Biolandhof Christiansen

Heinz-Peter Christiansen und Barbara Maria Rudolf von Christiansens Biolandhof in Esperstoftfeld bei Schleswig haben es sich zur Aufgabe gemacht, neue Gemüsesorten für den professionellen Anbau zu entwickeln, damit Qualität, Geschmack und Artenvielfalt erhalten bleiben. Eine Herausforderung, die viel Fachwissen, Zeit und Geduld erfordert. Auf mehr als 115 Hektar Land werden über 20 Gemüsekulturen wie zum Beispiel Kartoffeln, Möhren, Kohlgemüse, Rote Beete und Leiguminosen angebaut. Mit dem selbst angebauten Getreide werden die Tiere der Bioland- und Demeter Höfe in der Nachbarschaft gefüttert. Im Gegenzug erhalten die Beiden dafür Mist, der als natürlicher Dünger für die Felder dient. Gewirtschaftet wird nach den Anbaurichtlinien von Bioland. Im Jahre 2006 wurde auf dem Hof Christiansen damit begonnen, das eigene Saatgut zu vermehren. Denn nur aus hochwertigen Saatgut, so die Überzeugung hier, kann auch hochwertiges Biogemüse wachsen. In diesem Sommer feiert der Biolandhof seinen 35. Geburtstag.

Im Einklang mit der Natur

Heinz-Peter Christiansen wirkt wie ein Bär, ein sanfter Bär. Groß, kräftig, mit Schnauzbart. Sonore feste Stimme. Die Frisur ist etwas aus der Zeit gefallen, hinten lang, gelockt, grau-meliert, vorne hingegen nur noch spärlicher Haarwuchs. Es geht viel Ruhe und Entspanntheit von dem 66-jährigen aus, aber die Augen leuchten, wenn er von seinen Projekten erzählt. Man spürt seine Energie. Viel Energie.

Man muss sich Heinz-Peter Christiansen als Mischung aus Biobauer, Entwicklungshelfer und Pädagoge vorstellen. Er war im Norden Biobauer der ersten Stunde. 1983 gründete er den alternativen Anbauverband Bioland mit. Damals waren sie um die 20 Höfe, die die Landwirtschaft neu dachten. Heute ist Bioland mit seinen über 300 Mitgliedsbetrieben allein in Schleswig-Holsteinder größte Bioverband im Norden. Der Diplom-Agrarwirt, der als Entwicklungshelfer in Brasilien gearbeitet hat, erbte zu der Zeit den Hof seiner Großeltern. Für den gelernten Landwirt stand von Anfang an fest, dass er nachhaltige ökologische Landwirtschaft betreiben wolle. Eine Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur steht und sie nicht zerstört.

Sein Biohof liegt in dem kleinen Örtchen Esperstoftfeld bei Schleswig. Hier baut er mit seiner Partnerin Barbara Maria Rudolf auf gut 115 Hektar Land unter anderem Möhren, Kartoffeln, Kohlgemüse, Kräuter und Getreide an. Zehn Angestellte arbeiten ganzjährig auf dem großen Hof, in der Hauptsaison kommen noch zehn Saisonkräfte dazu. Auch wird hier selbstverständlich ausgebildet. Ein Gärtnermeister kümmert sich um die angehenden Gemüsegärtner und Werker im Gartenbau. In den Anfangsjahren von den Nachbarn noch belächelt, ist Christiansen heute stolz darauf, einer der größten Arbeitgeber der Region zu sein. Leben doch immerhin zehn Familien von den Erträgen des Biohofes. Christiansen erzählt schmunzelnd, wie sich die Nachbarn nach und nach an ihn gewöhnten. Als er sich den ersten großen Trecker kaufte, stieg gleich sein Ansehen in der Nachbarschaft. Für den engagierten Landwirt ist das freundschaftliche und produktive Miteinander in der Nachbarschaft und mit den Mitarbeitern ein wichtiges Anliegen und für den Erfolg des Betriebes genauso wichtig, wie die sorgfältige Bestellung der Felder. Und dass er erfolgreich arbeitet, zeigt das 35-jährige Bestehen seines Hofes ebenso, wie die Tatsache, dass der Biolandhof Christiansen Mitglied im „Netzwerk Demonstrationsbetriebe ökologischer Landbau“ ist.

Windmühlen

Wenn man Gemüse und Feldfrüchte im großen Stil anbaut, braucht man Kühlhäuser. Verlangt der Verbraucher seine Möhre doch nicht nur im Sommer sondern auch im Herbst und Winter. Und Kühlhäuser brauchen Strom, viel Strom. Damit die Energiebilanz trotzdem positiv bleibt, gehören zum Hof zwei Windmühlen vom Typ TW600 mit jeweils 600 Kilowatt Leistung. Eine typische Christiansen-Idee ist auch der Tauschhandel mit der Nachbarschaft. Er liefert Getreide an Bioland- und Demeter-Höfe der Region, die damit ihre Tiere füttern und erhält dafür den Mist, den er als natürlichen Dünger auf seine Felder aufbringt. Für den Biobauern gibt es zur nachhaltigen Landwirtschaft keine Alternative: „Die Erde hat ihre eigenen, natürlichen Gesetzte, die wir als Menschen zu achten haben“, ist seine feste Überzeugung.

