Essen muss jeder, doch eine gemeinsame Mahlzeit kann so viel mehr sein. Eine Gelegenheit sich zu treffen, um in Ruhe ins Gespräch zu kommen. Eine Chance, neue Gerichte auszuprobieren, wenn man gemeinsam mit anderen kocht. Ein Grundstein für gesunde Ernährung, wenn die Großen den Kleinen etwas „voressen“.

Um alle an einem Tisch zu versammeln wurde bei uns zu Hause auch schon mal die Kuhglocke geläutet. Dann wussten wir Bescheid: Essen ist fertig!

Eine von vielen schönen Kindheitserinnerungen. Wie auch das Familienfrühstück am Sonntag mit Brötchen und gekochten Eiern, wofür ich sogar als Teenager am Wochenende gerne aufgestanden bin. Als kleine Kinder haben meine Geschwister und ich den Tisch für unsere Eltern gedeckt und zur Feier des Sonntags sogar Obstsalat geschnippelt.

Ob Frühstück, Mittag oder Abendbrot, ich liebe es, mit vielen Leuten an einem Tisch zu sitzen und zu essen. Stimmengewirr und das Klappern des Geschirrs beim Aufdecken. Ruhe und zufriedenes Kauen nach dem ersten Auffüllen. Gute Gespräche und lustige Stimmung bei der zweiten Portion oder dem Nachtisch.

Ein Esstisch, an dem immer noch ein Platz frei ist für die Kinder und Enkelkinder, für Freunde und Freundesfreunde, so kenne ich es von zu Hause und so möchte auch ich es immer handhaben. Dann reicht der Topf eben doch nicht für zwei Tage oder die Portionen werden ein bisschen kleiner. Dafür gibt es tolle Geschichten und interessante Diskussionsthemen. Aus dem Alltag, über Politik und die Liebe, über Gott und die Welt. Auch vom Essen selbst ist oft die Rede. Wer mag gerne Rosenkohl? Und wie wächst der eigentlich? Woher kommt das Fleisch und wie bereitet man das zu? Da kann es sehr unterschiedliche Meinungen geben. Selten bleibt es am Essenstisch leise, doch am Ende sind sich alle wohlgesinnt. Man ist satt und zufrieden.

In geselliger Atmosphäre macht das Essen Spaß und schmeckt irgendwie noch besser. Das beobachte ich besonders bei Kindern, die oft einfach essen, was die Erwachsenen auch essen. Man kann ein gutes Vorbild sein, in dem man von allem etwas nimmt und Spaß am Kochen und Essen zeigt. Die Kinder lernen Lebensmittel wert zu schätzen. Manchmal ist es auch umgekehrt und

die Älteren lernen von den Jüngeren. Wenn gesunde und nachhaltige Ernährung hoffentlich immer mehr auch in der Schule Thema ist, kann der Speiseplan zu Hause gemeinsam gestaltet werden.

Ich finde, eine große Tischrunde hat da viele Vorteile. Dabei ist es nicht wichtig, ob alle miteinander verwandt sind. Es können auch einfach Freunde sein oder Nachbarn oder sogar vollkommen Unbekannte! In manchen Ländern ist es völlig normal, dass man sich im Restaurant zu anderen gesellt, die alleine dort sind. Hauptsache nicht alleine essen. Bei uns wird das wohl vor allem in der Stadt eher als aufdringlich empfunden und auf dem Dorf vielleicht noch wohlwollend toleriert.

Natürlich isst man auch die eine oder andere Mahlzeit allein. Kann man den überall präsenten Fertiggerichten und Lieferserviceangeboten widerstehen?

Ich selbst kann beim Kochen richtig schön abschalten. Die Geräusche wahrnehmen. Das Messer auf dem Brett, das Blubbern des Wassers. Die Farben und Gerüche aufnehmen. Das knallige Rot der Paprika, der wohltuende Duft frischer Kräuter. Das ruft mir immer wieder ins Gedächtnis: Es lohnt sich sehr, auch nur für sich selbst etwas Leckeres zu zaubern. Man kann ja noch ein oder zwei Portionen einfrieren und so ein anderes Mal auf etwas Fertiges und trotzdem selbst gemachtes zurückgreifen.

Genießen wir also das Kochen und das Essen allein oder, wenn es nach mir geht, möglichst oft mit möglichst vielen Leuten.