Zu Tisch mit Elling

Die meisten Norweger haben eine gute Beziehung zu Würstchenbuden, sei es nun die lokale Variante, wo Würstchenmann – oder frau – uns und unsere Gewohnheiten kennen und wissen, ob wir das Würstchen mit Brot oder mit Lompe* wollen, mit oder ohne Ketchup, Senf, rohe oder gebratene Zwiebeln, Krabbensalat usw. Sei es der fremde Kiosk, der sich mit seinen Lichtern und Wimpeln aus der Dunkelheit löst, wenn man auf dem Weg nach Hause ist oder von einem späten Abend in der Stadt zurückkehrt, vielleicht mit ein oder zwei Glas hinter der Binde. Wir alle kennen den freundlichen Wortwechsel, der sich dann zwischen Würstchenmann und neuem Gast entspinnt, während sich der Experte einen Überblick über das gewünschte Zubehör verschafft, ganz zu schweigen von dem angenehmen Gespräch, zu dem es oft kommt, wenn Gast und Würstchenmann Zeit füreinander haben, dem Gespräch, das von einem Mundvoll zum nächsten geführt wird, vielleicht, während die Frau hinter dem Tresen eine neue Plastiktüte mit fertiggehackten Zwiebeln öffnet, eine Schachtel mit Brötchen hervorzieht, ganz allgemein ihre Arbeit macht, während sie gleichzeitig gibt und nimmt. Eine solche schlichte Mahlzeit unter freiem Himmel ist gemütlich, und die einfachen Rituale sorgen dafür, dass eine Wurst, egal ob Wiener oder Grill, mit Brot oder Lompe, ganz anders schmeckt, als wenn man sie sich selbst zu Hause in der Küche serviert. Es ist einfach nicht dasselbe, obwohl die Zutaten genau dieselben sind. Das ist eine Tatsache, die die meisten von uns aus Erfahrung bestätigen können.
 

Unterschiedliche Wursttypen
Ja, ich schreibe über Wiener oder Grill, da es in meiner Kindheit nur diese Sorten gab, ja, bis ich das Erwachsenenalter erreichte, und der gesamte würstchenessende Teil der norwegischen Bevölkerung (an die 90 Prozent, vermute ich) konnte in zwei Gruppen eingeteilt werden, nämlich Wiener und Grill. Für mich war es einfach ein Rätsel, wie manche sich für die meiner Ansicht nach ein wenig schlappe und hautlose Grillwurst entscheiden konnten, wo die Alternative eine knackige Wiener war, aber egal, wir sind nun mal verschieden, und darüber sollten wir froh sein.

Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt ging das Ganze zu weit. Wir wollten gewissermaßen die ganze Welt in die Würstchenbude holen und fingen an, mit deutscher Bratwurst oder Käsewurst oder Wurst im Speckmantel zu brillieren, ja, die Liste der Neuwürste ist bereits lang und eigentlich ein bisschen komisch, Als ob die beiden „Urwürste“, Wiener und Grill, nicht ausreichten. Ich habe es sogar schon erlebt, wenn ich bei einem jungen Würstchenmann schlichtweg eine „Wiener mit allem“ bestellt habe, dass er mich nur verständnislos anglotzte. Aber egal. Die Welt ist in stetigem Fluss und das ist gut so. Wenn die Jugend Käsewürste will, dann von mir aus, so lange ich weiterhin meine Wiener bekomme und mir den Käse auf das Knäckebrot legen kann, wie ich es gewohnt bin.

Aber wenn nun Leiv Vidar, der König der norwegischen Würstchenproduzenten, anfängt, die Würstchenstopfmaschine mit Krokodilfleisch aus Simbabwe zu füttern, dann habe ich genug und sage tausend Dank, das möchte ich mir doch energisch verbeten haben.

„Was diese Tiere erleiden müssen, kann durchaus das sein, was in Afrika Sitte und Brauch entspricht. Das bedeutet aber nicht, dass es norwegischen Ansprüche an Tierschutz erfüllt“, wie die Tierschutzaktivistin Linn Krogstad in einem Interview sagt.
(Und sie wird sich sicher einen Haufen Ärger in den Sozialen Medien einhandeln, für diesen Spruch über „Sitte und Brauch in Afrika“, denn das stinkt doch meilenweit nach unfreiwilligem Rassismus).

Naja, ich sehe natürlich, worauf sie hinauswill, und auch ich bin ein Tierfreund, ich kann mich überhaupt nicht für irgendeine Art von Tieraufzucht begeistern, aber ich muss schon zugeben, dass meine Aversion, ja, meine Abscheu der Krokodilwurst gegenüber eher mit Sitte und Brauch dieses Tieres zu tun hat, als mit der Sorge um dessen Wohlergehen, ob in Afrika oder anderswo. Ich denke da vor allem an des Krokodils Vorliebe für verfaultes Fleisch, für die Leichen von Menschen oder Tieren, wochen- oder monatelang in Unterwasserhöhlen gelagert, wie wir es zahllose Male in Dokumentationen auf National Geographic im Fernsehen oder anderswo gesehen haben. Es ist – entschuldige, Leiv Vidar – zum Kotzen, selbst wenn auf Krokodilfarmen die Tiere mit etwas anderem gefüttert werden als mit unglückseligen Flüchtlingen, egal, ob Tieren oder Menschen, nur: wer weiß? In gewissen Teilen Afrikas herrschen Zustände, die sich nur schwer in den Sprachen beschreiben lassen, die wir Menschen benutzen, und es gibt dort reichlich Nachschub an allem Möglichen, das erfahren wir jeden Abend aus den Fernsehnachrichten.

Nie im Leben würde ich Krokodilwurst zu mir nehmen, schon gar nicht, wenn der Einkaufspreis höher liegt als 450 Kronen das Kilo und der Verkaufspreis pro Wurst auf 39 Kronen angesetzt ist. Hier gibt es etwas, das, ja, stinkt!

Da halten wir uns doch lieber an Brieftaschen, Gürtel oder elegante Schuhe, wenn wir überhaupt Produkte aus diesem Vetter des Tyrannosaurus Rex benutzen wollen, aber von mir aus können wir ihn dort unten in Simbabwe im Schlamm liegen lassen, mit Stielaugen über der mit Algen überwucherten Oberfläche. In einer norwegischen Würstchenbude hat er nichts zu suchen, und das hat absolut nichts mit irgendeiner Art von Fremdenangst zu tun.
Aber was ist mit der Grillwurst?, denken und fragen jetzt vielleicht einige unserer neuen Landsleute, und ich werde den Mut haben, noch darauf zurückzukommen. Heute ging es mir um die Krokodilwurst Krokogrill.


*Für alle, die nie an einer norwegischen Würstchenbude waren: Lompe ist ein dünner kalter Fladen aus Kartoffelmehl, in den das warme Würstchen gewickelt wird.
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