Tag des Bieres 2019

Bier gehört zum Norden wie Wind und Meer. Es gab Zeiten, da wurde in jedem Dorf aus Hopfen und Malz Bier gebraut. In modernen globalisierten Zeiten verflachte die Kultur, gefragt waren Einheitsbiere, flach und schal. Doch seit die Craft-Beer-Bewegung die Szene aufmischt, auch die größeren Brauereien verstärkt auf Spezialitäten setzen, erlebt die nordische Braukultur eine Renaissance und blüht auf. In Hamburg und Schleswig-Holstein löschen mittlerweile wieder gut 45 Brauereien mit 320 Biersorten den Durst der Bierfreunde.
 

Geschichte des Bieres

Die Geschichte des Biers gehört untrennbar zur Kulturgeschichte der Menschheit. Bereits Jahrtausende vor der Sesshaftwerdung haben Menschen Bier gebraut, das gleichermaßen als Nahrungsmittel wie als Genussmittel hohe Bedeutung erlangte – besonders bei den Teutonen. Bei Kulmbach fanden sich Bieramphoren aus der Zeit um 800 v. Chr. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete gleichermaßen fasziniert wie schaudernd von der Kampfeskraft unserer Altvorderen – auch was den Bierkonsum betrifft.  Indigniert hielt er fest, dass diese germanischen Barbaren eher übermäßigen Alkoholgenuss schätzen als einen gepflegten Feldzug nach römischer Art, die ja bekanntlich lieber Wein tranken. Der bayerische Herzog Wilhelm IV. brachte 1516 dann ein wenig Kultur in die Bierangelegenheit und verfügte, das bis heute gültige Reinheitsgebot. So wird Bier in Deutschland seit 500 Jahren nur aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut. Doch trotz Tradition und Kultur ging der Bierkonsum stetig zurück. Trank der Deutsche in den 1980er Jahren noch 150 Liter Bier pro Jahr und Einwohner, sind es heute um die 100 Liter. Einerseits wird heute grundsätzlich weniger Alkohol als früher getrunken, andererseits konnte der Genussmensch mit dem verflachten Einheitsgeschmack wenig anfangen, stieg auf Wein um.

Bier braucht Heimat

Gegen den globalisierten Einheitsgeschmack entwickelte sich aus den USA kommend die „Craftbeer“-Bewegung. Seit 2007 hat sich dort die Anzahl der Kleinstbetriebe dort verdreifacht und auch in Deutschland entstehen immer mehr kleine Micro-Brauereien, die Trends setzen und Bier für Genusstrinker attraktiv machen. Bier braucht eine Heimat, finde viele. So fangen auch immer mehr Freunde von Hopfen & Malz an, ihr Bier selbst zu brauen. Für Hobbybrauer bietet der Markt mittlerweile alles, was sein Herz begehrt.  

Der Trend zum handwerklich gebrauten Bier aus Kleinstbrauereien belebt die Bierszene in Deutschland. Nur einen „Biernotstand“ wie in den USA gab es bei uns nie. Bayern allein besitzt mehr als 600 Brauereien. Brauereien wie Weihenstephan oder die Klosterbrauerei Weltenburg gibt es schon seit dem 11. Jahrhundert. Was Amerikaner unter Craft Beer verstehen, nämlich Bier in Betrieben gebraut, die weniger als 9,5 Millionen Hektoliter umsetzen, erfüllt jede deutsche Brauerei. Deshalb definieren sich deutsche Craft-Beer-Brauer lieber über den Geschmack und ihre Experimentierfreude, über viel Malz und Hopfen und Aromen und spielerischen Umgang mit den Zutaten. Dazu entstehen schicke Läden, in denen Biersorten so präsentiert werden wie edler Wein und Whisky. Es gibt Bier-Tastings, Stammtische und Seminare. Bier wird dekantiert und zu edlen Gerichten verarbeiten. Diese Entwicklung ist zu begrüßen. Bietet doch kaum ein anderes Getränk eine derart bunte Sorten- und Markenvielfalt: Helle und dunkle, herbe und süffige, ober- und untergärige Biere, Pilsener, Export, Bock, Weizen, Rot- und Schwarzbier, Pale Ale … weit über eintausend deutsche Braustätten buhlen mit ihren 5.000 verschiedenen Biersorten um die Gunst der Bierliebhaber.

Wir dürfen uns über die neuen Geschmäcker und Biersorten freuen. Ob als Getränk des einfachen Genusses und der Verbrüderung beim Fußball oder als Edelgetränk für besondere Genussmomente - wir haben die Wahl. Hauptsache aus Schaum geboren.