Ponyspaziergänge, Kuhflüstern und Führungen ins Hanffeld

Ein Gastbeitrag von Lisa Grimmeiß

Auf Rinder-Safari im Norden Brandenburgs oder Treckersurfen am Rande der mecklenburgischen Seenplatte – wer Bio wirklich erleben will, der muss auf die Bio Ranch Zempow. Auf dem Naturerlebnis-Biohof ist mächtig was los: Ponyspaziergänge, Schafwanderungen, Kuhflüstern, Führungen ins Hanffeld. Die Bio Ranch Zempow zeigt, dass Bio ungeheuer Spaß macht – bei Schulklassen-Events, Firmen-Incentives oder im Urlaub auf der Bio Ranch.

Mit Ponys spazieren

Pferde, Ponys und Esel leben auf der Bio Ranch Zempow von Wilhelm und Swantje Schäkel. Allerdings nicht nur für den typischen Reitunterricht, sondern vielmehr als tierische Lehrer für die Pferdesprache: Es geht um Ausdruck und Reaktion der Vierbeiner. Der Unterricht beginnt damit, sie aufmerksam zu beobachten. Annäherung, Kontaktaufnahme, die Erlaubnis der ersten Berührung, Fellpflege und Massage. Das ist echte Beziehungsarbeit, bei der Pferd und Mensch viel übereinander erfahren. Später dann das gemeinsame Gehen, die Kommunikation am Boden, Führung. Diese Beziehungsarbeit ist Voraussetzung fürs Reiten.

Die Kinder lernen den Umgang mit den Tieren beim Ponyspaziergang. Oder ganz spielerisch beim farbenfrohen, tierischen Body-Painting, bei dem die Tiere kunterbunt bemalt werden. Bei der „Zempassionata“ zeigen Kinder und Pferd dann, wie akrobatisch und humorvoll sie zusammenarbeiten können.

Für die Erwachsenen gibt es Kremser-Rundfahrten über die Weiden und Felder der Ranch, bei denen sie alles über die ökologische Landwirtschaft erfahren. „Wenn man rumfährt, hält man natürlich auf dem Acker und erzählt, was da draufsteht. So kann ich auch mein Lieblingsthema Fruchtfolge den Menschen vermitteln", freut sich Betriebsleiter Wilhelm Schäkel.

Mit Schafen kuscheln

Auf der Bio Ranch Zempow kann man aber nicht nur die Pferdesprache lernen, sondern auch die der Schafe. Eine kleine Herde gehörnter Gotlandschafe grast rund ums Jahr auf den hofnahen Weiden, eine sehr ursprüngliche Rasse mit dicker, lockiger Wolle. Sie sind sehr gesellig, kommunikativ und verschmust – perfekt zum Kuscheln und Spielen.

Um die tierische Herdensprache zu lernen sind die Gotlandschafe die idealen Lehrkräfte. Bei Schafspaziergängen und Seminaren können Kinder und Erwachsene die Herdenkommunikation erlernen. Es geht darum, sich achtsam und mit Respekt den Tieren anzunähern, Kontakt aufzunehmen, in der Herde anzukommen und die Herde zu bewegen. Nach ausgiebigem Kuschelkontakt mit den Schafen geht es dann mit der ganzen Herde los auf Weidewanderung.

Mit Kühen flüstern

Der Schwerpunkt der Bio Ranch Zempow ist die extensive Rinderhaltung – eine besondere Spezialität das Dry-Aged Bio Angus Beef. Fast das ganze Jahr leben die roten und schwarzen, dunkelbraunen und grauen Kühe draußen und futtern und malmen das saftig-leckere Gras. Ab Frühjahr sind auch die kleinen Kälber zum ersten Mal mit auf der Weide. Sie fangen schon bald an, am Gras zu knabbern und sich selbstständig zu machen. Auf einer Ranch Safari lässt sich ihr munteres, lustiges Spiel beobachten. Durch das Aufwachsen in der Herde lernen sie früh, auch schwierige Situationen gut zu bewältigen.

Bei der Arbeit mit Kühen dreht sich alles um Vertrauen und Achtsamkeit – je weniger Angst entsteht, desto ruhiger und zufriedener bleiben die Tiere. Diese besonders stressfreie Form der artgerechten Rinderhaltung ist das „Low Stress Stockmanship“. Diese Achtsamkeit möchten die Schäkels auch anderen in Kommunikationstrainings näherbringen.

„Tiere sind authentisch und Kuhsprache ist Körpersprache", erklärt Wilhelm Schäkel. Eine Kuh ist neugierig, nicht sehr gesprächig, hat wenig Geduld. Und sie ist halb so schnell wie Menschen. Um mit ihr kommunizieren zu können, muss man sich selbst entschleunigen. Es geht um Körpersprache, Blicke und den richtigen Standort in der Herde. „Ziel ist es, das ranghöchste Herdentier zu werden und nonverbal mit den Kühen zu kommunizieren“, so Schäkel. Dabei ist es wichtig, die Tiere genau zu beobachten und die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Allein mit Intuition und winzigen Bewegungen lässt sich eine 700 Kilogramm schwere Kuh ganz einfach lenken.

Es geht um Herden-Psychologie und davon profitieren schließlich nicht nur die Kühe. „Vieles was wir bei den Tieren lernen können, hilft uns auch in der menschlichen Kommunikation“, verspricht Swantje Schäkel. Das gilt für Familien, Landwirte oder Firmen gleichermaßen. Über die Arbeit mit den Tieren gelingt es so, dass sich die Gäste mit den Themen Teamfähigkeit, Freiheit und Entscheidung auseinandersetzen.

Mit Biohanf mach Müsli und Mehl

Eine weitere Besonderheit der Bio Ranch: Hier wächst die älteste Kulturpflanze der Welt. Auf 37 Hektar im Grenzgebiet von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gedeiht Nutzhanf. Der Anbau ist nicht nur gut für die Bodengesundung, sondern die Pflanze ist obendrein wirklich gesund. Aus Hanfblättern und Hanfblüten entstehen in Handarbeit Tees. Aus den Samen wird Hanföl, Hanfmehl, und Hanfmüsli hergestellt.

Die Hanffelder sind ein echter Hingucker. Viele Gäste und Einheimische trauen ihren Augen nicht beim Anblick der Hanffelder. Hanf in Deutschland – ist das erlaubt? „Die in Deutschland angebauten Sorten haben unter 0,2 % Tetrahydrocannabinol (THC). Wer auf eine berauschende Wirkung hofft, den müssen wir enttäuschen. Da ist so gut wie kein THC drin,“ erläutert Bio Ranch Chef Schäkel.

Bio Ranch Zempow

Swantje und Dr. Wilhelm Schäkel
Birkenallee 12 (OT Zempow)
16909 Wittstock/Dosse

Telefon: 033923 / 7 69 50
www.bio-ranch-zempow.de

Netzwerk der Demonstrationsbetriebe

In Deutschland wirtschaften mehr als 29.000 Betriebe nach ökologischen Richtlinien. Aus dieser Vielfalt hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 242 Biohöfe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Diese Betriebe öffnen allen Interessierten ihre Türen und Tore und zeigen, wie Ökolandbau funktioniert.

Mehr unter: www.demonstrationsbetriebe.de

 

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Gut Wulksfelde

Biohof Bakenhus

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