Summ summ summ – Folge 5

Schon beim Öffnen der Bienenbeute wird es unserer Imkerin ganz schummerig. Ein betäubender Duft aus Wachs, Harzen, Honigwaben, Nektar und Pollen strömt ihr entgegen. Anette Hollenbach besucht mit uns einen Bienenstock.

Wenn Sie das nur riechen könnten. Schon beim Öffnen der Bienenbeute (Bienenstock) wird mir ganz schummerig. Ein betäubender Duft aus Wachs, Harzen, Honigwaben, Nektar und Pollen strömt mir entgegen.


Die Majestät

Will man Bienenkönigin sein? So ganz ohne Krone, ist sie doch die meist Ausgenutzte im Volk, die Reproduktionsmaschine. Während ihrer ungefähr fünfjährigen Lebenszeit huscht sie nur ein einziges Mal aus dem Stock, um richtig viel Spaß zu haben. Sie wird im Flug von vielen Bienenmännern, den Drohnen, umworben und hat ausschweifenden Sex in luftiger Höhe. Den männlichen Samen, wir sprechen hier von 5-6 Millionen Spermien, kühlt und bevorratet sie in ihrem schmalen, grazilen Hinterleib. Doch bei einer Sache hat sie das Zepter zwischen den Fühlern: Nur sie bestimmt das Geschlecht ihrer Nachkommen. Befruchtet sie ein Ei, wird eine Arbeiterin schlüpfen, lässt sie keine Spermie hindurch, schlüpft hier ein Bienenmann. Große Augen und ein leicht gedrungener Körper, daran ist er sofort zu erkennen. Feinste Ventile im Körper der Königin bestimmen den Durchlass einer Spermie.
Wenn sie im Mai zur Höchstform aufläuft legt sie tatsächlich ein Ei pro Minute. Das sind bis zu 1.400 Eiern pro Tag.

Welche Jobs gibt es im Stock

Die ruppige, kampferprobte und erfahrene Außendienstlerin, die wir draußen auf der Blüte wahrnehmen, hat den Großteil ihres Bienenlebens im dunklen Stock schon hinter sich. Pflichtbewusst hat sie schon viele Arbeiten verrichtet: Honig herstellen, Pollen einlagern, Putzen, füttern, Futter produzieren, Waben bauen, Waben flicken, tanzen, Wachs ausschwitzen, heizen, kühlen, Bienenmänner mobben, Wache schieben, Klima kontrollieren und kränkelnde Larven und Puppen verspeisen.
 

Designfoodbiene

In der Kopfdrüse erzeugen die Tiere einen Futtersaft. Zum einen die sogenannte Schwesternmilch und zum anderen das Superfood, dass sogenannte Gelee Royal. Mit der Schwesternmilch wird die Bienenbrut gefüttert, mit dem Gelee Royal nur die Königinnenlarve und die Majestät selbst. Der Bienennachwuchs erhält also niemals ein Futtermolekül, was nicht von der eigenen Schwester produziert und inhaltlich kontrolliert wurde. Dieser Futtersaft verfügt über Globuline die frühen Infektionen vorbeugen, ein Infektionsschutz wie bei der menschlichen Muttermilch.

Baubiene

Die, ich nenne sie immer Baubienen, schwitzen über ihre 8 Wachsdrüsen ihren eigenen Baustoff, den Wachs aus. Ein Trupp von Baubienen baut um sich herum runde Zylinder. Die Zelle wird erst einmal rund gebaut, eine neben der anderen. Dann kommen die Heizerbienen zum Einsatz, temperieren den Wachs auf ca. 40 Grad.  Durch das Erwärmen verändern sich die Wachsmoleküle und die sechseckige Wabenform wird herausbildet. Die Zellwände jeder einzelnen Wabenzelle ist exakt 70 tausendstel Millimeter dünn. Bienen sind also nicht nur ihre eigenen Architekten, nein, sie fertigen ihren Baustoff selbst an und klimatisieren ihr Zuhause dann noch.

