Gelungene Spirituosenmesse lockte fast 5.000 Besucher in die historische Fischauktionshalle nach Hamburg

Edle Spirituosen sind derzeit im wahrsten Sinne der Worte in aller Munde. Ob Whisky, Gin oder Rum. Überall ist das Interesse groß. Kein Wunder also, dass die diesjährige Verbrauchermesse Hanse Spirit einen erneuten Besucherrekord zu verzeichnen hatte.

Zum ersten Mal in der historischen Fischauktionshalle in Hamburg direkt an der Elbe zeigten am Freitag und Samstag über 50 Aussteller die ganze Palette der edlen Spirituosen.
Ich habe die Messe für Nordische Esskultur besucht. Durch den Kartenvorverkauf über das Internet war die Wartezeit am Eingang erfreulicherweise trotz des Andrangs recht kurz und ich konnte in das gesellige Treiben tauchen. Das Flair der altehrwürdigen Location mit ihrem Industriecharme aus dem 19. Jahrhundert unterstrich die geschäftige Stimmung. Echte Handarbeit ist eben auch bei Spirituosen angesagt, üppig an Aromen und möglichst ungefiltert soll es sein. Das kitzelt bei den Destillaten auch die letzten Geschmacksnuancen hervor.

Der Trend geht mittlerweile auch zum Deutschen Whisky, auf dessen Gebiet sich in den letzten Jahren merklich etwas getan hat. Deutscher Whisky war vielfach als Obstler mit Holzaromen verpönt. Das lag vor allem an der Unerfahrenheit der Brenner mit Whisky und am in Deutschland vorherrschenden Brennereityp. In Schottland nutzt man zum Brennen eines Single Malt Whiskys kupferne, meist zwiebelförmige Brennblasen. In Deutschland sind Kombinationsanlagen mit Brennraum und Verstärkerböden sehr verbreitet. Sie wurden entwickelt, um Obst zu brennen. Die Destillate aus diesen Anlagen haben chemisch gesehen lange Esterketten, die wir Menschen sensorisch als sehr fruchtig wahrnehmen. Um mit dieser Anlage einen Single Malt Whisky nach schottischem Vorbild zu brennen, bedarf es viel Erfahrung.

Einer, der es geschafft hat ist Stefan Beck vom Brauhaus am Lohberg in Wismar. Sein „Baltach” Wismarian Single Malt Whisky steht den schottischen in nichts mehr nach. Gerade hat er seine neuste Kreation den Baltach PX auf den Markt gebracht, der in einem ehemaligen Pedro Ximenez Sherryfass gefinished wurde. Jüngst wurde die Sprituosensparte unter dem Namen des Brauereigründers im 15. Jahrhundert Hinricus Noyte ausgegliedert. Auch lokal wurde etwas getan. Der Baltach hat ein eigenes Warehouse vor den Toren Wismars bekommen, wo in Zukunft auch Verkostungen und Führungen stattfinden können, zB. zum Tag des deutschen Whiskys. Ich bin sehr gespannt, was Brennmeister Stefan Beck noch in Zukunft alles kreieren wird und vereinbare einen Besuch im Sommer.


Produktbeschreibung:

Baltach Wismarian Single Malt Whisky

Deutscher Single Malt Whisky
Originalabfüllung
Alter: 38 Monate
Alkohol: 43 % vol.
Fasstyp: Pedro Ximenez Sherryfass
Flasche 378/999

Erste Nase: komplex. Wuchtige Erdbeere, Kirsche, Eichenholz, Vanille, Banane, Honigsüße, reife Birne, Marzipan, Gewürze (Basilikum?)

Geschmack: Wärmend, ein Schwergewicht. Gewürzmischung, Erdbeermarzipan, Vanille, Karamell. Eine gut ausbalancierte Süße zwischen Fruchtsüße und Vanillesüße.

Nachklang: Karamell, Vanille, Erdbeere und Gewürze. Die Mischung aus Fruchtsüße und Vanille klingt lang nach.

Zweite Nase: Cerealien kommen hinzu.

