In Norwegen entdecken Schweine Inseln

In Norwegen gibt es viele Ortsnamen, die etwas mit Schweinen zu tun haben. Einer der ersten, den viele Norwegenreisende hören (oder lesen) ist Svinesund. Wenn Sie die lange Brücke über den „Schweinesund“ hinter sich gebracht haben, sind Sie nicht mehr in Schweden, sondern haben norwegischen Boden erreicht, die Grenze verläuft irgendwo tief unter der Brücke in der Mitte des Sundes. Aber der Svinesund fällt hier ein bisschen aus dem Rahmen, die meisten Schweinenamen finden wir entlang der Westküste, je weiter nördlich, desto häufiger finden wir Namen, die mit Schweinen zu tun haben – Namen, in denen „svin“, „gris“ (beides Wörter für Schwein ganz allgemein), „purke“, „sugge“ (Sau) und „galte“ (Eber) vorkommen, wie Svinøy oder Svindalen, Storgalten, Purkestad, Suggetjønn, Grinshuet und Galthåen. Manchmal gibt es in der Gegend Berge, die ähnlich geformt sind wie ein Schweinekopf. Meistens gibt es irgendwelche ernsthaften Sprachforscher, die uns erzählen, diese schönen Namen hätten gar nichts mit Schweinen zu tun, sondern seien Ableitungen von missverstandenen samischen oder quänischen Namen.

Svindalen zum Beispiel, an der Helgelandsküste auf der Insel Andøya gelegen, stammt angeblich vom samischen „suejnie“, was „hohes Gras“ bedeutet. Aber viel schöner ist die Sage, die entlang der gesamten West- und Nordküste über die Entstehung der Schweinenamen erzählt wird. Nämlich, dass die Bauern der Umgebung jeden Sommer staunten, wenn die damals noch freilaufenden Schweine jedes Jahr in der Johannisnacht verschwanden. Einige Wochen tauchten sie dann aber wieder auf, viel zufriedener und fetter als vor ihrem Verschwinden. Natürlich zerbrachen sich die Bauern schrecklich die Köpfe, wo denn ihre Schweine sich wohl herumgetrieben hatten. Und immer kommt dann eine weise alte Frau auf die kluge Idee, dem Schwein einen eisernen Schlüssel um den Hals oder an den Schwanz zu binden. Es muss nicht unbedingt ein Schlüssel sein, aber was immer man nimmt, es funktioniert nur mit Eisen.

Die Schweine begeben sich nämlich in der magiefreundlichen Johannisnacht in ein verwunschenes Tal oder auf eine verzauberte Insel, wo das Gras viel höher wächst und alles überhaupt viel fruchtbarer und schweinefreundlicher ist als dort, wo sie eigentlich beheimatet sind. Das Eisen löst den Zauber, die Insel oder das Tal müssen in der diesseitigen Welt bleiben, die Bauern der Umgebung haben ihre Schweine wieder und können die entzauberten fruchtbaren Gefilde in Besitz nehmen. Und da ist es doch kein Wunder, wenn sie diese Gefilde auch nach den Schweinen nannten?

Im inzwischen zur Ruine zerfallenen Marienkloster auf der Insel Tautra im Trondheimsfjord gab es alten Berichten nach ein großes Wandgemälde, auf dem eine Sau mit einem Schlüssel um den Hals an Land geht – die eigentliche Entdeckerin dieser fruchtbaren Insel, in der sich im früheren 13. Jahrhundert dann Zisterziensermönche niederließen. Leider ist das Bild irgendwann mitsamt der Mauer, die es zierte, zerfallen, aber wegen seiner Bekanntheit noch immer eine Sehenswürdigkeit auf der Insel, obwohl es also gar nicht vorhanden ist.

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Autorin: Gabriele Haefs
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Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3-86265-613-4
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