Erik Engilssons Festmahl Teil 6

Die Getränke - drekka vin ok öl

Wenn es ums Trinken geht, geht in Wikingerromanen regelmäßig mit den Autoren die Fantasie durch. Da wird hemmungslos gesoffen und auf dem Höhepunkt wird auch mal schnell jemand umgebracht. Dabei sind einige Riten des Alkoholmissbrauchs auf spätere Zeit zurückzuführen, als im agrarischen Bereich in Skandinavien die Arbeiter mit billigem Schnaps bezahlt wurden, um sie ruhig zu stellen und möglichst kostengünstig zu verpflegen, was sich in das allgemeine Suchtverhalten des Nordens einschlich und durch zahlreiche Trinklieder und kulturelle Gepflogenheiten verfestigt wurde.

Deshalb sollten einige Dinge vorab geklärt sein, bevor die Feier weitergeht. Skål, das skandinavische Prost, ist nicht auf den Schädel (des Besiegten) zurückzuführen, aus dem der Sieger seinen Siegestrunk nimmt. Zwar sind das altnordische skál für Schale und Skalli für Schädel verwandt, mehr aber auch nicht. Es gibt zwar den Ausdruck gebogene Äste der Schädel, aus denen man trinkt, das ist aber eine literarische Umschreibung von Hörnern. Hörner, die man den Wikingern gern an den Helm dichtet, obwohl das im Kampf äußerst ungünstig wäre, weil es die Waffe direkt in den Schädel leiten würde, sind als Trinkgefäß durchaus gut denkbar, denn sie wurden in vielen Teilen Europas gebraucht und auch Caesar erwähnt sie.

Bier ist Essen & Trinken

Schnaps ist als Getränk unwahrscheinlich, denn erst durch die Kreuzzüge kam die Kunst des Destillierens nach Europa. Met, Honigwein schließlich, auf jedem Wikingerfest heute ein Muss, war sicher selten, denn Honig war als Süße zu wertvoll, um vergoren zu werden. Dafür gab es einfachere und billigere Methoden.

Die Wikinger nutzten zwei Arten der Gärung, die Umwandlung von Zucker und die von Stärke. Das eine geschieht bei der Verwendung von Früchten oder Trauben, deren Zucker durch Hefe in Alkohol gewandelt wird, bei der zweiten Art wird die Stärke im Getreide beim Mälzen vorbereitet und die entstehende Maltose zu Alkohol umgewandelt. Bier hatte den Vorteil, dass es im Gegensatz zu Wasser durch den Alkohol eine antibakterielle Wirkung besaß. Allerdings wurde beim Brauen darauf geachtet, dass nicht zu starker Alkohol den Tag vernebelte. Bei hohen Festen allerdings wurde starkes gutes Bier gebraut und das hat sich in Form von Frühlingsbier und Weihnachtsbier im Norden erhalten. Erik hat sein Rezept fürs Biermachen übrigens von der Insel Gotland mitgebracht und wegen des Geschmacks setzt er einige Wacholderbeeren und einen Zweig Gagelstrauch (myrica gale), den er als Pors bezeichnet, zu. Der Geruch von Pors soll auch gegen Mücken helfen. Erik hält sich bei den ausgeschenkten Mengen an das altisländische Sprichwort „Bier ist beides, Essen und Trinken“. Deshalb werden heute zum Festmahl in schönem grünen Glas aus dem Süden starkes Bier und guter Wein serviert. Skål!