Norwegen kulinarisch

In Norwegen wird viel Schokolade gegessen, und es wird auch viel Schokolade hergestellt. Am bekanntesten ist die Firma Freia, eigentlich kennen sie alle, die je in Oslo gewesen sind, auch wenn sie kein einziges Stück Schokolade verzehrt haben. Auf dem Egertorg – also ganz dicht bei Karl Johan – gibt es oben an einer Hausfassade eine riesige Freia-Reklame, und der Freia-Namenszug ist wie die Krone über einer Uhr angebracht, die seit 1911 zuverlässig die Zeit mitteilt (und weil die Reklame einfach nicht zu übersehen ist, ist der Platz unter der Freia-Uhr ein beliebter Treffpunkt. Seit 1937 stellt Freia den Keksschokoriegel Kviklunsj her, ohne den als Proviant in Norwegen kein Skiausflug vorstellbar ist. Schwedische Marabouschokolade schließlich gibt es inzwischen so gut wie in jedem deutschen Supermarkt – doch kaum jemand weiß, dass die Schokoladenfabrik Marabou in Upplands Väsby in Stockholm eine Gründung von Freia war! Die neuere Firmengeschichte von Freia ist schrecklich kompliziert, finde ich, ich habe jedenfalls irgendwann den Faden verloren, jede Menge Verkäufe und Ankäufe und Aktienmehrheiten und Übernahmen, aber das brauchen wir alles gar nicht zu wissen, so lange die Freia-Produkte weiter Freia heißen und schmecken wie immer, und so lange die Freia-Uhr über dem Egertorg weiterhin zuverlässig die Zeit anzeigt.

Seefahrer brachten die Schätze

Aber auch wenn ganz Norwegen sich zeitweise von Kviklunsj ernährt, so gibt es doch noch andere Schokoladensorten. Vor allem in den Küstenstädten sind in den vergangenen Jahren neue kleine Schokoladenmanufakturen aus dem Boden geschossen. Das liegt daran, dass es dort – zumeist im 19. Jahrhundert – schon mal welche gab. Seeleute brachten Gewürze und eben auch Kakaobohnen aus fremden Ländern mit und konnten auch über die Verwendung dieser Schätze berichten – und das inspirierte geschäftstüchtige Landratten, und ernährte natürlich auch so manchen Seemann, wenn er endgültig an Land gegangen war. Ihre Produkte verkaufen diese Manufakturen meistens in den lokalen Bäckereien und Kaffeestuben – es lohnt sich immer, da mal nachzusehen und nach Produkten aus der Umgebung zu fragen. Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die der Hvalsjokoladefabrikk in Sandefjord. 1996 wurde das Unternehmen mit fünf Angestellten und dreißig Teilhabern gegründet. Im ersten Jahr machten sie drei Millionen Kronen Umsatz - und seither geht die Erfolgskurve steil nach oben, 2005 waren sie bei dreißig Millionen angekommen, und so geht es weiter (meine Aufzeichnungen sind dermaßen von Schokolade verschmiert, dass ich nicht mehr daraus schlau werde). Es gibt eigene Verkaufsstätten mit dem Namen „Sjokolateriet“ (gesetzlich geschützt), bisher in der Umgebung von Sandefjord, aber das Unternehmen weitet sich ständig aus. Der Name – Wal-Schokolade – lag in der alten Walfängerstadt Sandefjord auf der Hand. Der große Renner ist „Gullhval“, also Goldwal, das sind salzige Kekse, dick mit Schokolade überzogen. In Walform! Der Wal schlägt fröhlich mit dem Schwanz und schmeckt einfach köstlich. In Sandefjord ist es inzwischen üblich, Leuten, die sich aus irgendeinem Grund um die Stadt verdient gemacht haben, und sei es, dass sie dort nur einen Vortrag halten, zum Dank eine große Packung Walschokolade zu schenken. Die Beschenkten stehen seither geradezu Schlange, um abermals etwas für Sandefjord tun zu dürfen.

111 Gründe, Norwegen zu lieben

Eine Liebeserklärung an das ​schönste Land der Welt

Autorin: Gabriele Haefs
Umfang: 308 Seiten, Taschenbuch mit separatem Farbteil
Verlag: 
Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3-86265-613-4
Preis: 12,99 EUR (D)

 

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