Mackmyra

Schwedens erste private Whiskybrennerei liegt in den Gebäuden der alten Mühle „Mackmyra Bruk Mill“ in Gästrikland, ungefähr 120 Kilometer nördlich von Stockholm. Als sie eröffnet wurde, war sie die erste reine Whiskybrennerei in Schweden und die nördlichste auf der ganzen Welt. Die erste Brennblase fasste nur 93,5 Liter. In dieser Versuchsanlage entstanden die Whiskys mit ihren heute typischen Aromen. Im Frühjahr 2002 vergrößerte das Unternehmen die Brennanlage und erweiterte sie um ein Besucherzentrum. Im Gegensatz zu vielen anderen Brennereien war die Produktionsmenge immer noch klein. Dies hat man im Jahr 2011 geändert und eine zweite Brennerei in der Nähe errichtet. Diese Brennerei heißt nicht umsonst Gravity, denn sie arbeitet fast ausschließlich mit der Schwerkraft, um die Zutaten zur Herstellung in das nächste Geschoss zu befördert. Nur das Malz, welches am Anfang des Produktionsablaufes steht, wird mittels Pumpen in das zweithöchste Stockwerk in über 30 m Höhe gepumpt. Ganz oben befindet sich die Sky-Lounge, von der man einen fantastischen Ausblick über die Natur der Umgebung hat. In der Gravity Brennerei werden jährlich 1,8 Millionen Flaschen schwedische Single Malt Whiskys abgefüllt.

Schwedische Eiche sorgt für besondere Noten

Die Geschichte Mackmyras begann mit acht Freunden, die sich im Urlaub fragten, warum es bisher eigentlich keinen schwedischen Whisky gab und daraus resultierend 1999 die Firma MACKMYRA SVENSK WHISKY AB gründeten. Die ersten Tropfen konnten im Jahre 2001 gebrannt werden. Seitdem gibt es zwei Basis-Rezepte: eines für einen eleganten, fruchtigen Malt und eines mit einer kräftigen Rauchnote. Für die Qualität der Whiskys und die richtige Komposition der Fässer sorgt bis heute Masterblenderin Angela D'Orazio - eine geschätzte Koryphäe auf ihrem Gebiet.

Als die ersten Flaschen des Preludium:01 im März 2001 im „Systembolaget“ (dem staatlichen Monopolvertrieb in Schweden) verkauft wurden, warteten die Menschen in langen Schlangen vor den Läden. Der Preludium:01 war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und die gesamte PRELUDIUM SERIE 01 bis 06 ein voller Erfolg. Diese Abfüllungen sind heute begehrte Sammlerstücke und nur noch schwer zu bekommen. Angela D'Orazio experimentiert seitdem immer wieder mit verschiedenen Möglichkeiten in der Fassreife und vermählt Fässer aus unterschiedlichen Lagern und Whiskys aus unterschiedlichen Fasstypen zu immer wieder überraschenden neuen Kompositionen. Besonders bewährt hat sich die Lagerung in schwedischer Eiche, die in den kühleren Breitengraden von gleichmäßigem Wuchs ist und so ihr eigenes interessantes Aroma, reifes Obst, vor allem Birne, in viele Mackmyra-Whiskys einbringt.

 

Die Whiskys von Mackmyra werden immer wieder international ausgezeichnet. Der letzte Zuwachs in der breiten Produktpalette ist seit Dezember 2017 der Skördetid (Erntezeit), den ich Ihnen hier vorstelle. Dieser Single Malt Whisky wurde in italienischen Amaroneweinfässern, Masi Costasera, ein Amarone mit z.T. rosinierten Trauben, gefinished. Als Amarone werden hochwertige Rotweine aus Venetien bezeichnet. Der Name Amarone entstammt dem italienischen Wort „amaro”, was „bitter” übersetzt heißt. Dem Whisky werden durch das Finish in diesen Fässern fruchtige und bittere Noten verliehen, ohne dass dabei die Grundaromen des Whiskys zu stark überdeckt werden.

