Ein Gastbeitrag von Frank Griesel

Gut Wulfsdorf – ein vielseitige Erlebnishof

Biobauernhof mit U-Bahnanschluß. Gut Wulfsdorf bei Ahrensburg liegt direkt an der Stadtgrenze zur Millionenmetropole Hamburg. Die idyllische Natur, aber auch das offene Hofkonzept, machen jeden Besuch zum Erlebnis.

Das Landleben ist nur einen Steinwurf von der Großstadt entfernt. An der Hamburger U-Bahnhaltestelle Buchenkamp muss man aussteigen, links abbiegen, dann die zweite rechts durch den Wald und schon ist man da – auf Gut Wulfsdorf. 360 Hektar Land: alte, knorrige Eichen, saftiggrüne Wiesen, Felder, Gemüseäcker, lange Knicks – Idylle pur. Dieser Hof ist mehr als ein Bauernhof, er ist eine Wohlfühloase für gehetzte Städter mit Tieren zum Anfassen und einem Hofladencafé zum Entspannen. Aufgrund der vorbildlichen Betriebsführung, der Umweltbildungskonzepte und des ganzheitlichen Ansatzes wurde Gut Wulfsdorf vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als einer von bundesweit 242 Demonstrationsbetrieben ausgewählt. Diese Betriebe sollen allen Interessierten ihre Türen und Tore öffnen und zeigen, wie moderner Ökolandbau funktioniert.

1989 ist das Gut ein Staatsbetrieb der Freien und Hansestadt Hamburg mit nur wenigen Betriebszweigen. Die möchte es verpachten und sucht einen Betreiber, der nach ökologischen Grundsätzen Landwirtschaft betreiben will. Georg Lutz und seine Frau Elisabeth besitzen zwar wenig Eigenkapital, aber sie haben eine Vision und erkennen das Potenzial, das in diesem Hof steckt. Sie nehmen die Herausforderung an und leiten das Gut seither als Demeter-Betrieb.

Die Pächter gehen mit viel Elan ans Werk: Ställe werden umgebaut, ein Hofladen eröffnet, Wohnungen ausgebaut, eine Gemeinschaftsküche eingerichtet, Gewächshäuser errichtet, das Hofgelände neu gestaltet. Bald kommen ein Hofladencafé, eine Bäckerei und eine Metzgerei hinzu. Von Anfang an ist es das Ziel, das Gut mit seiner besonderen Lage am Hamburger Stadtrand zu einem vielseitigen Betrieb zu entwickeln, der seine Produkte möglichst direkt vermarktet. Außerdem soll der Hof ein Ort der Begegnung zwischen Stadt und Land sein.

Umweltbildung

Georg Lutz und sein 80-köpfiges Team leben das Prinzip des offenen Hofes. Solange der Hofladen geöffnet ist, sind alle Kunden eingeladen, über den Hof zu streifen und sich beispielsweise auf den Informationstafeln über die Tiere, ihre Lebensweise und das hofeigene Biofutter zu informieren. Gerade am Rande einer Großstadt und wegen der guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr klärt der Hof oft auf, wie Lebensmittel entstehen. Warum leben die Kälber in extra Hütten? Was fressen die Schweine den ganzen Tag? Und warum liegen die nur rum? Für Besuchergruppen – insbesondere Schulklassen und Kindergartengruppen – werden Führungen angeboten. Momentan finden ca. 150 Hofführungen pro Jahr statt. Seit Anfang 2019 bietet das „Grüne Klassenzimmer“ als außerschulischer Lernort im umgebauten Wasserturm komplexere Umweltbildungsveranstaltungen an, bei denen die Teilnehmer selber aktiv werden und beispielsweise selbst geerntetes Gemüse verarbeiten. Auch bei diversen Veranstaltungen im Jahresverlauf kann man den Hof und die biodynamische Landwirtschaft erleben.
 

