Hierzulande … feiert man Maskerade und trinkt Bowle

Die Narren sind wieder los. Auch im Norden, der Kieler Karneval mit allein neun Vereinen begeistert in diesen Wochen bis Aschermittwoch Jung und Alt und sorgt für Fröhlichkeit an der Förde. Und in der norddeutschen Karnevals-Hochburg in Marne freuen sich schon Tausende auf den großen Rosenmontagsumzug. Närrisches passiert auch in Lübeck und Rendsburg, in Plön und Büsum und an so mancher anderen Narrenburg.

Masken gehören dazu, Verkleidungen und immer witzige Ideen. Und einfach Freude am gemeinsamen Tun und am ausgelassenen Feiern. Absolut einzigartig aber ist hierzulande die „Prämienmaskerade“, eine Traditionsveranstaltung auf der Insel Föhr. Nun ist es wieder soweit. Am 2. Februar geht es los. Seit Wochen haben sich Gruppen der Inselfriesen getroffen und haben ihre „Standbilder“ geplant und gebaut, andere haben sich Gedanken gemacht über die „Laufmasken“.
 

Standbilder

Immer am ersten Sonnabend im Februar lädt die Nieblumer Feuerwehr zu dem fröhlichen Fest. Seit einigen Jahren wird im Haus des Gastes in Nieblum gefeiert, in früheren Jahrzehnten füllte das Spektakel den großen Saal von Osterheide. Es ist ein großer Spaß. Originelle Stände mit lustigen, auch kritischen Darstellungen zur Welt- und Inselgeschichte werden aufgebaut, Witziges gewerkelt, Kostüme gefertigt, Menschen verkleidet und hinter Masken verborgen. Und wenn es dann losgeht am Abend, dann harren diese „stummen Bilder“ ein/zwei Stunden aus, mucksmäuschenstill und starr, und erfreuen das Publikum. Das wiederum versucht zu erraten, wer sich hinter diesen Standbildern versteckt. Immer ist es überraschend, wie originell und überzeugend das Geschehen dann in feste Bilder gefügt wird. Comics live!! Und zwischen all‘ den meist sogar 200 Besuchern – Insulaner und Touristen – laufen bewegliche maskierte Personen und Personen-Gruppen umher. Unerkennbar verkleidet. Auch sie sind witzig und zeitkritisch und nehmen so manches Inselgeschehen auf die Schippe oder laden es in ihre Schubkarre.

Endlos scheint die Zeit, die die meist geheime Jury braucht, um ihre Favoriten auszuwählen, die Gewinner des Abends. Aber dann endlich kommt der erlösende Moment. Rührt Euch, heißt es, dann kommt die Demaskierung, dann werden die abgegebenen Stimmen gezählt und die Sieger mit einer Prämie und Urkunde für ihre geistreichen Einfälle belohnt. Große Fröhlichkeit bei allen! Und immer ist auch eine Überraschung dabei – hat man doch tatsächlich den einen oder anderen nicht unter der Maske erkannt.

Wintervergnügen

Der Saal wird umgeräumt – und schon startet ein von allen sehr geliebtes Tanzfest. Jung und Alt vergnügen sich. Und da man auf der Insel einen guten Schluck verträgt, steigt die Stimmung Stunde um Stunde. Klar, dass es auch was zu essen gibt – dann passt mehr Föhrer Bowle rein … Die hat’s ja in sich … Ganz früher traf man sich um Mitternacht am großen deftigen Buffet.

Alte Quellen belegen, dass dieses Wintervergnügen rund hundert Jahre alt ist, dass es auf allen Dörfern gefeiert wurde und auch auf dem norddeutschen Festland bekannt war. Vor allem war es immer auch ein Fest der jungen Leute. Viele, gerade auch die Jüngeren, hoffen heute, dass diese lustige Tradition der Nieblumer Feuerwehr weiterhin gepflegt und noch viele Jahre bestehen wird.
 

Föhrer mögen Bowle

Als Besucher der nordfriesischen Insel Föhr muß man dieses wissen: wenn der Insulaner von „Bowle“ spricht oder eine bestellt, dann meint er garantiert nicht das, was in unserer aufblühenden Wohlstandsgesellschaft der 1950er und 1960er Jahre in kunstvollen Glas-Gefäßen auf den Tisch kam. Früchte in Rum oder Cognac getränkt und mit Sekt und Wein aufgegossen. Süffig, meist unglaublich süß und gefährlich für jeden Kopf.

Auf Föhr trinkt man seit „immer schon“ die Cognac-Bowle, die Siedler-Bowle oder die Teepunsch-Bowle. In einem Glaskrug gemischt werden dafür:

Cognac-Bowle: je ein Drittel Cognac, Wein und Sekt (die Alkohol-Menge darf differieren)

Siedler-Bowle: eine Flasche Sprudel, beispielsweise Sprite, und eine Flasche Korn (meist 0,7 l)

Teepunschbowle: 1 Liter heißes Wasser, in dem ein nicht zu bitterer Tee zieht, bis er blond ist. Dann wird mit einer Flasche Geelen Köm oder Branntwein aufgegossen. Die Bowle wird warm getrunken.

Anmerkung für Ahnungslose: diese „Bowlen“ gehen ganz schön ins Blut. Danach tanzt und feiert es sich aber gut.