 

Heizbiene

Die Heizbiene presst ihren Brustkorb in eine leere Brutwabe. Folgende Heizstrategie wird von ihr verfolgt. Im Brustnest, welches eine Temperatur von 36 Grad hat, gibt es einzelne leere Zellen, ca. 5%,  die nicht belegt sind.  In diese Zellen schlüpfen die Heizerbienen hinein und versiegeln die Zelle mit ihrem kühlen Hinterleib. Kopf und Brust stecken tief in der Zelle. Die Wärme breitet sich ringsum solch einer zu beheizenden Brutzelle aus. 3 Wabenringe weiter erhalten die Puppen noch die Wärme, die sich nach außen hin aber abschwächt. Da der Brutbereich auf diese Art und Weise unterschiedlich stark beheizt wird, wachsen verschiedene Bienentypen heran.  Mit der unterschiedlichen Aufzuchttemperatur schafft die Biene intelligenten und weniger intelligenten Nachwuchs. Die Heizbiene kann ihren Körper hierfür bis zu 44 Grad aufheizen. Diese Höchstleistung hält sie maximal 30 Minuten durch. Danach ist sie so ausgepowert, dass eine Schwester sie füttern muss.

 

Tankstellenbiene

Sie pendeln zwischen den erschöpften Heizerbienen und den Honigwaben hin und her und füttern ihre Schwester.

Außendienstlerin

Die Seniorinnen unter den Honigbienen werden ins Feld geschickt. Sie sind nämlich klüger als die jüngeren Stockbienen, die in einer homogene Umgebung im Bienenstock leben
Das Juvenile Hormon verändert die Struktur des Gehirns einer Sammelbiene. Dieses jugendliche Hormon steigt bei der Biene im fortgeschrittenen Alter an, normalerweise nimmt das Juvenile Hormon mit zunehmendem Alter aber ab. Schauen Sie uns an. Sammelbienen benötigen ein sehr gutes Gedächtnis. Wenn sie sich über viele Kilometer von Zuhause entfernt haben, finden sie auf kürzestem Weg  wieder zurück. Die Außendienstlerin lernt auch, welche Blüten ergiebig sind und zu welchen Tageszeiten welche Blüten Nektar zur Verfügung stellen.

 

Tanzbiene

Sie klinkt ihre Flügelchen aus und bewegt sich 15 x pro Sekunde nach rechts und brummt und nach links und brummt und löst so auf der Wabe Vibration aus und das auf einem mit Duftstoffen markierten Tanzboden. Die Schwingungen die sie erzeugt, lockt ganz schnell Nachtänzerinnen an. Wenn nun beide sich treffen, entsteht ein Bienenballett. Die Informationen zur Angabe der Nahrungsquelle draußen im Feld werden dann über den Antennenkontakt und die Schwingungen auf der Wabe weitergegeben, die die Tiere über ihre Füße wahrnehmen und deuten.

 

Klimabiene

Die Antenne einer Biene hat 20000 Duftsinneszellen. Mit ihr kann eine Biene die Temperatur messen, die Feuchtigkeit kontrollieren und den Kohlendioxidgehalt im Stock checken.

Ein Experiment

Es gibt übrigens, wie Jahrzehnte lang angenommen, keine Lehrbuchreihenfolge der Aufgaben der Bienen. Der Honigbienenforscher, Dr. Jürgen Tautz, hat das mit einem sehr interessanten Experiment belegt.

Er hat ein Bienenvolk nur aus alten Sammelbienen zusammengesetzt und es dauerte keine Woche und das Volk hat sich in all seinen Aufgaben wieder zusammengefügt.  Wachsdrüsen, die bei den erfahrenen alten Sammelbienen bereits deaktiviert waren, wurden im Körper tatsächlich wieder aktiviert. Umgekehrt genauso: Es wurde eine Bienenvolk nur aus  Jungbienen zusammensetzt und siehe da: Die körperliche Entwicklung im Volk wurde beschleunigt und aus einer Jungbiene oder Putzbiene wurde in nur wenigen Tagen eine kluge Biene, nämlich die Sammelbiene. Die Biene ist als gesamter Organismus enorm plastisch  und unglaublich anpassungsfähig.  Diese hohe Entwicklung der Bienen gibt ihnen die Möglichkeit die Welt zu dominieren, gibt es doch nur 10 Bienenspezies weltweit. In Asien, Europa und Afrika sogar nur eine Spezies die ungefähr 40.000 Blüten bedient.

Ich bewundere die Gemeinschaftsleistung der Tiere immer wieder. Die Honigbiene kann uns Menschen auch hier als Vorbild dienen.

Ich freue mich, dass Sie mit mir einen Ausflug in den Bienenstock gemacht haben und hoffe, dass Sie für Wild- und Honigbienen ins Schwärmen kommen!67

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