Erik Engilssons Festmahl Teil 2

Die Vorspeise

Die Welt der Nordeuropäer war geprägt durch die nördlichen Binnenmeere, unendlich viele Seen als Produkt der Eiszeiten und viele Flüsse. Dazwischen dehnten sich Waldtundren, subarktische Steppen, Moore, und endlose nördliche Nadelwälder, die sogenannte Taiga, aus. Beeren, Pilze und Waldtiere machten den essbaren Reichtum der Landschaft aus und im kurzen nordischen Sommer war dies die Mineralien- und Vitamintankstelle. Durch Einlegen, Trocknen und Einkochen wurden Teile in die lichtärmere Zeit hinübergerettet.

Seit der Eiszeit hatten die Menschen im Norden alle möglichen Pflanzenteile gesammelt und nicht nur zum Essen gebraucht. Fasern wurden für die Kleidung verwendet, Moose zum Polstern benutzt. Alles in der Umwelt wurde verarbeitet, um den Alltag zu verbessern. Mit der Sesshaftwerdung nahm dies noch zu, Vorratshaltung war das A und O. Nur durch sie konnten die Menschen den Winter überleben.

Nordisches Superfood

Ein schönes Beispiel für gesammeltes Gesundes ist die aus den Früchten der Wildrose gekochte Hagebuttensuppe, die noch heute wegen ihres Geschmacks, aber auch hohen Vitamingehalts vor allem in Schweden gegessen wird. Suppen oder Eintöpfe waren beliebt, weil man nicht unendlich viele Herdplatten zur Verfügung hatte, sondern vor allem einen Kessel über offenem Feuer verwendete. Die Hagebutten werden frisch oder getrocknet, aber immer ohne Samen verwendet. Aus den Samen haben Generationen kleiner frecher Nachwuchswikinger Juckpulver hergestellt. 500 Gramm Hagebutten werden in einem Liter Wasser 30 Minuten weichgekocht und 50 Gramm Zucker (oder historisch korrekt Honig) zugesetzt, dann im Mixer mit einem Schuss Sahne cremig geschlagen. In die Creme werden kleine Schlagsahneinseln gesetzt und mit grob zerstoßenen gerösteten Mandelsplittern bestreut. Wahlweise können auch kleine Dickmilchklekse oder andere halbfeste Milchprodukte genutzt werden. Milchprodukte sind im Norden, durch Bakterien oder Sauerlegung behandelt, ein beliebtes Produkt, das auch lange haltbar ist und über den Winter hält. Die Nordeuropäer sind bekannt für ihre Milchverträglichkeit. Eine weitere leckere und vor allem gesunde Beigabe sind getrocknete Brennnesselsamen. Sie werden am besten im Spätherbst gesammelt, wenn sie braun und reif sind und gut getrocknet. Der hohe Eiweißgehalt und der nussige Geschmack sind nur zwei von vielen Vorteilen dieses wikingerzeitlichen Berserkerfutters (heute Superfood). Berserker ist das nordische Wort für jemanden, der wie besessen ohne Rücksicht auf eigene Verletzungen kämpft und ungeahnte Kräfte freisetzt. Im Finnischen gibt es ein ähnliches Wort für die Freisetzung unendlicher Kräfte: Sisu. Zum Schluss kann man mit Salz, Kräutern und Gewürzen verfeinern, zum Beispiel Kapuzinerkresse für die Schärfe.

Hagebuttensuppe

500 g Hagebutten
1 Liter Wasser
50 g Zucker oder Honig
1 Becher Sahne
100 g Mandelsplitter
50 g Brennnesselsamen
 

Die Hagebutten werden in einem Liter Wasser 30 min. weichgekocht und 50 g Zucker (oder Honig) zugesetzt und dann im Mixer mit einem Schuss Sahne cremig geschlagen. In die Creme werden kleine Schlagsahneinseln gesetzt und mit grob zerstoßenen gerösteten Mandelsplittern bestreut. Wahlweise können auch kleine Dickmilchklekse und getrocknete Brennnesselsamen dazu gegeben werden.

 

 

Essen mit den Wikingern Teil 1:

https://www.nordische-esskultur.de/Geschichte/Wikinger/Erik-Engilssons-Festmahl-Teil-1-Essen-mit-den-Wikingern