Ein Gastbeitrag von Sarah Reinhart

Ein Tausendsassa von Tierwohl, Trinkwasserschutz und Veganer Wurst

Wer sich dem Biohof Bakenhus in der niedersächsischen Gemeinde Großenkneten bei Oldenburg nähert, sieht bereits aus der Ferne, was extensive Mutterkuhhaltung bedeutet. Eine großzügige Weidelandschaft mit grasenden Kühen und Kälbern säumt den Weg zum Hof. Dieses Bild ist auch auf der Verpackung der – mitunter experimentell – verarbeiteten Produkte zu sehen. Denn der Biohof Bakenhus will zeigen, wo Lebensmittel herkommen, wie sie produziert und verarbeitet werden und was artgerechte Tierhaltung heißt. Außerdem engagiert sich der Betrieb aktiv in Sachen Trinkwasserschutz, denn der gehört zur Kreislaufwirtschaft eines Biobetriebs einfach dazu, sagt Betriebsleiter Gustav Wolters.

Platz und Zeit zum Leben

Seinen Mutterkühen, Rindern und Schweinen bietet der Landwirt und Pächter des Biohof Bakenhus – Gustav Wolters – viel Platz und Zeit zum Leben. „Zur artgerechten Tierhaltung gehört für mich, dass die Tiere sich jederzeit frei entscheiden können, ob sie sich drinnen oder an der frischen Luft aufhalten möchten.“ Er versteht die Extraportion Platz für seine Tiere, die über die in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau vorgeschriebenen Mindestflächen hinaus geht, als eine Selbstverständlichkeit. Neben ausreichend Platz trägt auch die Zeit, die den Tieren für ihre Entwicklung – von der Geburt bis zur Schlachtung – gegeben wird, entscheidend zum Tierwohl und schließlich auch dem Geschmack des Fleisches bei.

„Für uns hat höchste Priorität, dass die Tiere artgerecht aufwachsen und ihre natürlichen Bedürfnisse stillen können. Und zwar vom Anfang bis zum Schluss“, schildert Wolters. Nach diesem Grundsatz arbeiten alle Bereiche des sowohl Bioland als auch Naturland zugehörigen Betriebs – vom Landwirt bis zum Fleischer. Der Hof praktiziert die sogenannte muttergebundene Kälberaufzucht: Die Kälber bleiben nach der Geburt bei ihrer Mutter und werden die ersten sechs bis neun Monate von ihr gesäugt. Außerdem leben alle Masttiere und Kühe samt Kälbern vom Frühjahr bis zum Winteranfang auf den großen Weiden des Hofs. Durch die viele Bewegung, die frische Luft und das saftige, aber kalorienarme Gras bauen die Rinder langsamer Gewicht auf. Erst in einem Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren haben sie ihr Schlachtgewicht erreicht. Damit Leben die Rinder anderthalb bis zwei Jahre länger als Mastbullen in konventioneller Haltung. Diese Art der Aufzucht macht sich besonders in der Fleischqualität bemerkbar: Das reifere, saftigere Fleisch ist stärker marmoriert, enthält weniger festes Bindegewebe, feinere Muskelfasern und ist deshalb zarter und aromatischer, was die Kundinnen und Kunden des Biohof Bakenhus sehr schätzen.

Fleischer mit Fantasie

Das Fleisch der Tiere und das anderer regionaler Biohöfe wird in der Biofleisch Bakenhus GmbH verarbeitet und über sie direkt vermarktet. Dies geschieht über einen Online-Versand und durch die Belieferung des Großhandels. Einen Vor-Ort-Verkauf gibt es natürlich auch. „Der Hofladen ist das Gesicht des Hofes“, sagt Rainer Breuer, gelernter Fleischer und Geschäftsführer. „Hier kommen wir mit den Kunden ins Gespräch.“ Der Dialog ist Breuer wichtig, er tauscht sich gern mit den Kundinnen und Kunden an der Ladentheke aus. So inspirierte ein Gespräch den gelernten Fleischer einst, Wurst ganz ohne tierische Produkte herzustellen. Ein Kunde hatte ihn mit den Worten „Mach‘ mir doch mal eine vegetarische Pinkel!“ herausgefordert. „Ob mit oder ohne Fleisch – die Würzung ist entscheidend und als Fleischer ist das mein Handwerk“, dachte sich Breuer und begann zu experimentieren. Er tüftelte solange an der Zutatenmischung, bis es ihm und seinen Mitarbeitern schmeckte. Zwei Monate später erreichte Breuers erste fleischlose Wurst Marktreife. Die kam so gut an, dass heute weitere fleischlose Produkte wie die „Feuerpfanne“, der „Bauernschmaus“ und vegane Aufstriche in der Auslage liegen.


