Norwegen kulinarisch

In Norwegen gibt es viele Literaturfestivals, über das ganze Jahr verteilt, im ganzen Land. Aber die Lesungen dort sind nicht so wie Lesungen, die wir aus anderen Ländern kennen. Es ist also nicht so, dass die Autorin vorn sitzt, aus dem neuen Buch liest, dann stellt das Publikum Fragen dazu. Diese Form von Lesung gibt es in Norwegen eigentlich nie. Dort sitzt die Autorin vorn, irgendein wichtiger Mensch von der Lokalzeitung oder dem veranstaltenden Buchladen fragt sie zu ihrem Leben und Werk und vor allem zum neuen Buch aus, das Publikum darf keine Fragen stellen, wenn der wichtige Mensch fertig ist, werden Bücher verkauft und signiert. Warum sich diese besondere Form von „Buchbad“ wie es in Norwegen heißt, entwickelt hat, wird meistens so begründet: „Norweger sind zu ungeduldig. Die hören nicht zu, wenn vorgelesen wird.“

Aber beim schönsten Literaturfestival Norwegens tun sie es eben doch. Das findet jeden November in Stavanger statt, im Café Sting, das strategisch praktisch gegenüber dem Valbergturm gelegen ist. Dieser um 1850 errichtete Turm hat nicht nur eine phantastische Sicht auf ganz Stavanger, man sieht ihn auch von überall her, deshalb kann man den Weg zum Café Sting einfach nicht verfehlen. Die Literaturtage im Sting werden organisiert vom Sting-Chef Terje Vallestad, der eigentlich aus der Rockszene kommt, dann aber um 1990 beschloss, nun sei das Wort an der Reihe, und sein einzigartiges Festival vorstellte. Es geht fast eine Woche lang, von Montag bis Samstag. Jeder Abend hat ein anderes Thema, meistens geht es los mit Autoren aus Stavanger und Umgebung, es folgt ein Lyrikabend, und so geht es weiter, bis am Samstag dann die Bestseller des Jahres an die Reihe kommen. Und jeden Abend ist das Sting gerammelt voll, am Samstag ist schon zwei Stunden vor Lesungsbeginn jeder Platz besetzt. Das Konzept ist ganz einfach: Vorn steht ein Mikrofon, dahinter ein wackliger Stuhl, darauf nimmt man Platz und liest. Eine halbe Stunde lang, keine Sekunde länger, die anderen wollen auch noch an die Reihe kommen, und jeden Abend gibt es fünf Lesungen zu hören. Es wird nichts erklärt, es wird nur gelesen. Zwischendurch gibt es eine Pause, damit alle sich etwas zu trinken oder ein Stück Kuchen holen können. Und sich natürlich ein Buch kaufen und signieren lassen.

Elogen auf den Schokoladenkuchen

Das Café Sting ist nicht nur berühmt für das Literaturfestival, sondern auch für seinen Schokoladenkuchen, und welche Attraktion nun mehr Gäste anlockt, wollen wir gar nicht so genau untersuchen. Fest steht, dass es im Internet von Elogen auf den Schokoladenkuchen nur so wimmelt, Rezepte werden weitergeleitet und diskutiert, einige haben es inzwischen sogar in Kochbücher von großen Verlagen geschafft. Hier ist ein Rezept, nach Aussage von Sting-Leuten das absolut echte und authentische!

Man nehme:

Für den Kuchen:
125 Gramm Butter
0,2 Liter Wasser
1 Esslöffel Kakao
4 Eier
250 Gramm Zucker
150 Gramm Weizenmehl
3 Teelöffel Backpulver


Für die Schokoladencreme:
2 Eier
0, 1 Liter Sahne
125 Gramm Zucker
50 Gramm Blockschokolade
125 Gramm Butter
1 Teelöffel Vanillezucker

Zum Verzieren:
Geriebene Bitterschokolade
 

Die Butter in einem Kochtopf zerlassen. Wasser, Kakao und Vanillezucker dazugeben. Den Topf von der Platte nehmen und mit dem Mixstab vier Eigelb in der Butter-Kakaomasse verquirlen. Zucker, Mehl und Backpulver dazugeben. Den Teig glattrühren. Die Eiweiß schaumig schlagen und ganz zum Schluss unter den Teig heben.

Den Teig in eine runde, mit Backpapier ausgelegte Form geben. Den Kuchen dann auf der untersten Schiene im Backofen etwa 45 Minuten bei 175 Grad backen. In der Form abkühlen lassen. Aus der Form nehmen und vom Backpulver befreien. Den Kuchen in der Mitte quer halbieren.

Sahne, Eier und Zucker in einen Kochtopf geben. Einmal unter stetigem Umrühren aufkochen lassen. Den Topf von der Platte nehmen und die Blockschokolade darin verrühren, bis sie geschmolzen ist. Butter und Vanillezucker dazugeben. Umrühren, bis die Butter geschmolzen und ein glatter Teig entstanden ist. Den Topf mit der Schokocreme mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank stellen. In dann mit dem Mixer verquirlen, bis er luftig wird und eine hellere Farbe annimmt.

Eine Schicht Schokocreme zwischen die Kuchenhälften geben. Sodann den Kuchen mit der Creme überziehen. Am Ende mit Schokostreuseln verzieren.

Beim Verzehr dann einen guten norwegischen Roman lesen. Und sich vorstellen, man säße im Sting und hörte den Autor vorlesen!

111 Gründe, Norwegen zu lieben

Eine Liebeserklärung an das ​schönste Land der Welt

Autorin: Gabriele Haefs
Umfang: ca. 288 Seiten, Taschenbuch mit separatem Farbteil
Verlag: Schwarzkopf Verlag
ISBN 978-3-86265-613-4
Preis: 12,99 EUR (D)

Lesen Sie mehr zur Kulinarik Norwegens auf Nordische Esskultur. Hier geht es zu dem letzten Artikel der Autorin: www.nordische-esskultur.de/Skandinavien/Pilze-haben-die-Weltgeschichte-gepraegt