Bezugsquelle: Hinricus Noyte's Spirituosen GmbH Wismar
Kleine Hohe Straße 15 · 23966 Wismar · Tel.: 03841-282889 · www.hinricusnoyte.de

Auch neu und spannend auf dem Deutschen Whiskymarkt sind die Whiskys der Sylter Trader. Der Whisky wird u.a. mit gefiltertem Nordseewasser hergestellt und mit dem Wasser der Sylter Quelle auf Trinkstärke gebracht. Dies hat zur Folge, dass der Trader eine leicht, salzige Note hat. Die vier Gründer der Sylter Trading lassen ihren Whiskyrohbrand in einer Kolonnenbrennerei herstellen, was den Whisky per schottischer Definition eigentlich zu einem Single Grain oder Coffey Malt (nach Aeneas Coffey) machen würde. In Deutschland gibt es diesen Unterschied nicht. Was ihn aber per se von einem klassischen schottischen Grain Whisky unterscheidet ist die Tatsache, dass nur gemälzte Gerste verwendet wurde und dass man einige Verstärkerböden der Kolonnenbrennanlage deaktiviert hat, um eine niedrigere Alkoholstärke und mehr Geschmack zu generieren. Reifen dürfen die Sylter Trader Whiskys in Rantum auf Sylt und zwar in frisch entleerten Oloroso- und Pedro Ximénez Sherryfässern. Das verleiht ihnen allesamt eine fruchtige Note. Die Feinabstimmung der Whiskys macht Thomas Ewers von „Malts of Scotland“, dessen eigene Abfüllungen ebenfalls bei Sylter Trader erhältlich sind. Eine Hand wäscht eben bekanntlich die andere und das gilt nicht nur für Sylt.


Produktbeschreibung:

Trader Sylt Single Malt Whisky

Originalabfüllung

Alter: 38 Monate (09/2014-11/2017) Lagerung in Rantum/Sylt
Alkohol: 48 % vol. 
Fasstyp: Oloroso Sherry Cask 110 l.
Fassnummer 12 Flasche 87/210

Erste Nase: Huch, was ist das denn? Der Whisky wirkt zuerst etwas verschlossen. Dann kommt Karamell und florale Noten, die zuerst etwas parfümiert wirken (ist das Lavendel?). Jod (salzig), Eichenholz, Kokosnussschale, Maische und ein Aroma, welches ich gern als gekalkten Keller bezeichne. Der Whisky braucht Sauerstoff. Ich lasse ihn für zehn Minuten atmen. Er belohnt mich dafür mit Aromen von grünen Früchten. Vage über allem schwebt eine etwas unreife Brombeere und ein paar Gewürze (vor allem Zimt).

Geschmack: Jetzt kommt das Sherryfass. Brombeere, Karamell, Jod (salzig), Nuss und Eichenholz. Was er in der Nase an Kantigkeit und ungestümer Jugend hat, macht er im Geschmack wieder wett. Die 48 % Alkohol sind sehr gut eingebunden der Whisky wirkt sehr rund und ausgewogen.

Nachklang: Eine appetitanregenden Bitterkeit und das Aroma einer Schokolade mit hohem Kakaoanteil gesellen sich ein. Das salzige Karamell geht in eine Fruchtigkeit von grünen, säurehaltigen Früchten über. Kurz wabert die Brombeere dezent herauf. Der Nachklang ist mittellang und hinterlässt ein prickelndes Mundgefühl. Nicht nur durch die leichte Salzigkeit möchte man sogleich einen erneuten Schluck zu sich nehmen.

Zweite Nase: Die dunkle Schokolade ist zu einer Milchschokolade mit Meersalzstücken geworden. Spannend.

Bezugsquelle: Sylter Trading GmbH
Hafenstraße 14 · 25980 Sylt (OT Rantum) · Tel.: 04651-9959026 · www.sylter-trading.de

Ebenfalls ein Newcomer ist Nicolas Kröger. Er importiert Rum aus Barbados und finished ihn in Pedro Ximenez Sherryfässern. Auf die Idee kam er während seiner beruflichen Laufbahn, die er auch in der Hotelbar des berühmten Ritz in London absolvierte. Edle Spirituosen haben den 27-jährigen gebürtigen Bad Segeberger schon immer fasziniert. Rum ist dabei zu seiner Leidenschaft geworden. 2014 gründete er in Berlin das Rumdepot. Im März diesen Jahres eröffnet er in Berlin seine Bar „Wagemut”, die sich dem Thema hochwertige Spirituosen widmet. Ich bin von der Farbe des Rums aus dem Pedro Ximenez Sherryfass fasziniert, der fast an Portwein erinnert. Nicolas färbt seine Rums nicht, schreibt es aber vorsichtshalber auf das Etikett, da er nie ganz sicher sein kann, ob die gebrauchten Eichenfässer für die Nachreifung nicht vorher einmal mit einem gefärbten Produkt belegt worden sind. Das macht Sinn, genau wie die Tatsache, dass er seine Sherryfässer selbst mit Sherry belegt, um die komplette Kontrolle über das Geschmacksprofil zu haben. Apropos Geschmack: der PX Cask Rum haut einen sensorisch aus den Socken. Wir werden uns den Namen Nicolas Kröger merken müssen, denn ich bin mir sicher, dass da noch viele weitere Leckereien aus seiner Feder oder besser seinen Fässern entspringen werden.