Als Biobotschafter nach Berlin

Selbstverständlich vertrauen Breuer und sein Team nicht nur auf die Kraft der Direktvermarktung, um ihre Produkte unters Volk zu bringen, sie promoten ihre Botschaft und testen die Produkte auch „im Feld“. Im Januar 2019 packte Rainer Breuer zum wiederholten Male seine Verkaufsschlager und Neukreationen ein und machte sich auf den Weg nach Berlin zur Internationalen Grünen Woche. Dort präsentierte er an den Infotheken der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau des BÖLN-Stands in der Biohalle seine Produkte und stellte sich dem kritischen (Berliner) Publikum. Das Highlight: Gemeinsam mit Dr. Hanns-Christoph Eiden, dem Präsidenten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und Spitzenkoch Bern Trum kochte Rainer Breuer auf der Showbühne

Den Kontakt zu seinen Kundinnen und Kunden nutzt Breuer zudem, um ihnen zu zeigen, wo die Produkte herkommen: „Uns ist es wichtig, den Wert von Lebensmitteln zu vermitteln. Unsere Kunden sollen verstehen, dass für jedes Schnitzel, das sie essen, ein Tier sterben musste." Deswegen empfiehlt er jeder Verbraucherin und jedem Verbraucher, sich anzuschauen, wie die Produkte auf ihren Tellern hergestellt wurden. Eine gute Gelegenheit bietet das mittlerweile traditionelle Mitmachevent im September „PommesMcSelf“. Jedes Jahr lädt der Hof Besucherinnen und Besucher ein, ihre eigene Portion Pommes zuzubereiten – vom Feld bis auf den Teller. Ernten, waschen, schälen, stiften und frittieren: Groß und Klein absolvieren alle Arbeitsschritte und können dann schmecken, was selbstgemachte Biopommes ausmachen.

Aktiver Trinkwasserschutz

Ohne Wasser gedeihen weder die Kartoffeln noch die Tiere. Doch es gibt weitere Gründe, aus denen sich das Thema Trinkwasserschutz vermehrt auf dem Hof wiederfindet: Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat den Hof in den neunziger Jahren gekauft, um sicher zu gehen, dass die Ackerflächen im Einzugsgebiet der örtlichen Trinkwasserbrunnen ökologisch bewirtschaftet werden. Durch chemische Düngung und übermäßigen Gülleeintrag bestünde die Gefahr, dass giftige Stoffe durch die Böden ins Grundwasser sickern und dieses aufwendig gefiltert werden müsste.

Der Biohof verzichtet selbstverständlich darauf und leistet damit einen wichtigen Beitrag für langfristig unbelastetes Trinkwasser. Rainer Breuer betont daher gerne, dass Biolandwirtschaft und Trinkwasserschutz zusammenhängen. Deswegen steht auf jedem Produkt ein Hinweis dazu. Außerdem werden diese komplexen Zusammenhänge auf zahlreichen Informationsstationen des bewaldeten Hofgeländes erklärt. Ein großer tropfenförmiger Bogen lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, einen Lehrpfad über Trinkwasserschutz zu erkunden. Dieser klärt Besucherinnen und Besucher spielerisch über die Zusammenhänge auf. Ein Besuch lohnt.

Biohof Bakenhus / OOWV

Gustav Wolters / Gabriele Wollstein
Bakenhuser Esch 8
26197 Großenkneten

Telefon: 0173 / 97 85 451

www.bakenhus.de
 

Netzwerk der Demonstrationsbetriebe

In Deutschland wirtschaften mehr als 29.000 Betriebe nach ökologischen Richtlinien. Aus dieser Vielfalt hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 242 Biohöfe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Bunde Wischen ist einer davon. Diese Betriebe öffnen allen Interessierten ihre Türen und Tore und zeigen, wie Ökolandbau funktioniert.

Mehr unter: www.demonstrationsbetriebe.de
 

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