Während meiner Schulzeit in den 1950er Jahren in der zweitgrößten Stadt Dänemarks, Aarhus, gab es freies Essen an den Stadtschulen. Es gab für alle kostenlose Lunchpakete mit Roggenbrot, darauf Gewürzfett, grobe Leberpastete und einer Scheibe gelbem Käse von unbestimmter Herkunft und ohne Geschmack. Wenn wir eine Viertelstunde Esspause hatten, war der Käse trocken und der Viertel Liter Milch war lauwarm. Das Essen fand an den Schultischen statt, der Geruch war unerträglich!

Heute ist das Essen für die Kinder in Dänemark meist besser. Die Politik spricht davon, dass die Kinder sich viel bewegen sollen und gesund essen müssen, um besser zu Lernen. Die Gemeinden geben mehr Geld dafür aus als in früheren Zeiten, doch letztendlich liegt die Verantwortung für die gesunde Ernährung bei den Schulen.

Die große Mehrheit der Kinder in Dänemark bringen ihr Lunchpaket von zu Hause mit in die Schule. Und am Meisten ganz gesunde Lunchpakete, erzählen die Lehrer. Während die jungen Schüler die Schule in den Pausen nicht verlassen dürfen, holen sich die Älteren in ihren Schulpausen aus den örtlichen Lebensmittelgeschäften das Essen. Und hier gibt es überwiegend Cola und Fastfood. Viele Kinder frühstücken auch nicht mehr zu Hause. Das beeinflusst die Denk- und Konzentrationsfähigkeit. Sie sind einfach müde und lernen schlechter.

Jetzt steuern aber viele Schulen gegen den ungesunden Trend und bieten kostenloses Frühstück für die Schüler an. An einer Schule bereiten Schüler einmal in der Woche gesunde Mahlzeiten für einander zu und lernen dabei gleich das Kochen. Unabhängig davon, welche Maßnahmen ergriffen werden, müssen die Eltern Teil der Idee sein.

In größeren Städten wie Kopenhagen wurden große Anstrengungen mit dem EAT-System unternommen. EAT ist Partner der Schulverwaltung und verkauft täglich rund 6.000 Mahlzeiten für Schulkinder. Die Schüler sind selbst für die Verteilung der Essen verantwortlich. Bei den Speisen wird großer Wert auf gute und vorzugsweise biologische Lebensmittel gelegt. Verschiedene Kulturen und Allergien werden berücksichtigt, so dass jeder am Programm teilnehmen kann. Zudem gibt es täglich mehrere Angebote zur Auswahl wie beispielweise: Butterhähnchen mit Dukkah, Bulgur und Apfel / Selleriraita oder Gebackenem Kabeljau mit grober Tomatensauce und Grünkohlsalat mit Apfel und Ölandbrot oder Roggensandwich mit Mozzarella, halbgetrockneten Tomaten, Römersalat und Pesto. Das Essen wird im Voraus bestellt und bezahlt.

Auch an kleineren Orten wie die Frederiksbjerg Schule in Aarhus gibt es ein Umdenken. Die Schule mit 940 Schüler hat ein neues Essenskonzept entwickelt. Alle Schüler essen mittags gemeinsam im Schulcafé. Das Essen wird vor Ort aus frischen, gesunden und biologischen Produkten zubereitet und das Brot dort gebacken. Schweinefleisch steht zwar auch ab und an auf der Karte, aber es gibt immer eine Auswahl an Gerichten für die Schüler, dazu gehören auch vegetarische Gericht und Essen für Personen mit Laktose- oder Glutenallergie. Das Essen zum Preis von 2,70 Euro pro Person wird im Voraus für jeweils einen Monat bestellt und bezahlt.

Tischmanieren & Esskultur

Das gemeinsame Essen steht im Fokus. ”Die Schüler sollen dabei auch gute Tischmanieren und Esskultur lernen”, sagt der zuständige Administrator und fügt hinzu: ”Seit zwei Jahren bewährt sich das Konzept und wir erwirtschaften sogar einen kleinen Gewinn. Mit 130.000 DKK pro Jahr haben wir den gleichen Zuschuss für das Schulessen bekommen wie andere Schulen in der Gemeinde. Unser Umsatz beträgt über 4 Millionen DKK jährlich. Das macht uns von den Subventionen ein Stück unabhängig.” Der Zuschuss ist in Dänemark abhängig von der jeweiligen Gemeinde.

”70 Prozent der Schüler kaufen ihr Essen in unserem Café. Wir haben keine Personalschwierigkeiten. Wir bieten für die Köche deutlich bessere Arbeitszeiten an als es im Beruf normalerweise gibt. Wahrscheinlich sind wir die einzige Schule des Landes, die ein vollkommen ökologisches Schulessen anbietet. Zwei kleinere Schulen in der Nähe machen es wie wir und zeigen damit, dass so ein Projekt auch mit weniger Schülern und auch in ländlichen Gebiete durchgeführt werden kann.”

Mit dem Projekt schafft die Frederiksbjerg Schule in Aarhus bewusste Nahrungskonsumenten für die Zukunft – damit unsere Kinder nicht nur gut und gesund Essen sondern auch gut lernen können.

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