Steckbrief „Mackmyra Skördetid”
Swedish Single Malt Whisky
Alter: 5-9 Jahre
Alkohol: 46,1 % vol.
Finish 6 Monate in Amaroneweinfässern
Preis: um die 50,- Euro / 0,7 l

Verkostung (verkostet wurde in einem handelsüblichen Nosing-Glas / Snifter)
Erste Nase
(vor dem ersten Schluck): Eine schöne Vanillenote mit Aromen von frisch geschnittenem Apfel und Birne. Hinzu gesellt sich eine klare Eichenholznote, die zum Teil auch haselnussig oder mandelig wirkt. Die klaren Amarone-Weinnoten mit roten Trauben und ihrer appetitanregenden Bitterkeit sind präsent, dominieren den Whisky aber nicht. Über allem schwebt dezent eine Frische, wie von Limonenzeste. Nach ein wenig Zeit und Luft kommt Pflaumenmarmelade hinzu. Der Whisky wirkt sauber und dezent malzig.

Geschmack: zuerst erkennen wir wieder eine schöne Frisch wie von Äpfeln und Birnen. Dann kommen Vanille, Pflaumen und das Eichenholz mit seinen angenehmen Bittertönen zum Zug. Das wirkt wunderbar nussig. Im Finale wird der Whisky leicht scharf mit schwarzem Pfeffer und Ingwer. Dazu schwingen rezent eine schöne Gewürzpalette, Heidekraut, Malz und Honignoten mit.

Nachklang: Zuerst Vanillenoten und Pflaumenmarmelade. Der Skördetid hinterlässt ein seidiges Mundgefühl mit einer leichten Trockenheit (wegen der Bittere) mit mandelig-nussigen Noten. Die roten Trauben und die angenehm bittere Holzigkeit bleiben für einen solch jungen Whisky ungewöhnlich lang präsent.

Zweite Nase (nach dem ersten Schluck. Die vordergründigen Aromen sind noch retronasal präsent und man kann nun vorher überdeckte Aromen wahrnehmen): plötzlich gesellen sich florale Aromen mit Lavendel und einer bunten Strauss Blumen hinzu. Sehr spannend! Der Skördetid wirkt nun etwas trockener, als zuvor.
Fazit: ein perfekter Apperitiv und ein weiteres Meisterstück von Angela D'Orazio

 

Ein Plausch mit dem Chef

Ein Plausch mit Magnus Dandanell, CEO Mackmyra AB. Ich treffe Magnus auf Gut Basthorst, wo sich die deutsche Dependence von Mackmyra befindet. In einem rustikalen Steinhaus ist der Showroom. Neben dem Shop, in dem viele Whiskys von Mackmyra feilgeboten werden, finden hier Verkostungen und Events statt.
Wir dürfen uns freundlicherweise im Herrenhaus unterhalten. Für Magnus gab es natürlich auch ein Leben vor Mackmyra. Er kommt aus der Pharmaciebranche und hat dort als Qualitätsmanager gearbeitet. Seiner Meinung nach war diese Zeit eine wunderbare Vorbereitung auf all das, was mit der eigenen Brennerei dann kam. So konnte er in seinem alten Beruf Erfahrungen in vielen Bereichen sammeln, die er bei Mackmyra später verwenden konnte.

Begonnen hat alles 1998 mit einem Skiurlaub in der Nähe von Sala, Schweden, mit dem Freundeskreis aus dem Royal Institute of Technology. Für Mackmyra war der Freundeskreis eine wunderbare Fügung, denn er bestand zwar aus den ehemaligen Studierenden, allerdings haben sie alle etwas unterschiedliches studiert. So konnten viele Gewerke gleich professionell besetzt werden. Möglich wurde die Gründung einer privaten Brennerei in Schweden erst ab 1995. Das war das Jahr in dem das Alkoholmonopol für die Produktion aufgehoben wurde. Mackmyra hat nicht den ersten Whisky Schwedens produziert, aber den ersten aus nicht staatlicher Hand. Es gab vor Mackmyra einen Blended Whisky aus der staatlichen Monolpolbrennerei.
Eine Brennerei in Schweden zu gründen stellte die Freunde vor riesige Probleme, denn so etwas hatte noch niemand vor ihnen gemacht. Es gab bis dahin keine privaten Brennereien. Etwas abenteuerlich mutet an, dass der Schwedische Staat eine Art Bescheinigung haben wollte, dass die Gründer Sachkenntnisse über das Brennen von Spirituosen besaßen. Dies Problem wurde bei einem Vodkabrenner in Stockholm gelöst, der bereit war eine Unterweisung anzubieten und das Fachwissen zu bescheinigen. Als er diese Geschichte erzählt, schmunzelt Magnus etwas und ich habe das Gefühl, dass bei der Unterweisung wohl auch der ein oder andere Wodka die Kehlen herunterrann.