Moorrüben

Bei Möhren hat Christiansen ein ganz besonders Händchen. Seine „Moorrübe“ ist mittlerweile im ganzen Land bekannt. Sie wächst auf Moorboden und hat einen kräftigen und gleichzeitig süßen Möhrengeschmack. Eine Mohrrübe die noch nach Mohrrübe schmeckt! Für Aufsehen sorgt auch sein „Lila Luder“. Außen lila, innen orange. Eine Kreuzung aus moderner orangener Möhre und der violetten Ur-Möhre. Auch bei ihr überzeugt die angenehme Süße. Der hohe Gehalt an Provitamin A und an wertvollen Anthocyane, was den Körper vor freien Radikalen schützen soll, macht die Biomöhre auch noch besonders gesund.

Nachwuchs

Vorneun Jahren schob der Biobauer ein neues Projekt an. Das Projekt „Saat:gut“. Die Vermehrung von hofeigenem Saatgut. Selbstredend ökologisch und gentechnikfrei. Damit will sich der Biobauer unabhängig von den Saatgut-Herstellern machen, die immer mehr multinationalen Konzernen gleichen. Ein erster Erfolg war die samenfeste Möhre Milan. Rote Beete, Pastinake, Blumenkohl, Brokkoli und weitere Mohrrüben folgten. Die Züchtung ist schwierig und zeitaufwendig. Bis zu dreizehn Jahre kann es dauern, bis eine neue Züchtung Marktreif ist.

Seit er selbst seine Samen zieht, die Pflanzen austreiben lässt, hat er ein anderes Verhältnis zu den Pflanzen entwickelt, erzählt Christiansen. Nun beobachtet er die Pflanzen in jeder Stufe ihrer Entwicklung, staunt und versucht zu verstehen, was in der Pflanze vorgeht. Ja, sein Saatgut-Projekt habe durchaus etwas Meditatives, gibt Christiansen unumwunden zu. „Wir sind leider in der modernen Zivilisation viel zu weit weg von allem, was die Natur und unsere Lebensgrundlagen ausmachen“, stellt er nüchtern fest. Heinz-Peter Christiansen lebt vor, wie es auch mit der Natur geht.

Über die Großhandelsfirma Grell aus Kaltenkirchen kommt das Gemüse vom Biohof dann in die Naturkost- und Bioläden in Schleswig-Holstein, Hamburg und bis nach Nordrhein-Westfalen.

Ausgezeichnet

Am 5. April 2018 überreichte die Gerd Godt-Grell Stiftung Heinz-Peter Christiansen, für sein Engagement der ökologischen Pflanzenzüchtung von samenfesten Sorten, einen Scheck über 50.000 Euro. Seit neun Jahren züchtet Christiansen im Verein Saatgut an neuen Sorten wie Möhren, Brokkoli, Blumenkohl, rote Beete und Pastinaken. Grell Naturkost und die Gerd Godt-Grell Stiftung unterstützen die ökologische Züchtung seit vielen Jahren.

Saat:gutinitiative

Landwirte, Pflanzenzüchter, Bioland, Saatgut-Händler, Großhändler, Einzelhändler und Privatpersonen haben sich mit dem gemeinsamen Interesse, die ökologische Pflanzenzüchtung zu fördern und der Öffentlichkeit den freien Zugang zu Kulturpflanzen zu erhalten, zusammengefunden.

Und sie beschäftigen sich nicht erst seit der Gründung des Vereins am 1. August 2010 damit.

Wenn Landwirte heutzutage Saatgut benötigen, haben sie nicht mehr wirklich die Wahl, welche Saaten sie bei wem erwerben möchten. Wenige große Konzerne haben das Monopol auf unser Saatgut. Ein Monopol auf etwas, das ursprünglich und bis vor ca. 15Jahren, zu den gemeinschaftlichen Gütern der Menschheit zählte.

Wenn wir bedenken, dass die Menschheit inzwischen 75 Prozent der gesamten Saatgutvarianten verloren hat und sich von den verbliebenen 25 Prozent des Saatguts 80 Prozent in der Hand von den fünf großen, multinationalen Chemie- Konzernen Bayer/Monsanto, Dupont/DOW, CHEM, China/Syngenta und BASF befinden, kann von Vielfalt und fairem Wettbewerb keine Rede mehr sein. Diese Konzerne bestimmen weltweit, welches Saatgut in welchem Land an wen und in welcher Menge abgegeben wird.

http://www.saat-gut.org/wer_wir_sind.cfm

Christiansen’s Bioland-Hof

Kamper Weg 6, 24887 Esperstoftfeld

www.christiansens-biolandhof.de

Video: Infofilm 35 Jahre Biolandhof Christiansen