Biohof Pente

Ein Gastbeitrag von Oliver Z. Weber

Auf dem Biohof Pente im niedersächsischen Bramsche wachsen Gemüse, Kartoffeln sowie Getreide und es tummeln sich Bunte Bentheimer Schweine. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch das alles gehört nicht nur dem Landwirt, sondern insgesamt mehr als 250 Personen. Der Demeter-Betrieb betreibt nämlich CSA – Community Supported Agriculture oder gemeinschaftsgetragene, solidarische Landwirtschaft. Durch ihre Beteiligung erlangen die Mitglieder eine direkte Teilhabe am Geschehen auf dem Betrieb. Aber nicht nur das. Sie sind Mitgestalter und erfahren unmittelbar, wie ihre Entscheidungen die Kulturlandschaft gestalten können und wie sie damit Artenvielfalt und Bodenentwicklung ermöglichen. Wie funktioniert das alles und was ist das Besondere? Wir haben Geschäftsführer Dr. Tobias Hartkemeyer gefragt.

Landwirtschaft soll Begegnungen ermöglichen

Lebensmittel selbst anzubauen und zu erzeugen liegt im Trend. Offenbar wünschen sich immer mehr Menschen, bei der Lebensmittelerzeugung mitzuwirken oder zumindest mit eigenen Entscheidungen daran beteiligt zu sein. Der Berufswunsch Bauer scheint dabei weniger im Fokus zu sein, als die Lust am Säen und Ernten in Schrebergärten, beim Urban Gardening oder auf den Mietparzellen der stadtnahen Äcker. Mit eigener Verantwortung bei der Erzeugung von Lebensmitteln mitzuarbeiten, ohne dabei unbedingt die eigenen Hände in die Erde stecken zu müssen oder Trecker zu fahren – das ist die Idee der solidarischen Landwirtschaft, wie sie auf dem Demonstrationsbetrieb Hof Pente im niedersächsischen Bramsche existiert.

Zurzeit beteiligen sich gut 250 Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Schichten der Region an dem Konzept. Die Grundidee: Die Mitgliedsbeiträge der Gesellschafterinnen und Gesellschafter werden in die Landwirtschaft investiert. Sie wandern in die Investition von Setzpflanzen oder Saatgut, in Maschinen und natürlich tragen sie die Löhne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jeden Freitag ist „Abholtag“, an dem sich die Mitglieder Eier, saisonales Gemüse, frisches Brot oder Schweinefleisch abholen. „Das Schöne ist, dass dies so viele Begegnungen ermöglicht“, sagt Dr. Tobias Hartkemeyer, der den Hof Pente zusammen mit seiner Frau Julia leitet. Dabei stellt er klar: „Es ist weit mehr, als ein Wochenendeinkauf, sondern viel mehr Gelegenheit für Gespräche, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen.“ Manchmal, so Hartkemeyer weiter, würde sogar ein kleines Fest daraus entstehen. Doch ganz egal, was am Ende entsteht: „Die Teilhaber und Abholer sind an derselben Idee beteiligt, und das verbindet.“ Und nicht zuletzt kann der Hof so langfristig etwa 300 Menschen bzw. 80 bis 150 Familien ernähren.

Anderes Denken ist die Grundlage

Hinter einer gemeinschaftlich getragenen und solidarisch organisierten Landwirtschaft steckt laut Hartkemeyer aber noch weit mehr, nämlich ein grundsätzlich anderes Denken, als es im üblichen Wechselspiel von Angebot und Nachfrage liegt. Die Kennzahlen rund um Gewinn und Verlust, Einsatz und Ertrag sind zwar trotzdem relevant und der CSA Hof Pente arbeitet ebenfalls nach marktwirtschaftlichen Regeln. Schließlich setzt er Geld ein und beteiligt seine Mitglieder per Ausschüttung an den Gewinnen – den Erträgen der Felder, Äcker und Tierhaltung. „Die Darstellbarkeit ist eine andere und nicht so abstrakt“, sagt Hartkemeyer. „Denn jeder, der bei uns mitmacht, weiß genau, woran er teilhat. Er oder sie kann es anfassen, erleben, abholen und essen.“ Und das sei eben etwas grundsätzlich anderes, als sich etwa per Aktien an einem Konzern zu beteiligen, auf dessen Entscheidungen und Entwicklung man am Ende keinerlei Einfluss habe.