Produktbeschreibung:

N. Kröger PX Cask Rum Edition No. 3

Barbados Rum (5-12 Jahre alt) aus Amrican White Oak Barrels
Alter: 5-12 Jahre (mehrwöchiges Finish im PX Sherry Barrel)
Alkohol: 38,1 % vol.

Erste Nase: Vanille, Rosinen, Pflaumen und rote Früchte, Zigarrentabak, Kaffeebohnen, dezent minzig, Eichenholz, vage dunkle Schokolade

Geschmack: ein sensorisches Schwergewicht. Pflaumen mit Vanillesoße, Zigarrentabak, Kaffee, Schokolade, Eichenholz, Rosinen- und Karamellbombe

Nachklang: mittellang bis lang . Eine wunderbare Karamellsüße, die sich um die Zunge legt.

Zweite Nase: der Rum wirkt nun etwas frischer. So als hätte jemand ein paar Spritzer Limette hineingegeben. Spannend und wärmend.

Bezugsquelle: Nicolas Kröger · Akazienstr. 2 · 16766 Kremmen O/T Sommerfeld · www.nkroeger.de

Es gibt aber nicht nur deutsche Newcomer zu entdecken, sondern auch skandinavische. Die erste private schwedische Brennerei ist Mackmyra, die ebenfalls einen Stand haben und ihr sehr breit aufgestelltes Portfolio präsentieren. Mackmyra wurde 1999 gegründet und besitzt schon seit einigen Jahren eine deutsche Dependanz auf Gut Basthorst, wo man sogar auch Fässer lagert. Nicht weit entfernt vom Mackmyrastand entdecke ich Stauning. Die Whiskys dieser sehr kleinen dänischen Brennerei aus Westjütland kenne ich schon länger und habe den Werdegang der Brennerei von Anfang an verfolgt. Vor allem die Entdeckerfreude der Besitzer und der Menschen, die dort arbeiten, ist beeindruckend. Fast alles haben sie selbst ausprobiert, bis hin zu einer selbst entwickelten Maschine, die die Gerste beim Mälzen automatisch wendet, damit sie nicht anfängt zu schimmeln. Auch beim Fassmanagement ist man bei Stauning experimentierfreudig. Vor allem kleine Fässer haben es den Dänen angetan. Kleine Fässer bedeuten eine schnellere Reifung des Destillats. Am Stand von Stauning treffe ich Stefan Baumgart, den ich von einigen Besuchen in der Brennerei kenne. Ich darf einen Tropfen „Bückware” probieren, der mich umhaut - einen siebenjährigen Stauning Single Malt Whisky, der fast schon cognacesk ist. Die Whiskys von Stauning sind nun auch in Deutschland erhältlich. Als Importeur tritt das große Fachgeschäft Weinquelle in Hamburg auf. Da ich Stefan keine Flasche von der Bückware aus dem Kreuz leiern kann, probiere ich den Rye Whisky. Roggenwhisky kommt eigentlich aus den USA und wurde von den ersten Siedlern erfunden, die ihren Durst und das Wissen ums Destillieren mit in die neue Welt brachten. Dort angekommen, mussten sie aber feststellen, dass es keine Gerste in Amerika gab, sondern nur wilden Roggen. Kurzerhand wurde daraus der Schnaps gebrannt und erfunden war der Rye Whiskey. Der Stauning Malted Rye ist eine weitere Entdeckung der Messe!


Produktbeschreibung:

Stauning Young Malted Rye Whisky

Originalabfüllung
Alter: 3 Jahre (2014 - 2017)
Alkohol: 51,1 % vol.
Fasstyp: American White Oak Virgin Casks
ungefärbt, nicht kalt filtriert

Erste Nase: Zuerst Roggenmaische, dann Tannine - das sind Gerbstoffe aus den Eichenfässern. Dann kommen florale und Kräuternoten, dabei wuchtiges Nelkenaroma (spannend!), Zimt und leicht angebranntes Karamell. Eichenholz, Lakritz, Vanille und eine angedeutete Mentholnote runden die interessante Nase ab. Auch dieser Whisky braucht einen Moment zum Atmen. Erst dann entfaltet er sein volles Aromenspektrum.

Geschmack: Eichenholz, Roggen, frischer Apfel gepaart mit einer leichten Mentholnote. Dann Kräuter, Nelken, Lakritz und schwarzer Pfeffer. Die Aromen sind eingebettet in eine angenehme Karamellsüße.

Nachklang: Eichenholz, Roggen und Cerealien. Die floralen Noten klingen in Wellen nach, dazwischen spielt eine kalte Aschenote Versteck am Gaumen (die dürfte von den ausgekohlten Fässern kommen). Trocken und mittellang.