Spezialität Holzofenbrot

Die Holzofenbäckerei von Reinhold Hollerbach ist eines der Aushängeschilder des Gutes. 20 verschiedene Brotsorten werden hier gebacken, wie zum Beispiel Brot mit Lichtkornroggen – eine speziell für den ökologischen Landbau entwickelte Roggensorte. An sechs Tagen in der Woche heizen die Bäcker den großen zweigeschossigen Ofen an. Er ist ein echtes Unikat, den ein Ofenbaumeister aus 50 Tonnen Schamottestein und Ziegeln gemauert hat. Die Backflächen aus Eifel-Tuffstein backen das Brot besondes schonend und nährstofferhaltend. Außerdem bekommt das Brot durch den Holzofen eine knackige Kruste und eine besondere Geschmacksnote. Daneben bietet die Bäckerei auch Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene an – zum Beispiel als Teambuilding-Maßnahme für Unternehmen.

Samenfeste Gemüsesorten

An den Hof angeschlossen ist ein Projekt für die biologisch-dynamische Züchtung von neuen Gemüsesorten, die für den ökologischen Landbau geeignet sind. Für diese Züchtung ist die Agraringenieurin Christina Henatsch verantwortlich. Mehrere neue Sorten hat sie bereits beim Bundessortenamt angemeldet: die Möhren Fine und Solvita, den Kopfsalat Lucinde, den Mangold Rainbow, den Poree Philomene, den Gourmet-Brokkoli Rasmus sowie die Bohne Birgit. Weitere Sorten, u.a. Tomaten, sind noch in der Entwicklung. Für die Züchtung wählt sie Pflanzen aus, die einen harmonischen und arttypischenWuchs aufweisen. Ein wichtiges Kriterium bei der Selektion ist natürlich auch der Geschmack. Sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter probieren jede der zu testenden Sorten. Da es sich meist um zweijährige Pflanzen handelt, kann es viele Jahre dauern, bis ein schmackhaftes Ergebnis vorliegt – wie zum Beispiel beim Mangold. „Damals waren nur drei von 40 Pflanzen wirklich genießbar“, erzählt Christina Henatsch. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Die Sorte Rainbow besitzt nicht nur Blätter und Stiele, die bunt wie ein Regenbogen sind, sie schmeckt auch superlecker. Darüber hinaus verfolgt sie auch Forschungsansätze, bei denen sie Saatgut mit Tönen oder eurhythmischen Gesten behandelt.


Selber gärtnern

Passend zum offenen Hofkonzept bietet das Gut Wulfsdorf auch Parzellen zum selber Gärtnern an. Auf 50 oder 100 Quadratmetern können Interessierte vom Single bis hin zur Familie ein „eigenes“ Stück Land bewirtschaften und Gemüse anbauen. Der „Wulfsdorfer Gemüsegarten“ steht allen offen, die selbst jäten, hacken, bewässern und ernten wollen. Einen Teil der Parzelle säen und bepflanzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hofes mit Freilandgemüse, und Kräutern. Zudem gibt es Platz für eigene Wünsche. Die Pflege obliegt jedem selbst. „Selbstverständlich unterstützen wir alle Hobbygärtnerinnen und -gärtner bei Fragen rund um Anbau und Ernte“, erzählt Kerstin Meyer, die das Projekt auf dem Hof betreut.

Öko-Cluster Wulfsdorf

Parallell zum landwirtschaftlichen Betrieb, entwickeln sich rund um das Gut weitere Projekte. So entstanden seit 2005 die beiden öko-sozialen Dorfprojekte „Allmende-Wulfsdorf“ und „Wilde Rosen“. Dahinter verbergen sich 170 Öko-Wohnungen gekoppelt mit Gewerbeeinheiten, Künstlerwerkstätten, Sporthalle, integrativem Kindergarten, Inklusions-Café und Gesundheitszentrum. Auch dieses Beispiel zeigt: Die Vision von Georg Lutz und seiner Frau Elisabeth hat sich erfüllt. Der Hof hat sich zur einer Begegnungsstätte zwischen Stadt und Land entwickelt, bei dem jeder Besuch zu einem Erlebnis wird.

Gut Wulfsdorf

Bornkampsweg 39
22926 Ahrensburg
Tel. 04102 / 51109

www.gutwulfsdorf.de
 

Netzwerk der Demonstrationsbetriebe

In Deutschland wirtschaften mehr als 29.000 Betriebe nach ökologischen Richtlinien. Aus dieser Vielfalt hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 242 Biohöfe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Bunde Wischen ist einer davon. Diese Betriebe öffnen allen Interessierten ihre Türen und Tore und zeigen, wie Ökolandbau funktioniert.

Mehr unter: www.demonstrationsbetriebe.de