Charme und Chancen der Direktvermarktung

Hof klingt gut: authentisch, ursprünglich, gesund. Hof ist das Gegenteil von Fabrik. Hof klingt wie romantisches Landleben. Daher boomen in Zeiten von Globalisierung und Discounter Hofläden und andere Formen der Direktvermarktung. Etwa 500 Bauernhöfe im Norden sind Direktvermarkter, setzen ihre Produkte (zumindest teilweise) ohne Zwischenhändler ab, auf Wochenmärkten, über den Hofladen, über Abokisten und Milchtankstellen. Bauern und Konsumenten rücken wieder näher zusammen. Eine erfreuliche Entwicklung.

In einer Studie der Uni Göttingen hieß es schon vor einigen Jahren, es gebe ein „Bedürfnis nach mehr Nähe zum Ursprung der Lebensmittelerzeugung“. Landwirte als Person würden als „als sympathisch, vertrauenswürdig, aber auch etwas altmodisch aufgefasst“. Schon „die physische Präsenz des Landwirts“ wirke „als Qualitätsversprechen“. Der Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Uni Göttingen, Thomas Ellrott, sagt, Ernährung sei auch Distinktionsmerkmal. „Immer häufiger geht es um Selbstinszenierung und Zugehörigkeit. So kann ich mich selbst definieren, mich in einer bestimmten Haltung sehen und zeigen. Ich kann mich zugehörig fühlen, zugleich von anderen absetzen und damit Individualität generieren.“ Aber es geht auch um Ethik, es geht um Vertrauen und es geht von Seiten der Bauern auch darum, von seiner Landwirtschaft anständig leben zu können.

Milch vor die Haustür

„Frische Milch ist für uns kein Schlagwort, sondern der Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit", sagen Bert und Kerstin Riecken aus Grossbarkau im Kreis Plön. „Frischer ginge es nur noch direkt aus dem Kühlbehälter“, denn Rieckens Landmilch steht heute gemolken am nächsten Tag vor der Tür. Der Lieferservice bis vor die Tür ist das Besondere an der Idee, die Milch vom Hof direkt zu verkaufen. Außerdem haben die Rieckens frischen Joghurt in verschiedenen Geschmacksrichtungen im Angebot. Molke, Frischkäse und Wurstwaren runden das Lieferprogramm vor der Haustür ab. „Ich liebe die Ursprünglichkeit der Produkte", schwärmt Kerstin Riecken. Handgeschöpfter Frischkäse und frische Milch zum Frühstück, dann könne der Tag beginnen. So empfinden es wohl auch ihre 1.300 Kunden im Großraum Kiel. Würden Sie ihre Milch in einer Molkerei abgeben, bekämen sie gerade einmal 35 Cent für den Liter, nun sind es 1,33 Euro. Ein gerechtes Endgeld für harte Arbeit und beste Milchqualität. Ab November sogar mit Bio-Label.

Um an die richtigen Kunden zu kommen, die Qualität (und den Wert) zu schätzen wissen, werden die heimischen Landwirte immer fantasievoller:

Wochenmärkte, Hofläden, Abokisten, Lieferungen ins Haus, Milchtankstellen, Onlinehandel, Patenschaften für Tier und Acker, Fleischpakete und neu sind die „Marktschwärmer“ - unkompliziertes Bestellen beim regionalen Erzeuger und das Abholen zu festen Terminen.

Marktschwärmerei

In Flensburg und Kiel ermöglicht die Initiative Marktschwärmer den direkten Kontakt zwischen Erzeugern und Kunden. Das Projekt Marktschwärmer – dessen Idee aus Frankreich stammt und sich innerhalb weniger Jahre zu einem europäischen Netzwerk entwickelt hat – bringt einmal die Woche (in Flensburg alle 14 Tage) regionale Erzeuger und Verbraucher zusammen. Eine Idee, die dem Zeitgeist entspricht: Denn immer mehr Menschen wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und was in ihnen steckt. Die Schwärmerei Flensburg wurde von Sandra Beck gegründet, Nele Markwardt hat die Schwärmerei Kiel ins Leben gerufen. Das Prinzip ist einfach: Über das Internet-Portal der Marktschwärmer werden Fleisch, Milchprodukte, Gemüse, Obst und Feinkostartikel aus der Region angeboten. Der Kunde kann bequem von Zuhause auswählen und die Waren bestellen. Und all das, was sie oder er zuvor im Internet bestellt und per Überweisung oder Kreditkarte bezahlt haben, liegt im Brasseriehof in Flensburg oder im Café mmhio in Kiel bereit. Und an jedem Marktschwärmer-Wochenmarkt sind einige bäuerliche Erzeuger mit dabei. Dadurch können sich Verbraucher und Erzeuger gegenseitig kennenlernen und ins Gespräch kommen. Landwirte und Konsumenten im regen Austausch über Qualität und Geschmack. Da kommt man ins Schwärmen.

Es weihnachtet sehr!

Neben Kartoffelsalat und Würstchen erfreut sich auch die festlichere Tradition, eine Gans oder Ente mit Rotkohl, Bohnen, Knödeln und Kartoffeln großer Beliebtheit. 

Geflügel in Bio-Qualität für's Fest vom Bauckhof und Johannsens Hofladen kann ab sofort bei Rieckens Landmilch vorbestellt werden.