Pionierarbeit

Es war viel Pionierarbeit von Nöten. Brennereien wurden in Schottland besucht und das historische Museum in Stockholm, in der die alte Brennblase des schwedischen Whiskys ausgestellt war. Diese wurde davor bei Bladnoch in Schottland eingesetzt. Diese Brennblase war das Vorbild für die erste Pot Still Mackmyras. Die Freunde kauften Kupferplatten und schweißten diese zu einem recht groben Destillationsapparat zusammen. Ein Teil dieser ersten Brennblase steht im Showroom auf Gut Basthorst, ein weiterer in Gävle an der Gravity Distille von Mackmyra.

Die Schweden haben aber nicht nur von den Schotten abgekupfert (im wahrsten Sinne des Wortes), sondern sind auf ihre eigene nordische Art an die Entwicklung ihrer Whiskys gegangen. Sie haben dabei eine Umfrage unter mehreren tausend zukünftigen Kunden gestartet und viele Verkostungen gemacht, um den Wünschen ihrer Landsleute zu entsprechen. Bei diesen Umfragen ist herausgekommen, dass die Schweden gern einen Whisky mit schwedischem Charakter haben wollten. Dies wurde mit der Verwendung schwedischer Eiche und schwedischen Malzes realisiert. Die schwedische Eiche war ein wirkliches Problem, denn zur Gründungszeit gab es in ganz Schweden nur einen einzigen Küfer, der Fässer herstellen konnte. Zum Glück war dieser nicht ausgebucht und konnte so viele Jahre für Mackmyra Fässer aus schwedischer Eiche produzieren.

Zum Zweiten konnte man die Testkunden in drei Kategorien unterteilen. Die ersten bevorzugten rauchigen Whisky, die zweiten einen, der in Sherryfässern lagert, die dritten einen, der in schwedischer Eiche lag. Daher hat Magnus mit seinen Freunden zwei Basisrezepte entwickelt, rauchig (rök) und elegant. Als Fässer werden schwedische Eiche, ehemalige Bourbonfässer und ehemalige Weinfässer, vornehmlich Sherry, verwendet. Die ersten Bourbonfässer kamen von Jack Daniel's, erinnert sich Magnus.

Als Mackmyra größer wurde, war es Zeit in ein neues Gebäude zu ziehen. Da die historische Wassermühle keine Platzreserven mehr hatte, musste ein ganz neues Gebäude her. Für die neue Gravity Destille war das Chamapgnerweingut Rucheaud Vorbild. Dies hatte Magnus in einem Urlaub besucht und war von dem Konzept angetan, dass alles via Gravitation in den nächsten Produktionsabschnitt verbracht wurde.
Das mehrere Millionen Euro teure Projekt ist bis heute noch nicht ganz vollendet, denn beim Bau der Brennerei wurde gleich ein ganzes Besucherdorf darum herum geplant. Obwohl die Gravity Destille etwas fremdartig mitten im Wald wirkt, hat man die Natur drum herum so ursprünglich, wie möglich belassen. Die Fasslager wurden unterirdisch angelegt, was den Vorteil hat, dass der Wald darüber fast unberührt blieb und dort immer gleiche Temperaturen herrschen, was die Reifezeit in den Fässern planbarer macht.
Auf die Frage, warum es im Gegensatz zu vielen schottischen Brennereien bei Mackmyra inzwischen so viele Abfüllungen gibt, antwortet Magnus: „So unterschiedlich, wie der Geschmack der Menschen sollen auch unsere Abfüllungen sein. Sie sollen überraschen, verzücken und immer wieder Lust machen Neues zu probieren. Wir sehen uns - auch mit unserer neuen Sparte Gin, die wir in unserer alten Brennerei in der Wassermühle produzieren - inzwischen als Craft Distillers.” Das Feedback der Konsumenten gibt ihm recht, denn nicht nur die Whiskys sind vielfältig und oft lecker, sondern der neue Mackmyra Gin ist es auch. Ich durfte ihn im September letzten Jahres schon probieren, bevor er auf den Markt kam. Skål!

Mackmyra Swedish Whisky GmbH

Auf dem Gut 4b
21493 Basthorst

www.mackmyra.com

Der Shop & Showroom auf Gut Basthorst hat an den Sommerwochenenden von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Und an den Basthorster Märkten von 11-19 Uhr

Mackmyra Whisky ist im gut sortierten Fachhandel erhältlich.