Besuch im Hobbenköök

Wir wollen mal nicht darüber philosophieren, was „Hafenküche“ bedeutet, ob das geografisch oder kulinarisch gemeint ist – auch wenn es plattdeutsch „Hobenköök“ heißt. Wir wollen uns einfach mal freuen, dass es im Oberhafen am nordöstlichen Zipfel von Hamburgs HafenCity, gegenüber dem SPIEGEL auf der südlichen Seite des Ericusgrabens, eine schöne neue Futterkrippe gibt, eben die „Hobenköök“. Sie befindet sich in einer enormen Backsteinhalle, einen Steinwurf von der kleinen „Oberhafenkantine“ entfernt an der Stockmeyerstraße 43, auf 600 Quadratmetern Fläche, und vereint Restaurant und Marktplatz.

Thomas Sampl, der viele Jahre im „Vlet“ in der Speicherstadt gekocht hat, hat sich mit seinen Mitstreitern Neele Grünberg und Frank Chemnitz einen Traum verwirklicht: Er nimmt die Produkte, die ihm kleine engagierte Erzeuger und Manufakturen aus dem Umland und der Region und kocht daraus täglich wechselnde Gerichte. So sind die Zutaten von Gemüse, Obst, Geflügel, Fisch und Fleisch immer frisch, buchstäblich vom Markt. Sampl hat im „Vlet“ schon nach kleinen Produzenten gesucht und aus ihren Produkten eine raffiniert abgewandelte und doch bodenständige Küche geformt. Seine Rezepte für Scholle Finkenwerder, Steckrübensuppe mit Tahiti-Vanille, Schmorgurken und herzhafte Mehlbüddel stehen in seinem Kochbuch „Hamburger Küche“ (Junius Verlag).

Markthalle mit Restaurant

Die hohe Halle bietet einen großartigen Raumeindruck. Tische, Stühle, Bänke, Hocker werden von Kisten unterteilt, in denen kleine Apfelbäumchen wachsen sollen – wofür es allerdings noch mehr Beleuchtung braucht, ebenso wie manches Regal, in dem die Leckereien stehen wie Säfte vom Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern, Gleem-Schokolade aus Deutschlands erster Bio-Naturpatisserie Mehl und Getreide aus der Bohlsener Mühle nahe Uelzen. Schüttelt sich noch zurecht, denn wo ist der Start schon perfekt?

Wie kam es zu der Kombination aus Markt und Restaurant? „Ich wurde immer wieder von Gästen gefragt, woher meine Zutaten kommen. Auf die Antwort, „vom Wochenmarkt“ bekam ich zu hören, für einen Einkauf dort fehle die Zeit“, sagt Sampl. „Also haben wir den Markt ins Restaurant geholt oder umgekehrt. Auf jeden Fall geht es kaum frischer als hier. Fisch kommt zum Beispiel von Reese aus Schleswig-Holstein, Milchprodukte von Kruse aus Rellingen und das Obst der Saison aus dem Alten Land. Aber es gibt auch die feinen Soßen von Sterne-Koch Jens Rittmeyer aus Buxtehude, die Soßen aus dem „Dorfkrug“ in Ne-Wulmstorf (Sylter Salatfrische), Ostsee-Salz aus Kiel und sogar Gin Sul aus Altona.

Von Saft des Tages bis Apfelschwein

Jeder kann sein Lieblingswürstchen von Fleischer Harms aus Eppendorf oder seinen Favoriten unter den Dosensuppen (leider ist ihr Koch Heiko Langhans von Hamburg nach Bayern ausgewandert), die leckere Belana-Kartoffel oder die Bio-Tomate gleich mit nach Hause nehmen. Dazu muss er nicht mal zuvor den köstlichen „Saft des Tages“ aus Gelber Bete, Apfel, Minze und Zitrone, den Eintopf, das marinierte Kotelett vom Havelländer Apfelschwein oder die frischen Waffeln mit Mirabellen verputzt haben – obwohl es ein Fehler wäre, das nicht zu tun.

Die Küche steht in der Mitte des riesigen Raumes, der Markt dahinter und das Restaurant im Vordergrund. Davor liegt eine geräumige Terrasse, zwischen drinnen und draußen lässt sich die Glaswand öffnen. Das Umfeld ist rau, Kopfsteinpflaster, Baustellen, Eisenbahnbrücke – und im Werden. Das neue Kreativ-Zentrum der HafenCity entsteht hier. Allerlei junges Volk werkelt hier, die „Halle 424“, Nachbar der „Hobenköök“ an der Stockmeyerstraße, sieht sich nach eigenen Angaben als „Ort fürs Experimentelle“ (Musik), die „Hanseatische Materialverwaltung“ nebenan verleiht alles Mögliche aus einem gemeinnützigen Fundus für Foto- und Filmaufnahmen, Kulissen für Aufführungen aller Art, Requisiten und Möbel – eben alles.

So zieht neues, buntes, leckeres Leben ein in die Hallen des alten Güterbahnhofs neben Lohsepark und HafenCity Universität. Stadtnah und doch am Rand. Ideal für eine schöne Auszeit und köstliches Essen.

Hobenköök

Restaurant & Markthalle
Stockmeyerstraße 43
20457 Hamburg
https://hobenkoeoek.de/

 

Öffnungszeiten

Markthalle: Mo – Sa 8 – 21 Uhr
Restaurant: Mo – Fr 11.30 – 22, Sa 9 – 22, So 9 – 18 Uhr

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