Zweite Nase: der Whisky wirkt nun gezähmter. Historisches Leder eines alten Kutschbocks in einer Museumsscheune kommt dazu (als Molfseer weiß man genau, wie so etwas riecht). Die Aromen mischen sich immer wieder neu. Auf einem Malt kommt mehr Menthol, dann haben die Eichennoten wieder die Oberhand. Ein wahres Chamäleon… Sehr spannend und jetzt auch endlich in Deutschland erhältlich.

Erhältlich bei: Weinquelle
Lübecker Straße 145 · 22087 Hamburg · Tel.: 040 - 25 63 91 · www.weinquelle.com

Ich ziehe weiter und entdecke Box Whisky aus Schweden, die von Flickenschildt aus Itzehoe importiert werden. Ich halte einen Plausch und ehe ich mich versehe, wandert eine Flasche Glen Moray Eigenabfüllung in meine Tasche. Das Etikett ist zwar selbstgestrickt, aber der Glen Moray ist saulecker und schließlich geht es mir darum. Zudem stimmt das Preisleitungsverhältnis. Nicht ganz so günstig, aber auch extrem lecker ist ein 21-jähriger Laphroaig von der Scotch Malt Whisky Society. Der muss leider auch mit, auch wenn mir der Preis mit 200,- Euro meinen Messeetat halbiert.

Aber natürlich waren auf der Hanse Spirit auch die großen Konzerne vertreten. Ich darf bei Beam Suntory den neuen Highland Park probieren. Eines muss man ihnen auf jeden Fall zugestehen - das Design der Flasche und die Verpackung sind wieder Weltklasse. Leider ist es auch der Preis für diesen Tropfen. Schlappe 230,- Euro soll dieser 17-jährige Highland Park kosten. Zum Glück kostet der 18-jährige als Standardabfüllung „nur” um die 100,- €. Da fällt mir eine Entscheidung nicht schwer. Sammler machen bei der neuen Abfüllung wohl den größten Teil des Absatzes aus.

Am Stand von Michel Reich werde ich erneut fündig. Ein Whisky aus einem Portweinfass von der Whisky Chamber aus einer Brennerei, die nicht genannt werden darf, aber zwischen Ardbeg und Laphroaig liegt, hat es mir angetan. Eine Flasche wandert in meinen Beutel. Dann kommt es Schlag auf Schlag. Am Stand vom Bremer Spirituosen Kontor lacht mich ein 25-jähriger Tormore von Douglas Laing an. Der Whisky ist dunkelrot, kommt aus einem 1st fill Sherrybutt und will eigentlich auch ganz doll zu mir. Nur der Preis von knapp 300,- und das damit verbundene vorgestellte Gesicht meiner Freundin, die mich fragen würde, ob ich noch bei Sinnen bin, hindern mich.
Kammerkirsch ist mit BenRiach da, eine meiner Lieblingsbrennereien. Da ist aber so viel los am Stand, dass ich nach 10 Minuten aufgebe. Es gibt so viel noch zu entdecken und ich stoße auf meinen alten Freund Ernst Vollmer, den ich zu den Rums von Nicolas Kröger lotse.

Bei Alba Import steht ein neuer Wolfburn, den ich noch nicht kenne. Corinna verspricht mir eine Probe zuzuschicken, denn mein Gaumen mag nicht mehr probieren. Das ist leider das Problem auf Messen. Nach sechs bis acht Whiskys ist Schluss - die Sensorik ist müde. Aber ich freue mich, dass ich so viele schöne Gespräche geführt und einige tolle Whiskys probiert habe und trete den Heimweg an. Eines steht fest: nächstes Jahr komme ich wieder… oder vielleicht schon dieses? Veranstalter Chris Rickert, den ich am Ausgang treffe, weist mich neben der Hanse Spirit (www.hanse-spirit.de) auf zwei weitere Veranstaltungen in diesem Jahr hin - eine Gin- und eine Rummesse:

Die Juniper Day's | Das Hamburger GIN FESTIVAL

Das nächste Wochenende für das 2. GIN FESTIVAL 2018:
Freitag, 09.06.2018, von 16:00 bis 22:00 Uhr und
Samstag, 10.06.2018, von 13:00 bis 21:00 Uhr
www.ginfestival.de

Die Sugarcane Day's | Das Hamburger RUM FESTIVAL

Das Wochenende für das 1. RUM FESTIVAL 2018:
Freitag, 07.09.2018, von 14:00 bis 22:00 Uhr und
Samstag, 08.09.2018, von 13:00 bis 21:00 Uhr

www.rumfestival.de

Anzeige