Hierzulande backt man zu Ehren der Heiligen

Pfeffernüsse und Pflastersteine, Elisenlebkuchen und Thorner Kathrinchen, Spekulatius und die Luciakatzen – nun liegen sie wieder auf den Kuchentellern: die weihnachtlichen Gebäcke, die uns so vieles erzählen können. Nicht nur von Traditionen und den immer-besten Rezepten, die in den Familien über Generationen weitergegeben werden. Sondern die Geschichten von den Heiligen, die uns durch die Weihnachtszeit begleiten.

Eigentlich ja durch das ganze Jahr, denn kirchliche Heiligenkalender existieren seit Jahrhunderten und geben Gläubigen seit jeher eine Ordnung durchs Kirchenjahr. Heiligentage waren häufig Orientierung bei der Namensgebung – Martin Luther beispielweise erhielt den Namen nach seinem Tauftag. Und immer waren die Heiligentage auch spruchreif im bäuerlichen Brauchtum. Wetterregeln und Saat- und Erntesitten wurden und werden immer noch seit alters her nach den Heiligentagen benannt „… Pankrazi, Servazi und Bonifazi müssen vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein. Und den Schluß setzt die kalte Sophie …“ Die Bauernweisheiten an den Maientagen …

Martin zündet das Licht an, Maria bläst es aus

Im winterlich-weihnachtlichen Wendekreis haben viele Tage eine besondere Bedeutung – vom 11.11., dem Martinstag mit seinen Gänse-Geschichten, bis zum 2.2., Mariä Lichtmess mit den Lichterprozessionen und dem festlichen Crêpes-Essen. Fortan wird es ja draußen heller. Wie es der Volksmund so sagt: „Martin zündet das Licht an, Maria bläst es wieder aus.“

In der Vorweihnachtszeit wird gebacken. Die Kringel und Kekse, die Weißen und die Braunen, die Brezel und die Bilderbrote. Glaubt man der Legende, dann vergaßen die Hirten, die vom Felde davoneilten, um das Kind von Bethlehem zu suchen ihr Brot im Ofen. Oh Wunder: Als sie zurückkehrten, war aus den Brotlaiben ein dunkel glänzender, köstlicher Honigkuchen geworden. Honigkuchen und Lebkuchen sind die ersten Teige, die gerührt und geknetet werden, damit sie noch ruhen können. Und dann werden sie verbacken. So sind dann die Elisenlebkuchen die ersten. Am Elisabethtag, am 19.11., erinnern die süßen Gebäcke an die großherzige Landgräfin, die böse gestraft wurde, weil sie ihr Brot den Armen verschenkte. Als sie erwischt wurde, geschah das Rosenwunder. Das Brot in ihrem Korb verwandelte sich in lauter Rosen. Aus dem Brot für die Armen waren Rosen der Liebe geworden. Dennoch verlor Elisabeth ihr Leben früh, sie wurde heiliggesprochen. Die Elisenlebkuchen erinnern an ihr Vorbild christlicher Nächstenliebe.

Auch die heilige Katharina erlitt ein tödliches Schicksal als Märtyrerin. Die Thorner Kathrinchen, die schon im 13. Jahrhundert in Nonnenklöstern in Form eines Rades aus Honigkuchenteig gebacken wurden, erinnern am 25.11. an ihren starken Widerstand.

Spekulatius

Das typische Nikolausgebäck zum 6. 12., dem Nikolaustag, der der Todestag des heiliggesprochenen Bischof von Myra ist, ist der würzige Spekulatius. Speculator, der Behüter, der Bischof – das ist der Beiname des Heiligen Nikolaus. Ausgemodelte Bilder sind es, die uns die Nikolausgeschichten erzählen. Der große Kinderfreund und Lebensretter und Heilige der Schifffahrt und somit auch Namenspatron aller Nikolai-Kirchen, beschert nun alle Jahre wieder in Nikolausstiefel und –strümpfe und sorgt mit Apfel, Nuß und Mandelkern und mancherlei mehr für strahlende Kinderaugen.

Mit ihm waren es immer auch die Klosterfrauen, die Nonnen, die für Arme und Kinder in der Winterzeit Brot und Gebäcke bereiteten. Auch die sogenannten „Nonnenfürzchen“, die in heißem Schmalz gebackenen Klößchen, mit oder ohne Mandeln, die sich später in unsere „Förtchen“, auch in die niederländischen „Poffertjes“, verwandelten. Ein klösterliches Almosengebäck der Weihnachtszeit.

Das sind auch die schwedischen „lussekatter“, die lockeren, safrangelben Schleifen mit den Rosinenaugen, ein besonderer Genuß am Luciatag, wenn die Heilige mit der Lichterkrone mit großem Gefolge am 13.12. das winterliche Dunkel erhellt. Nie duftet es weithin so, wie an diesem Tag.

Da gibt es dann auch noch den 26.12., den Stephanstag, an dem wir knubbelige Pflastersteine backen und damit an den bekennenden Christen erinnern, der seines Glaubens wegen gesteinigt wurde. Ein Tag auch, an dem es in alten Zeiten wilde Trinkgelage gab. Zwei Tage später, am 28. 12., wird dann „gepfeffert“ – was peitschen und pitschen bedeutet. Ein sehr alter Brauch, über den sich junge Leute und Liebende sehr freuten. Paten schenkten dann ihren Kindern Pfefferkuchen- und Lebkuchenmännlein.
 

Christstollen

Zu allem, was wir backen, was wir essen in diesen Wochen, lassen sich wundersame Geschichten erzählen. Vielfach als Brauchtum gepflegt.

Etwas ganz Besonderes ist da auch der Stollen. Das reichhaltige süße Backwerk, das längst auch im Norden heimisch geworden ist – und hier die guten alten Weihnachtsstuten verdrängt hat. Der Christstollen, im 14. Jahrhundert erstmals in Sachsen gebacken, ist, so die sächsische Heimatdichterin Lenelies Pause, „… das in weiße Windeln gewickelte Christkind, das Kind so, wie es alte Zeiten zu sehen liebten. Eine rundliche Walze, eng umschnürt vom festen Wickelbande, das ihm gute, aufrechte Gestalt geben sollte. Voller Lebenskraft und Stärke“. So schlagen wir also den Stollen ein wie einst ein Wickelkind.

Bleibt noch nachzutragen, dass es in den Weihnachtstagen auch so manchen guten Schluck zu trinken gibt, der auf einen Heiligen weist. „Trinke die Stärke, das Feuer, den Geist“, sagt man dann. Und läßt sich den Trunk, den Bischof, den Punsch schmecken.

Wichtig bei allem: Weihnachtgäste dürfen nicht gehen, ohne reichlich geschmaust und getrunken zu haben, sonst tragen sie das Glück aus dem Haus. Davor mögen wir (von den Heiligen) bewahrt werden.