Farm-to-Table

Das Alte Land ist grün, als gäbe es die Hitzewelle nicht, der Abend warm, der Himmel tiefblau. Weiße Lampion-Kugeln schwingen im Wind über einem kernigen Holztisch, umrahmt von bequemen weißen Sesseln. Ringsum herrscht Stille, zur vollen Stunde schlägt die Uhr des Kirchleins von Mittelnkirchen hinterm Lühedeich. Gekrönt wird der Moment durch Köstlichkeiten, die Sterne-Koch Jens Rittmeyer vom Hotel „Navigare“ in Buxtehude auf Baumscheiben, in Schüsselchen und auf Tellern serviert: Er verwirklicht seinen Traum vom „Farm-to-Table“-Konzept.

Kresse, Kräuter, Blüten, Tomaten, Äpfel, Zwetschgen, Beeren – alles ist hier im Garten von Kerstin Hintz auf ihrem Biohof Ottilie geerntet worden. Die wilden Mirabellen hat Rittmeyer am Nachmittag gepflückt, die schwarze Nuss (unreif eingelegte grüne Walnuss) stammt vom schönen Baum nahe dem Eingang. Gekocht wird draußen im Zelt, gegart im Smoker. Was draußen wächst wird diesmal auch draußen verspeist. Bei Regen geht’s in die gemütliche Scheune.

Das ist hier kein Picknick, kein „Frühstück im Grünen“ wie bei Manet, sondern ein elegantes Sterne-Dinner mit Gruß aus der Küche und sieben Gängen, aber den wohl frischesten Zutaten, die man sich denken kann. Sie kommen mal geräuchert, geeist, als Sorbet, als Creme, als Beilagen zu Kabeljau, Huhn und Rind. Das Huhn liefert der Hof Odefey & Töchter, den Schaufelbraten der Hof Wümme-Rind, beide aus der Lüneburger Heide. Rittmeyer ist ein Trüffelschwein im Auffinden hervorragender Lieferanten aus der Region.

Serviert wird auf schönem Geschirr, es gibt Stoffservietten und feines Besteck.Die Gäste erfahren nebenbei etwas übers Alte Land, seinen Obstbau, seine Besonderheiten. Leider gibt es dieses erlesene Dinner auf dem Dorf nur noch vom 9. bis 11. August, viele Plätze sind schon verkauft. Aber vielleicht kommt eine Neuauflage im nächsten Jahr. Der Sommernachtstraum kostet 275 Euro, Wein- oder Saftbegleitung, Kaffee und Wasser eingeschlossen. Wer das Wochenende im „Navigare“ verbringt, wird per Shuttle in 20 Minuten transportiert.

Der Soßengott

Nicht zu Unrecht wird Rittmeyer, der 2017 seinen Stern im Hörnumer Hotel „Budersand“ zurückließ und ihn in Buxtehude sofort wieder bekam, der „Soßengott“ genannt. Wohl kaum jemand kocht, reduziert, passiert seine Soßen so hingebungsvoll wie er. (Nach zu schmecken im Gang „Soße und Brot“ seines Menüs.) Damit Gäste und Soßen-Fans außerhalb seines Restaurants nicht darben müssen, sind 14 verschiedene Fonds, Jus und Soßen vom veganen Wurzelgemüsesud bis zum kräftigen Thymian-Schalottensud online zu beziehen über www.jens-rittmeyer.de.

Und wer dem Meister auf die Finger schauen will, kann das beim Kochkurs an vier Sonnabenden zwischen Oktober und Dezember im „Navigare“. Da wird Soße(!) und Pasta, Portugiesisches und Weihnachtliches zubereitet. Rezepte, Schürze, Menü und Getränke inklusive für 275 Euro. Der Winter hat auch seine guten Seiten.

Das Hotel

Navigare NSBhotel
Harburger Straße 4
21614 Buxtehude

Tel. 04161/74900
info@hotel-navigare.com
www.hotel-navigare.com
www.jens-rittmeyer.de