Ein kulinarisches Kleinod in Kiels Altstadt

In bester Innenstadtlage in einem schmucken Jahrhundertwendegebäude – hier residierte über Jahrzehnte eine Jagd- und Waffenhandlung – betreibt Christina Mann ihr Lüneburg-Haus.  Ein zeitloses Bistro mit klassisch-modernem Ambiente und freundlich-lockerem Service. Ob mittags zum Geschäftsessen oder vor oder nach einem Konzertbesuch im nahen Kieler Schloss: Die zeitlose Küche ist frisch, klassisch und gut.
 

Yuppie-Gefahr

Silvester ´93 hing noch ein Nikotin-geschwängerter kupferner Braukessel über dem verrauchten Tresen des „Jever Böön“ in der kleinen Fußgängerzone in der Kieler Altstadt. Wunderliche (oder, je nach Sichtweise auch wunderbare!) Traditionsgerichte gab es hier wie den „Herrentoast“ oder auch ein „Damen-Gedeck“. Ein Jever dauerte noch 7 Minuten, für die Stammtischbrüder – „Schwestern“ waren selten – war die Welt noch in Ordnung.

Die Welt der Stammtischbrüder war in Gefahr. Deswegen gab es von ihnen sogar eine angemeldete Demo gegen die Pacht-Übernahme des Hauses durch zwei angebliche „Yuppie-Gastronomen". Sommelier Jan-Peter Marxen, heute Kiels führender Weinfachhändler und sein kochender Kollege Jochen Strehler (ja, der Autor dieser Zeilen ;-), die einige Kilometer weiter mit dem „Damperhof" ein sehr kleines, aber gut etabliertes Gourmet-Restaurant betrieben, bekamen diese besondere Immobilie zum Weiterbetrieb angeboten. Die Demo wurde letztendlich überstanden – zu der Zeit galt verfeinertes, handwerklich gutes Essen noch als „Teufelswerk“ - und viele neue Gäste kamen nach umfangreicher Renovierung in das nach dem damaligen Erbauer August Lüneburg benannte Haus. Der Fachhändler für „Jagd-, Fecht- und Mensurwaffen“ schmückte sein Haus mit allerlei Jagd-affiner Deko, sei es im Stuck oder an der Fassade. Dort thronte unter dem Giebel glänzend der Grund, warum das Haus mit dem Zweitnamen „Goldener Hirsch“ fast bekannter wurde als mit seinem eigentlich zugedachten Namen. 12 Jahre führten beide das Restaurant, 2006 übernahm Kollege Salihu, als die Gründer den Arbeitsmittelpunkt mehr auf Catering, Weinhandel und die Gastronomie im damaligen Landeskulturzentrum Salzau legten. Mit gut eingearbeitetem Personal des Hauses hielt Salihu den Kurs, trennte sich erst Oktober 2013 von dem schönen Haus, als er sich einen weiteren und umsatzstärkeren Lebenstraum erfüllen konnte und die legendäre Fischküche in Laboe erwarb.

Seitdem ist Christina Mann am Ruder, an der Seite Chefkoch Thorsten Mollenhauer, ein Ex-Azubi aus Strehlers Zeiten und ein 15-köpfiges Team. Die „Klassiker“-Seite der Karte liest sich noch wie damals, das Kalbsschnitzel ist immer noch so hervorragend (so eine feine, luftige Panade bekommt man selten geboten) wie das kreative Tagesmenü daneben. Das gegrillte Lachssteak mit Zitronen-Schmand ist saftig und der echte pochierte Vanillepudding mit warmer Schokoladensauce ist bis heute der Renner auf der Dessertkarte. Mittags und abends geöffnet, ist alles (fast) wie früher und doch immer auf der Höhe der Zeit. Schöne Ferienwohnungen im Obergeschoß runden das Angebot ab. Christina Mann und ihr Team bieten auch gekonntes Catering an. Ein schönes Haus mit schnörkel- und zeitloser Küche. Klassische Moderne geht immer, besonders in Zeiten wo sich die Moden in immer kürzeren Abständen ändern. Ein echtes kulinarisches Kleinod.

Lüneburg Haus


Dänische Straße 22
24103 Kiel
 

Tel. 0431/68 26 000
www.lueneburghaus.de


Öffnungszeiten:

Mo–Sa ab 12 Uhr
Sonntag ist Ruhetag