Norwegen kulinarisch

Norwegens Nationalfisch ist unbestreitbar der Schleimaal, auch wenn sich amtlich gesehen der Kabeljau durch unsaubere Mittel diesen Titel erschlichen hat. Der Heilbutt dagegen ist nicht gerade der Fisch, den die meisten mit Norwegen verbinden. Aber der Ort Havøysund in Finnmark ist ja auch der Ort, an den die meisten denken, wenn von norwegischen Reisezielen die Rede ist.

Das soll sich nun alles ändern. Und in Havøysund gibt man sich nicht mit Kleinigkeiten ab, Havøysund strebt nichts Geringeres an als „Europas Heilbutthauptstadt“ zu werden. Das wird bestimmt gelingen, denn einerseits ist die Konkurrenz um dieses Amt nicht sehr groß, andererseits gehen sie mit solcher Begeisterung ans Werk, dass es einfach klappen muss. Zudem ist der Heilbutt, der im Nordatlantik beheimatet ist, ja nun wirklich ein leckerer Fisch mit feinem weißen Fleisch. Sein Name ist übrigens irreführend, er ist gar kein Butt, sondern gehört zu den Schollenfischen. Auf Norwegisch heißt er „Kveite“, also einfach „weißer Fisch“ und das stimmt nun wirklich. Das Problem ist nun allerdings, dass aufgrund von Überfischung die Bestände gefährdet sind, und da könnte es doch widersinnig wirken, nun auch noch begeisterte Touristen nach Havøysund zu locken, die den Bestand noch weiter reduzieren? Aber das sollen sie gar nicht. Sie sollen nach Havøysund kommen, Geld mitbringen und sich vor allem amüsieren. Jedes Jahr im August soll ein Heilbuttfestival stattfinden, 2016 gab es das zum zweiten Mal, und es war ein voller Erfolg. Natürlich wird dann auch gefischt, es gibt ein Wettfischen für Erwachsene und dann eins für Kinder unter 14. Alle Teilnehmenden dürfen nur eine Angel benutzen, und wer gewonnen hat, wird per Boot entschieden. Alle Fische, die ein Boot erwischt hat, werden der Länge nach gemessen, und das Boot, das also insgesamt den längsten hat, hat gewonnen und kriegt einen Pokal. Es gibt aber so viel Rahmenprogramm, dass das Angeln sozusagen unter ferner liefen rangiert, die Überlebenschance für den Heilbuttbestand der Gegend ist also sehr groß. Es gibt Musik, Bingo, Lotterien, ganz viel Musik, 2016 trat beim Abschlusskonzert Espen Askeladd auf (ich habe nicht rauskriegen können, wer sich hinter diesem Namen versteckt und was er für Musik macht!). Und die ganze Zeit muss gegessen werden, nicht nur Fisch. Auf allen Werbezetteln und Flyern zum Festival wird betont darauf hingewiesen, dass überall auf dem Festivalgelände Bier, Wein und Würstchen zu haben sind. Vielleicht gerät der Heilbutt da ein wenig in den Hintergrund, ein lustiges Fest ist es aber auf jeden Fall und ganz bestimmt ein Grund für einen Besuch in Havøysund!

111 Gründe, Norwegen zu lieben

Eine Liebeserklärung an das ​schönste Land der Welt

Autorin: Gabriele Haefs
Umfang: ca. 288 Seiten, Taschenbuch mit separatem Farbteil
Verlag: Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3-86265-613-4
Preis: 12,99 EUR (D)