Keiner der Mitglieder muss selbst auf den Acker oder ins Gemüsebeet. Diese Arbeit übernehmen diejenigen, sie sich damit auskennen. Verboten ist Anpacken allerdings nicht. Bei so vielen Mitmachern kommen zudem reichlich andere Talente und Fähigkeiten zusammen. Zum Beispiel die eines Steuerberaters, einer Anwältin, einer Grafikerin oder eines Schlossers. Viele von ihnen bringen sich gerne ein, schlagen Ideen vor oder setzen Projekte um.

Monatlich gibt es ein Mitgliedertreffen im Hofcafé, bei dem solche Themen und Ideen besprochen und organisiert werden können. „Natürlich kommen niemals alle zusammen. Doch für die Transparenz und das Gemeinsamkeitsgefühl ist entscheidend, dass die Möglichkeit besteht und von vielen genutzt wird. So bleiben wir alle immer auf dem neusten Stand über die betriebliche Lage und die Situation auf dem Hof“, erläutert Hartkemeyer. So erfahren die Teilhaber etwa, wie und warum die Ernte gut oder schwach war und was welchen Einsatz kostet. Weitere positive Aspekte sind Unabhängigkeit von Marktlaunen, eine gewisse Planungssicherheit und die Vermeidung von Überproduktion.

Alles Lebendige ist ein Prozess

Tobias Hartkemeyer berichtet, angefangen habe alles mit der Überlegung, welchen Weg der Betrieb überhaupt nehmen sollte, als er ihn vor zehn Jahren von seinem Vater übernahm. Die biodynamische Landwirtschaft nach Demeter schien ihm die ideale Landwirtschaftsform zu sein: Der Hof als lebendiger Organismus, in dem Prozesse ablaufen, die es zu begreifen und zu begleiten gilt. Nicht alle Mitglieder der CSA hatten von Beginn an eine ausgeprägte Bio-Affinität. „Der Weg dorthin kam zwangsläufig“, erinnert sich der studierte Landwirt und Pädagoge und legt den fast logischen Schluss nahe: „Wer eigenes Geld in die Erzeugung der eigenen Lebensmittel investiert und einen direkten Einfluss auf die Wirtschaftsweise hat, entscheidet sich eher für Nachhaltigkeit, gegen Pestizide und Gentechnik und wünscht eine artgemäße Tierhaltung.“ So wird Unmittelbarkeit zur Entscheidungshilfe.

Die CSA, das solidarische Wirtschaften, ist aber nur ein Aspekt des gesamten Hofsystems. Den Hartkemeyers geht es um mehr, als um einen wirtschaftlich gesunden und funktionierenden Biohof mit möglichst vielen neuen Biokunden. Sie wollen „nicht nur Bioprodukte verkaufen, sondern eine eigendynamische, vielfältige Landwirtschaft ermöglichen!“ Der CSA Hof ist also auch ein Bildungsprojekt. Beispielsweise verfolgt er das Ziel, der Entfremdung von der Lebensmittelproduktion entgegenzuwirken und „durch Erlebnisse Erkenntnis“ zu schaffen. Seine eigenen Erkenntnisse daraus hält Tobias Hartkemeyer als Autor in einer Reihe von Büchern fest. Außerdem gibt es eine eigene Kita, in der täglich zwölf Kinder betreut werden. So wird schon für die Jüngsten Raum für nachhaltige Begegnungen mit Landwirtschaft geschaffen.

Hof Pente

Osnabrücker Straße 73
49565 Bramsche

Tel.: +49 (0) 5407 85 85 23

www.hofpente.de

Netzwerk der Demonstrationsbetriebe

In Deutschland wirtschaften mehr als 29.000 Betriebe nach ökologischen Richtlinien. Aus dieser Vielfalt hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 242 Biohöfe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Diese Betriebe öffnen allen Interessierten ihre Türen und Tore und zeigen, wie Ökolandbau funktioniert.

Mehr unter: www.demonstrationsbetriebe.de

 

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