Kolumne: Gesund

Bestimmt haben Sie auch jemanden im Bekanntenkreis, der grade fastet. Nicht die kirchlich inspirierte Fastenperiode von Aschermittwoch bis Ostern mit dem Verzicht auf eingefahrenes, ungeliebtes Verhalten (wahlweise TV/Süßigkeiten/Alkoholkonsum und vieles mehr), sondern das Intervallfasten zur leicht einbaubaren Gewichtabnahme im Alltag. Auch Sportler wählen nicht selten zur Leistungssteigerung Phasen des Nahrungsverzichtes.

Fasten ist nicht neu – die Phase des kontinuierlichen Zugangs zu Nahrung in der westlichen Welt dauert ja erst knapp 70 Jahre an. Unser Körper kann gut mehrere Wochen auf Nahrung verzichten und nur mit Flüssigkeit auskommen, ist ja der Energiespeicher bei den meisten gut gefüllt. Nährstoffe wie Mineralien und Vitamine lassen sich größtenteils auch über Getränke ergänzen, und genießen kann man ja auch mit anderen Körperregionen als nur auf der Zunge.

Wie funktioniert das nun mit dem Fasten? Sie können frei wählen: Wollen Sie lieber Tage- oder Stundenweise auf Nahrung verzichten? Wollen Sie für diesen Zeitraum komplett oder nur auf 75 % der Nahrungsaufnahme verzichten? Modelle wie „jede Woche an zwei Tagen auf Nahrung verzichten“ bis zu „täglich 16 Stunden nichts essen und 8 Stunden essen“ werden mit verschiedensten Ratgebern, Filmchen und Erfahrungsberichten beworben, kleine gemüse- und proteinreiche Mahlzeiten sind oft mit eingebaut.

Seelische Entlastung

Der (wissenschaftlich bewiesene) Effekt des Fastens reicht von positiver Wirkung auf die Gewichtsabnahme und damit Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes bis hin zu Kreislaufproblemen, vermehrt auftretendem Heißhunger und eventuell auch daraus resultierenden Ess-Störungen. Eine Verhinderung des Jo-Jo-Effektes durch immer wiederkehrende Trainingsphasen für den Körper, in denen er lernt, seinen Stoffwechsel zu reduzieren, kann ebenfalls nicht gewährleistet werden. Die meisten Studien basieren auf Tierversuchen oder mit nur kleinen Menschengruppen durchgeführten Experimenten sowie dem religiösen Fasten. Klinische Studien mit entsprechend langer Durchführungsdauer und wissenschaftlicher Evidenz sind sehr selten. Langfristige positive Effekte des Fastens auf die Gesundheit, besonders auf das Gewicht, sucht man oft vergebens, die meisten Fastenanhänger führen das Fasten immer wieder durch. Allerdings scheint es auch wenig Risiko für langfristige körperliche Schäden zu geben – der Effekt der seelischen Entlastung ist hingegen gut beschrieben und dokumentiert.

Wenn Sie sich und Ihren Körper gut kennen, wenn Sie gesund sind, nicht schwanger oder stillend, wenn Sie nicht zu den Typ-1-Diabetikern gehören und auch kein gestörtes Essverhalten haben, probieren Sie es doch mal aus mit dem Teilzeitfasten. Rechnen Sie mit möglichen Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, schlechtem Atem, Tagesmüdigkeit und Dehydratation (Austrocknung) – am besten, Sie sorgen vor:

Trinken Sie mindestens 2 Liter pro Tag (Wasser, Tee, stark verdünnte Schorlen, Gemüsebrühe)

Schlafen und Bewegung – gönnen Sie Ihrem Körper die Erholung und Entspannung, die er grade braucht

Wer noch nie gefastet hat, sollte sich vorher mit seinem Arzt beraten und eventuell in einer Gruppe fasten

Nutzen Sie die „Nicht-Essen-Erfahrung“, um sich über eingefahrene ungünstige Ess-Gewohnheiten (zu schnell, zu viel nebenbei, zu abhängig von äußeren Reizen wie Duft oder leckeres Aussehen, zu emotionsabhängig bei Frust, Stress oder Trauer) bewusst zu werden und zukünftig „anders“ zu reagieren – dann sollten auch Sie vom Teilzeitfasten profitieren können.