Ein Gastbeitrag von Lisa Grimmeiß

Westhof Bio

An der frischen Nordseeluft an der Schleswig-Holsteinischen Westküste wachsen auf dem „Westhof Bio“-Betrieb Erbse, Möhre, Kohl & Co. Nebenan gedeihen Tomate, Gurke und Paprika in den Gewächshäusern auf fruchtbarem Kalkmarsch-Boden. Eintausend Hektar Bioanbaufläche, dreißigtausend Tonnen Biogemüse, frisch und tiefgefroren - der Biolandbetrieb ist einer der größten und modernsten Biogemüseproduzenten Deutschlands. Und obendrein ist er ein Pionier der nachhaltigen und modernen Landwirtschaft, wirtschaftet energieneutral und ressourcenschonend zum Schutz von Umwelt und Klima, und steckt voller Energie und Innovation.

Pionier und Vorbild

20 Prozent Ökolandbau bis 2030, das ist das Ziel der Bundesregierung. Westhof Bio in Dithmarschen macht vor, wie das klappen könnte und reißt mit seiner Bio-Begeisterung andere mit: Rund um den Westhof sind gut 30 Prozent der Ackerflächen biologisch bewirtschaftet – so viel wie kaum anderswo in Europa. Damit zählt Dithmarschen zu den bedeutendsten und dichtesten Anbauregionen für Biogemüse in Deutschland und Europa.

Die Geschichte des Westhofs ist die eines Bio-Pioniers. Rainer Carstens war 19 als er den Westhof 1978 von seinen Eltern übernahm. 11 Jahre später stellte er den damals 110 Hektar großen Betrieb auf Bio um. Schon damals zählte er zu den Großen unter den Biohöfen – heute ist er knapp zehnmal so groß.

Und die Bio-Begeisterung und der Erfolg sind mitreißend. Nicht nur seine vier Kinder steckte Rainer Carstens längst damit an, alle vier arbeiten heute im Biounternehmen mit. Auch umliegende Landwirtinnen und Landwirte motivierte er, auf Bio umzustellen. Die Westhof-Gruppe ermöglicht ihnen, die Logistik des großen Betriebes mit zu nutzen. Der Biobetrieb bündelt die Ernte von anderen, meist kleineren Biohöfen in der Region. Von etwa 30 umliegenden Betrieben verarbeitet und vermarktet er das Biogemüse – frisch oder tiefgefroren in der eigenen Biofrosterei.

 

Energieneutral und ressourcenschonend

Biogemüse auf der einen Seite – erneuerbare Energien auf der anderen. Das gehört hier zusammen. Im Westhof-Bio-Kreislauf geht nichts verloren. Biogemüse, Biogasanlage, Blockheizkraftwerk und Biogewächshäuser sind ausgeklügelt miteinander verknüpft. Das ganzheitliche Kreislaufmanagement schont Ressourcen, Klima und Umwelt.

Die Energie, die im Produktionszyklus verbraucht wird, kommt aus regenerativen Energien – aus Solarenergie, Windkraft und Biogas. Damit keine Nahrungsmittelkonkurrenz oder Monokultur entsteht, ist die Versorgung der Biogasanlage in die Fruchtfolge integriert. Energie wird aus nicht nutzbaren Gemüseresten und aus abgemähtem Kleegras und Blühwiesen gewonnen. So können selbst ungenutzte Pflanzenanteile noch energetisch genutzt werden. Die Abwärme aus der Biogasanlage und der Frosterei erwärmen das Gewächshaus.

Die Gärreste aus der Biogasanlage werden den Feldern wieder als Dünger zugeführt. Auch das für die Gewächshauspflanzen notwendige CO2 kommt aus der Biogasanlage. So ist der Gemüsebetrieb auch als viehloser Betrieb zu fast 100 Prozent autark, was den Stickstoff angeht. Durch dieses ausgeklügelte Konzept schafft es der Westhof Bio energieneutral, ressourcenschonend und klimafreundlich zu wirtschaften.

Modern und innovativ

Dennoch, die Herausforderungen für die Landwirtschaft werden durch Umweltveränderungen größer. Die Zeitfenster, um Kulturen zu pflegen, werden etwa durch Wetterextreme immer kürzer. Modernisierung und Digitalisierung sollen helfen. Ein Trumpf, etwa wenn das Wetter umschlägt und die Ernte schnellstmöglich eingebracht werden muss.

Im trockenen Sommer 2018 rettete der moderne Maschinenpark die Möhren: Nur so war es möglich, innerhalb von wenigen Tagen die Dämme für die Möhren fertig zu fräsen – was früher einen Monat gedauert hätte, war in wenigen Tagen geschafft. Dann kam der Regen, mit dem die eingebrachte Saat schön aufging.

Auf den Möhrenfeldern jätet der Solarflieger, eine selbstfahrende, durch Solarenergie angetriebene Arbeitsmaschine. Zudem kommt auf den Äckern moderne GPS-Technik zum Einsatz, damit die Felder effizienter abgefahren werden. Im Gewächshaus werden die Bedingungen für die Tomaten digital kontrolliert und optimiert. Und ein autonom fahrender Roboter bewegt bis zu zwei Tonnen Nutzlast über im Boden integrierte Induktionskabel.

Wo es noch keine passende Technik gibt, da entwickelt der Westhof eigene Lösungen für Anbaugeräte und Traktoren. Dafür arbeitet der Biobetrieb etwa mit der Fachhochschule Westküste in Heide zusammen an verschiedenen Forschungsprojekten.

WESTHOF BIO

Zum Westhof 6
25764 Friedrichsgabekoog

Telefon: 04839 / 9 53 50
www.westhof-bio.de

Netzwerk der Demonstrationsbetriebe

In Deutschland wirtschaften mehr als 29.000 Betriebe nach ökologischen Richtlinien. Aus dieser Vielfalt hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 242 Biohöfe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Diese Betriebe öffnen allen Interessierten ihre Türen und Tore und zeigen, wie Ökolandbau funktioniert.

Mehr unter: www.demonstrationsbetriebe.de

 

Weitere Demonstrationsbetriebe

Gut Wulksfelde

Biohof Bakenhus

Biobauernhof mit U-Bahnanschluß: Gut Wulfsdorf

Hüterin der Heide

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