Maria von Randow zog es von Rieseby nach Sieseby

Neun Jahre war Maria von Randow die Pächterin des „Riesby Krog“ im beschaulichen Rieseby. Bis 2017 wurde von ihr und ihrem Team schon dort liebevoll empfangen, höchst regional und frisch gekocht und; Veranstaltungen auf der Bühne des kleinen Dorfgasthofes durchgeführt. Mit viel Herzblut und harter Arbeit scharte Maria einen beachtlichen Kundenstamm um sich. Der Laden brummte, wie man so sagte, auch wenn es meist nicht die Einheimischen des Dorfes waren, die dafür sorgten. Aber einerseits kann mal als Pächter nun mal nicht alle Vorstellungen durchsetzen, was die Räumlichkeiten angeht und andererseits fehlte der Tochter aus altem Adelshaus zur Erfüllung ihres Lebenstraums noch eines, um noch mehr Gastgeber sein zu können: eigene Hotelzimmer!

Im wunderschön an der Schlei gelegenen Dörfchen Sieseby unweit der alten Heimat ergab sich nun eine Lösung. Der Traditionsgasthof „Alt Sieseby“ stand leer und ziemlich runtergekommen da. Maria von Randow schlug zu und durch aufwändige 9-monatige Renovierung entstand hier einer der schönsten Dorfgasthöfe in Schleswig-Holstein!

Zuhause

Maria von Randow ist angekommen, hier ist ihr Zuhause, man spürt das sofort. Und so hat sie den Krog auch gestaltet. Mit viel Liebe und gutem Geschmack gestaltete sie die Räume. Der alte Fliesenboden unter vielen Lagen Linoleum wurde wieder zum Leben erweckt, ein edler großer Tresen in den Eingangsbereich gebaut, mit blinkenden Kronleuchtern beleuchtet, eine wunderschöne Treppe führt hoch zu den Fremdenzimmern. Nicht nur die Gasträume sind wunderschön gemacht, auch der Bereich von Garderobe und Toiletten wurde mit gutem Auge und Detailverliebtheit renoviert.

Die sechs Zimmer laden zu mehr als nur einer Nacht nach einem guten Essen ein, hier lassen sich auch ganze Ferienwochen bestens aushalten. Von Randows „gute Perle“ Iwona sorgt am Morgen für ein ländlich-frisches Frühstück, welches keine Wünsche offen lässt.

Auf welcher Seite des Tresens man sich auch im Gastraum niederlässt, spielt eigentlich keine Rolle, immer fällt das Auge auf geschmackvolle Details, auch Optik und Haptik der Speisekarte sind edel und handgemacht.

Brutal lokal

„Brutal lokal“ nennt ja der ein oder andere vorzugsweise Berliner Hipster-Gastronom seine Ausrichtung. Kredenzt wird dann meist eine höchst minimalistische und progressive Küche, teilweise inzwischen sogar schon vom berühmten Stern beleuchtet. In der Hauptstadt erfordert dies einen ziemlichen Aufwand, die Höfe und Manufakturen für gute Dinge liegen nun mal meist nicht in der Nähe von Kreuzberg oder Mitte.

In Schwansen, wie die schmucke Halbinsel zwischen Schlei und Eckernförder Bucht genannt wird, sind, wenn man sich aufmerksam umsieht, gute Lieferanten nicht weit. Maria von Randow kennt ihre „Pappenheimer“ nun schon seit Jahren, auch in Riseby war Regionalität und die direkte Bekanntschaft zu den Produzenten bereits glasklar Programm, zu manchen Höfen fährt sie immer noch persönlich, von den Ausflügen zum schönen Eckernförder Wochenmarkt bringt sie auch nicht nur die frischen Blumen für ihre immer üppige Innendekoration mit.

Ihre Küche ist dabei aber weit entfernt von den vielarmig hergestellten Skulpturen aus Blättchen und fermentierten Spezialitäten, wie die aktuellen Stars der Köche es momentan vorleben. Hier braucht es sicher keine 10 Gänge, um auch dem Magen ein Zufriedenheitsgefühl zu vermitteln. Trotzdem ist jeder Gang liebevoll erdacht, handwerklich zubereitet und mit Finesse zu Teller gebracht. Es sind ordentliche Portionen, aber weit entfernt von jeglicher Völlerei. Ein kleines Menü kann man sich hier durchaus zutrauen. Ein toll abgeschmeckter Rindertatar zum Beispiel, serviert auf einem geeisten rosa Salzstein, war eine klasse Einleitung und sah geradezu „stylisch“ aus. Wobei wir hier gerne den Tipp geben würden, die dazu gehörige Butter und das Schwarzbrot eben nicht auch auf diesem geeisten Stein mit anzurichten. Zimmerwarm nebenan wäre hier passender gewesen. „Fischpott“ heißt die erdig mit hausgemachtem Krebssud gekochte schmackhafte Fischsuppe, auch diese klassisch, aber nicht zu deftig zubereitet. Hausgemachte Ravioli mit Gemüsefüllung gab es bei unserem Besuch und, auch optisch ein Genuss, ein Mitte Januar ulkigerweise noch „Weihnachtspäckchen“ genanntes Dorschgericht. Frische Filets auf knackigem gebuttertem Gemüsebett, alles in Pergament gezwirbelt und im Backofen gegart. Auf der hier gern benutzen Bunzlauer Keramik angerichtet, sah dies klasse aus, schmeckte fein und kräftig zugleich. Ein wenig einer klassischen Weißweinsauce dazu hätte dem Fisch allerdings noch sehr gut zu Gesicht gestanden, auch dies mehr als kleine Anregung gedacht denn als Kritik.

Unser Nachtisch war ein Fingerzeig auf die grundsätzlich frankophile Ausrichtung der Maria von Randow. Ihre beste Freundin wohnt dort, sie fährt regelmäßig in die Provence und so gab es klassischen „Baba au Rhum“ zum Nachtisch. Fluffiges zartes Hefegebäck, in guten Rum getaucht, mit einer Kugel Eis. Machen nicht viele hier im Norden. Tolle Idee, so etwas mal auf die Karte eines klassischen Dorfgasthauses zu setzen.

Durchgehend geöffnet

Die gesamte Karte ist überschaubar. Bratkartoffel-Fans werden ebenso fündig wie Braten- und Fischliebhaber. Hausgebackenen Kuchen bekommt man natürlich auch, klasse Espresso ist obligatorisch, Filterkaffee wird für jeden Gast in der Original „Chemex“ Karaffe frisch gefiltert. Herrlich!

An den Wochenendtagen ist hier ab 12 Uhr durchgehend geöffnet und man meint dies in aller Konsequenz. Auch am Nachmittag oder frühen Abend, wo man in Ausflugs-Gegenden oft außer Kuchen oder einem „Verlegenheits-Süppchen“ nichts bekommt, wird hier die komplette Karte angeboten. Eine sehr wertvolle Dienstleistung, finden wir.

Tolle Ausflugsziele sind hier an der schönen Schlei nie weit, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit gibt es nun einen sehr lohnenden Anlaufpunkt mehr.

Gasthof Alt Sieseby von 1867

Dorfstraße 24
24351 Thumby/Sieseby

Tel. 04352 956 99 33
E-Mail: info@gasthof-alt-sieseby.de
www.gasthof-alt-sieseby.de

Offen:
Dienstag – Sonntag: ab 12:00 Uhr
Montag: Ruhetag