Imkerin aus Leidenschaft

Laut NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, leben in unserem Land rund 560 Wildbienenarten. Doch bereits die Hälfte davon stehen auf der Roten Liste, weil die natürlichen Lebensräume zerstört werden und immer öfter Monokulturen die Landwirtschaft bestimmen und Pestizide eingesetzt werden, die die Bienen orientierungslos machen und das Immunsystem schwächen. Lichtblick: Immer mehr Imker versuchen, dagegen zu halten. In den letzten Jahren stieg die Anzahl der Imker drastisch an und liegt derzeit auf einem Allzeithoch von fast 130.000. 96 Prozent davon sind Hobby-Imker, die zwischen 1-25 Bienenvölker betreuen, nur ein Prozent betreuen mehr als 50 Völker. Bienen sind für die menschliche Nahrungskette sehr wichtig, denn sie bestäuben rund 80 Prozent der Pflanzen.

Auch Cornelia Kretzmann leistet ihren Beitrag für den Umweltschutz und lebt gleichzeitig ihr Hobby aus. Seit 2010 lässt sie das Summen der Bienen und der Geruch der Waben mit dem schimmernden Gold nicht mehr los: „Sie glauben gar nicht, wie köstlich es riecht, wenn man den Bienenstock öffnet. Die Mischung aus Wachs, Honig und Bienen ist ein Traum. Je nach Tracht riecht es manchmal täglich anders.“ Unter dem Markennamen ‚Hummel Hummel‘ vertreibt sie ihren Honig über das Internet und von Zuhause in Hamburgs grünem Stadtteil Klein Borstel. Auch die Gäste im Hotel Wedina an der Außenalster und die Kunden von Optiker Künzel kommen in den Genuss des delikaten Honigs. Die leichte, milde und helle ‚Frühblüte‘ resultiert aus den Blüten, die die fleißigen Bienen bis Mitte Juni angezapft haben. Einen kräftigeren Geschmack weist die ‚Sommertracht‘ auf, denn die Bienen konnten zwischen Juni und Juli in einem Meer an Blüten schwelgen. Vor allem Linden geben diesem Honig eine kräftige und herbe Note. Seit 2015 steht auch der dunkle Honigtau-Honig in begrenzter Menge zur Verfügung, wenn die Bienen im baumreichen Stadtteil Sasel den Nektar aus den Blüten naschen.

Für 500 Gramm Honig fliegen Arbeitsbienen rund 40.000 Mal im Umkreis von 5 Kilometern vom Stock entfernt aus und legen dabei eine Flugstrecke von rund 120.000 km zurück. 2017 lag die Honigproduktion in gesamt Deutschland zwischen 28.000 und 30.000 Tonnen.

Im Einklang mit der Natur

Cornelia Kretzmann hat sich schon als Kind für Honig und die summenden Produzenten, Bienen, interessiert. „Wenn wir mit unseren Eltern über Land gefahren sind, haben wir immer an Imker-Schildern gehalten und den ortsansässigen Honig gekauft. Der schmeckte immer intensiv und nach der jeweiligen Region“, schwärmt die Tiernärrin, die auch zwei Königspudel und 16 Hühner ihr Eigen nennt. Die ausgebildete Hundetrainerin wuchs in Hamburg auf und studierte Ökotrophologie, um ihr Lebensmotto ‚Im Einklang mit der Natur‘ mit dem nötigen Wissenstand zu untermauern. Während des Studiums jobbte sie auf Ökomärkten und in Bioläden. Ihr erster Arbeitsplatz war Hauswirtschaftsleiterin im Klinikum Timmendorfer Strand. Auch beim Hamburger Unternehmen Pflegen & Wohnen setzte sie ihr Wissen um Nahrungsketten und Abläufe in der Verpflegung ein. Seit 2007 ist Cornelia Kretzmann selbstständig und bereitet Unternehmen mit Großküchen auf die Zertifizierung beispielsweise für EU Lizenzen vor. „Das Thema ist auch durch die Flüchtlingsproblematik akut geworden. Ich stoße die Prozesse an, trainiere die Mitarbeiter auf Hygienevorschriften, optimiere die Arbeitsabläufe und Dokumentationen“, erklärt die 56-Jährige.

Was Cornelia Kretzmann anpackt, macht sie mit dem nötigen Hintergrundwissen. So belegte sie einen Kurs beim Imker Verein Bramfeld und ging hiernach zwei Jahre bei einem Imker in die Lehre, um sich noch tiefer in die Geheimnisse der Bienen-Bedürfnisse und des Honigmachens einweihen zu lassen: „Ich habe von meinen Nachbarn eine Bienenkönigin mitsamt Volk geschenkt bekommen. Bienenstock, Imkermontur, Wabenschleuder, Smoker und weitere Utensilien mussten angeschafft werden. Schon im ersten Jahr konnte ich 20 kg Honig von einem Bienenstock in meinem Garten ernten.“ Aus einem Volk wurden schnell fünf und heute wacht die Hamburgerin über 15 Bienenvölker mit einem Honigumsatz von über 500 Kilo. „Bienen müssen mindestens 1x pro Woche gehegt und gepflegt werden - vom Frühling bis in den Spätsommer. Dazu gehört auch die Behandlung gegen Milben und Parasiten. Daher lohnt es sich nicht, nur einen Stock zu halten. Zusätzlich züchte ich Königinnen, die dann auf Sylt begattet werden. Mittlerweile bestimmen die 15 Bienenstöcke meinen Jahreszeitplan“, erzählt Cornelia Kretzmann.

Die Bienenkästen stehen in ihrem Garten, in Sasel bei einer Freundin und im Hamburger Stadtpark. „Im Spätsommer wird jedes Volk für den Winter mit 15-20 kg Zuckersirup eingefüttert, damit die fleißigen Nektarsammler nicht verhungern. Die Honigernte erfolgt 2-mal im Jahr – für die ‚Frühblüte‘ Anfang Juni und für die ‚Sommertracht‘ je nach Blütenstand Mitte Juli. In einer Honigschleuder wird der flüssige Honig bei natürlicher Stocktemperatur geschleudert und in Gefäße gefüllt. Bevor er zum Verkauf abgefüllt wird, rühre ich ihn mehrfach um, so dass er eher cremig ins Glas kommt“, erklärt Cornelia Kretzmann und ergänzt: „Je nachdem welchen Nektar von welchen Blüten die Bienen eingetragen haben, wird der Honig früher oder später fest. Ab jetzt verändert er seine Konsistenz nicht mehr und ist lange haltbar.“ Während die Bienen im Winter in den Stöcken ihre Königin wärmen, schwirren sie ab 12 Grad Außentemperatur heraus, um ihrer Arbeit nachzugehen. „Jeder kann seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten, indem man Honig vom Imker in der Nachbarschaft kauft, denn ich kann nur so viele Bienenvölker halten, wie ich auch Honig verkaufen kann“, erklärt die Ökotrophologin. Auch das Anpflanzen von Blumen und blühenden Bäumen – ohne Pestizidbehandlung - ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt einer intakten Umwelt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat deshalb eine App und Broschüre mit dem Thema ‚Bienenfreundliche Pflanzen für Balkone und Gärten‘ herausgegeben.

Infos

http://bit.ly/2GQHkg4

Den köstlichen Naturhonig 'Hummel Hummel' von Cornelia Kretzmann gibt es für 6 Euro das 500 g Glas unter www.honig-in-hamburg.de oder per E-Mail cornelia.kretzmann.ck@gmail.com