt verschiedene Methoden, um Rosé zu erzeugen. Eine der am häufigsten verwendeten Varianten ist das sogenannte Saignee-Verfahren. Ein Teil des Mostes aus roten Trauben wird bereits innerhalb weniger Stunden nach der Lese durch Saftabfluss, der ggfs. durch leichtes anquetschen der Trauben unterstützt wird (allerdings ohne Pressung), vom Rest der Maische getrennt. Hierbei handelt es sich ausschließlich um den hellen Saft ohne dessen Schalen. Auf der einen Seite erhält man so die Basis für einen leichten Rosé mit hellem lachsrosa, auf der anderen Seite einen konzentrierteren farbintensiven Rotwein, der aus dem restlichen Maische gewonnen wird. Durch diese Art der Herstellung entstand das Image der leichten unkomplizierten und einfachen Roséweine, denen es an Komplexität mangelt. Auf ähnliche Weise entsteht i.d.R. auch ein Blanc de Noir, ein Weißwein aus Rotweintrauben.

Komplexere und farbintensivere Rosés bekommen eine längere Maischestandzeit von 2-3 Tagen, wobei der Most beim Abzug leicht angepresst wird. Da die Farbpigmente und die Aromen genauso wie die Gerbstoffe in den Schalen der Trauben stecken, ergeben sich daraus dunklere Weine mit kräftigerer Struktur und Aromatik.

Ausbau von Roséweinen

Der allergrößte Teil aller Rosés wird reduktiv (unter Ausschluss von Sauerstoff) im Edelstahltank ausgebaut, um die rebsortentypische Fruchtaromatik zu erhalten. Bereits nach wenigen Monaten wird der Wein abgefüllt und kommt Anfang des auf die Lese folgenden Jahres in den Handel. Allerdings gibt es auch Tropfen, denen eine „seriösere“ und komplexere Identität mitgegeben wird. Hier spielt dann auch die Qualität der Trauben, wie sie aus dem Weinberg kommen sowie die Art des Ausbaus eine wichtigere Rolle. Manche dieser Roséweine können ihre durch längere Maischestandzeit erhaltenen Tannine im kleinen oder großen Holzfass rund schleifen. Diese Weine besitzen deutlich mehr Struktur, Würzigkeit und Charakter und haben eine längere Lebensdauer in der Flasche als ihre einfacheren Weggefährten. 

 

Farbvariationen

Die Farbpalette ist sehr breit aufgefächert und reicht von einem dezenten lachsrosa oder orange bis hin zu einem kräftigen kirschrot, welches an einen hellen Rotwein erinnert. Der Übergang ist dabei fließend. Aktuell in Mode sind die sehr hellen lachsfarbenen Rosés, denen es leider aber oft am Geschmack mangelt bzw. dieser durch aromatische Reinzuchthefen aufgepeppt wird. Abhängig ist die Intensität nicht nur durch die Maischestandzeit, sondern auch durch die Rebsorte. So haben Rosés aus hellen Trauben wie Spätburgunder oder Grenache/Garnacha fast immer einen helleren Ton als ihre Mitspieler aus Cabernet Sauvignon, Tempranillo, Lagrein oder auch Malbec, deren Traubenschalen sehr intensive Farbpigmente besitzen.

Klassische Regionen für Rosé

Die typische Region, die für Rosé steht ist der Süden Frankreichs. Lange Zeit wurden vor allem im Languedoc-Roussillion  massenhaft einfache Roséweine hergestellt. Aber nicht nur hier geht die Tendenz, abgesehen von den billigen Massenprodukten der Discounter, hin zu seriöseren Weinen, denen mehr Charakter angediehen wird. Neben dem Languedoc sind aber auch die Regionen Rhone, Bordeaux und die Loire mit dem Anjou für eigene Rose-Appellationen bekannt. Aus Spanien kommen vor allem aus dem Rioja und dem Navarra spannende Rosés in einer meist kräftigeren Farbe, aber auch das Vinho Verde in Portugal bietet einzelne charaktervolle Tropfen. Dem Klimawandel sei Dank, nimmt die Roséproduktion einhergehend mit der Ausweitung der Rotweinflächen in Deutschland ebenfalls zu.

 

Sonderlinge

Wie oben schon erwähnt, handelt es sich bei einem Blanc de Noir um einen Weißwein, der aus roten Trauben gekeltert wird, aber nur sehr kurz auf der Maische steht. Allerdings hat dieser fast immer eine Farbe, die von einem zarten Rosa geprägt ist, sozusagen ein Rosé Light. Je nach Ausprägung kann dieser auch leicht als heller Rosé durchgehen. Eine weitere Besonderheit ist der Rotling, der nicht als Rosé durchgeht! Ein Rotling ist eine Cuvée aus roten und weißen Trauben. Außerhalb der europäischen Union ist die Produktion von Rosé durch die Mischung in dieser Form zum Teil erlaubt. In der EU wurde dies jedoch aus Qualitätsgründen nicht erlaubt. In ganz wenigen Ausnahmen ist dies aber auch innerhalb der EU bei manchen Rotweinen aufgrund der Tradition noch erlaubt, wie z.B. bei einfacheren Chiantis. Allerdings ist die maximale prozentuale Zugabe weißer Trauben strikt reglementiert.

Lassen Sie sich den Sommer mit einem guten Rosé schmecken und probieren Sie mal einen seriösen Tropfen, wie ihn z.B. Bettina Schumann vom Kaiserstuhl produziert, deren Spezialität komplexe Roséweine sind.

Auch in Schleswig-Holstein entsteht Roséwein. Der Ingenhof in Malente Malkwitz produziert einen halbtrockenen Rosé aus den pilzwiderstandsresistenten Rebsorten (sogenannte Piwi’s) Cabernet Cortis und Regent mit einer Aromatik von reifen Aprikosen und dunklen Johannisbeeren. Einfach mal probieren.

 

Ein genussvolles Wochenende wünscht Ihnen
Werner Brockmann