Das Kultgemüse vom Oesenhof

Ein Gastbeitrag von Lisa Grimmeiß
 

Das Motto auf dem Oesenhof in der Lüneburger Heide: Selbst ist die Gemüsegärtnerin und der Hobbybauer. Denn hier gibt es Gärtnern mit Anleitung. Auf einer gemieteten Parzelle kann nach Lust und Laune gesät, gegossen, gejätet und geerntet werden – unterstützt von Eva und Jan Meyerhof, die 2015 das Projekt „Kultgemüse“ ins Leben riefen. Hier dreht sich alles um selbst angebautes und selbst geerntetes Gemüse – saisonal, regional und bio. 

Bunte Parzellen voller Gemüse

Der Oesenhof ist ein typischer Heidehof, wie es sie früher häufig gab, mit Schweinen, Hühnern, Kühen. Und vielfältigem Ackerbau, mitten in der Urlaubsregion „Lüneburger Heide“. Doch Kartoffeln, Möhren und Co. gibt es mittlerweile zu jeder Jahreszeit im Supermarkt. Wem ist bei dieser Selbstverständlichkeit noch bewusst, woher das Gemüse eigentlich stammt? Aus dieser Frage wuchs in Eva und Jan Meyerhoff die Idee zu einem neuen Projekt: „Das Kultgemüse zielt darauf ab, dass die Leute selber ackern und ihre Hände dreckig machen. Abschließend verarbeitet man dann das, wofür man gearbeitet hat. Dadurch steigt die Wertschätzung der eigenen Lebensmittel“, erklärt Eva Meyerhoff.

Das Prinzip dahinter ist so einfach wie genial: Das Betriebsleiterehepaar nutzt einen bestehenden Acker, unterteilt diesen in unterschiedlich große Parzellen und bereitet sie bis zum Anfang der Saison im Mai vor. Dafür wird gejätet, gehackt, gepflanzt, gesät. Über 25 verschiedenen Gemüsesorten werden angepflanzt. Mitte Mai sind die Parzellen dann für die Kultgärtnerinnen und -gärtner bereit. Steckbrief zu den einzelnen Gemüsesorten, Tipps und Tricks inklusive. Ab dann heißt es bis Oktober: Auf den Acker, jäten, gießen, ernten. Die einzige Regel: Jeder darf gärtnern, wie er möchte – Hauptsache biologisch. Von Mai bis Oktober arbeiten die Gärtnerinnen und Gärtner auf dem Acker und sorgen selbst dafür, dass ihr Gemüse wächst und gedeiht.

Spaß am Gemüseackern

So bunt, wie die Gemüseparzellen im Frühjahr blühen, so breit gefächert sind die Hobbygärtnerinnen und Gemüsebauer auf dem Kultacker, von Singles über Familien bis Rentnerinnen und Rentnern. Doch eines haben alle gemeinsam: Die Begeisterung und den Spaß Möhren, Radieschen oder den Mangold selbst anzubauen und zu ernten. „Leute müssen integriert werden, um sie für den Ökolandbau zu begeistern!“, ist Eva Meyerhoff sich sicher. „So ist die Überzeugungskraft viel authentischer“, verrät sie.

Wie viel Zeit die Mieterinnen und Mieter aufwenden und wann sie sich um ihre Beete kümmern, ist ihnen selbst überlassen. Entsprechend natürlich auch, wie sie ihre Parzelle gestalten: Vom Wildwuchs bis zur akkuraten Bepflanzung ist alles dabei. Ob sie morgens die absolute Ruhe zum meditativen Umgraben nutzen, die mittägliche Familienzeit, um mit den Kindern gemeinsam die Möhren zu ernten oder das Wochenende bei einem gemeinschaftlichen Sektfrühstück direkt neben dem Acker einläuten: Der Kultacker hat 24 Stunden, 7 Tage die Woche geöffnet.

Gartentipps und Tricks

Das Herzstück des Projekts ist die liebevolle Betreuung und die Gemeinschaft auf dem Acker. Viele Menschen, die auf dem Kultacker eine Parzelle gemietet haben, besitzen auch einen eigenen Garten. Doch das gemeinsame Hacken, Buddeln und Ernten sowie die professionelle Hilfe überzeugen von Jahr zu Jahr mehr Menschen. So wächst der Kultacker von Familie Meyerhoff stetig: „Wir legen so viele Parzellen an, wie sich Leute anmelden.“

Eines ist für Familie Meyerhoff ganz klar: Das Kultgemüse steht und fällt mit der Kommunikation. Die Gärtnerinnen und Gärtner erhalten weit mehr als einen bepflanzten Acker und die Möglichkeit zum Austausch mit Gleichgesinnten vor Ort. Eva Meyerhoff bietet das Rundum-sorglos-Paket: Hilft selbst das Spicken auf die Parzelle nebenan mal nicht, um herauszufinden, wann der Mangold geerntet werden muss, dann steht Eva Meyerhoff jederzeit für Rat und Tat bereit. Regelmäßig erhalten die Kultgärtnerinnen und -gärtner E-Mails mit Informationen über den Ökolandbau und was auf dem Acker gerade los ist – was geerntet, beigeschnitten oder gesät werden muss. Außerdem stellt der Demonstrationsbetrieb Gartengeräte, Wasser zum Gießen und Saatgut zum Auffüllen der abgeernteten Parzellen bereit.

Gegacker neben dem Acker

Gleich neben dem Acker steht ein Hühnermobil: Die Hennen freuen sich über die Reste von Kohlrabi und Co.  und die Kultgärtnerinnen und -gärtner über frische Eier. Der mobile Hühnerstallt steht für die gesamte Kultgemüsesaison neben dem Acker.

Wer Lust auf Eiersuchen und Hühnerstreicheln hat, der kann sogar eine Hühnerpatenschaft übernehmen. Als Hühnerpate kann man nicht nur jede Woche Eier mit nach Hause nehmen, man hat zudem das Privileg den Hühnern im Hühnermobil einen Besuch abzustatten und selbst auf Eiersuche zu gehen. Ob man dabei jedoch immer das Ei des eigenen Paten-Huhns gefunden hat, weiß vermutlich nur die Henne.

Ab und zu verirrt sich dann auch mal das ein oder andere Huhn vor den Hühnerzaun auf den Kultacker. Und wenn die Hühner erst mal los sind, ist die nächste wilde Verfolgungsjagd, um sie wieder einzufangen, nicht weit.

Oesenhof

Eva und Jan Meyerhoff
Riepe 8
29683 Bad Fallingbostel

Telefon: 05163 / 29 04 43
www.oesenhof.de

Netzwerk der Demonstrationsbetriebe

In Deutschland wirtschaften mehr als 29.000 Betriebe nach ökologischen Richtlinien. Aus dieser Vielfalt hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 242 Biohöfe als Demonstrationsbetriebe ausgewählt. Diese Betriebe öffnen allen Interessierten ihre Türen und Tore und zeigen, wie Ökolandbau funktioniert.

Mehr unter: www.demonstrationsbetriebe.de

 

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