Historische Führungen an der Nordsee

Die Nordseeküste Schleswig-Holsteins ist wie gemacht für schöne, entspannende Spaziergänge. Auch jetzt im Herbst, wenn die Mittelmeer-Temperaturen nach und nach von typisch-norddeutschen steifen Brisen und Schietwetter abgelöst werden, haben Spaziergänge ihren eigenen Charme. Wer hierbei nicht einfach nur durch die Gegend laufen will, sondern noch etwas Input verlangt, ist bei den historischen Führungen genau richtig. Hier lassen sich die Nordseeküste und ihre spannende Geschichte entdecken. Vielerorts werden interessante Rundgänge und Führungen angeboten, bei denen man auf den Spuren der Vergangenheit wandeln kann.

Nordische Esskultur hat die schönsten Rundgänge zusammengefasst:

Sylt

Zu den profiliertesten Kennern der Sylter Geschichte gehört Silke von Bremen, die auf der Insel seit 20 Jahren als Gästeführerin tätig ist. Sie nimmt interessierte Zuhörer mit auf eine unvergessliche Zeitreise. Silke von Bremen auf ihren Touren zu begleiten, ist ein großes Vergnügen. Mit Begeisterung und Enthusiasmus, gepaart mit einem großen Erzähltalent, schildert sie die früheren insularen Verhältnisse. In regelmäßigen öffentlichen Führungen zwischen Ostern und Oktober erfährt man etwa Spannendes über die Geschichte des „flüchtenden“ Dorfs Rantum oder Westerland zur Zeit des Dritten Reichs. Mehr Informationen zu den einzelnen Führungen gibt es auf www.guideaufsylt.de. Die Internetseite https://www.sylt.de/entdecken/erlebnisse/sylt-fuehrungen.html bietet Interessierten die Möglichkeit nach der passenden Führung zu suchen.

Extra Tipp für Familien:

Etwas ganz Besonderes entstand in den letzten Monaten im Wenningstedter Wäldchen: Der Sylter Sagenwald. Kinder lernen spielerisch auf einem etwa 300 Meter langen Weg die Sylter Sagenwelt kennen. So entdeckt man unterwegs zum Beispiel den Herrscher des Meeres „Ekke Nekkepenn“, die Betschwestern „Ing“ und Dung“ und natürlich die „Puken“, die Sylter Hauszwerge. Und wenn die Erwachsenen dann noch von einer der spannenden Infotafeln vorlesen, fühlen sich nicht nur die Kinder wie im Märchen.

Weitere Informationen gibt es unter www.sylt.de/reise-service/insel-news/highlights.html.

Föhr

Romantische Friesendörfer und Windmühlen, mittelalterliche Kirchen oder die Friedhöfe der alten Walfänger – ja selbst die Überreste eines Ringwalls aus der Wikingerzeit können auf der 82 km² großen Nordseeinsel Föhr bestaunt werden. Als Wahrzeichen der Insel bergen die drei mittelalterlichen Kirchen aus dem 12./13. Jahrhundert im Inneren einzigartige Sehenswürdigkeiten wie Altarbilder, Schnitzereien und alte Taufsteine. Die größte von ihnen ist die mächtige St. Johannis-Kirche im Inseldorf Nieblum – auch Friesendom genannt. Neben dem Friesendom sind auch die St. Laurentii-Kirche in Süderende und die St. Nicolai-Kirche in Wyk-Boldixum von sehenswerten Friedhöfen umgeben: Bei einem geführten Rundgang auf diesen denkmalgeschützten Friedhöfen können Besucher in die Welt der Walfänger und Kapitäne eintauchen und einen bewegenden Blick in die Lebens- und Zeitgeschichte der Insulaner werfen. Die „sprechenden" Grabsteine berichten als steinerne Zeugen vom bewegten Leben der Föhringer Seefahrer. Allen voran der Stein des „Glücklichen Matthias“ – dem erfolgreichsten Walfänger der Nordfriesen.

Etwas ganz Besonderes ist auch die »Zeitreise durch das Friesendorf Oldsum« im Nordwesten der Insel. Zehn friesische Darsteller präsentieren bei einem Rundgang historische Persönlichkeiten des Dorfes Oldsum. In der Tracht der jeweiligen Zeit erzählen sie vor den Originalhäusern von den Schicksalen.

Termine für diese und weitere Führungen unter: www.foehr.de/veranstaltungskalender.
 

Amrum

Man könnte auf Amrum in der Historie versinken, so voll ist die kleine Nordseeinsel von Erinnerungen an Walfang, Vogelkojen und Urahnen-Geschichte. Angefangen im nördlichsten Inselort: Unbekanntes, Geheimes und Dubioses erzählt der Amrumer Reinhard Boyens bei seiner historischen Führung durch Norddorf. Wo es heute so schmuck ist, hat man früher ums Überleben gekämpft. Boyens erzählt von den Schicksalen, der argen Feuersbrunst und vom Streit der Strandvögte mit den Strandräubern. Einmal wöchentlich 1,5 Stunden für 10/5 Euro (Termine unter wattwandern-amrum.de). Der Heimatverein Öömrang Ferian begibt sich auf die Spuren der Toten und erzählt dabei über die Besiedlung der Insel, über wikingerzeitliche Gräberfelder, den höchsten Grabhügel und den Friedhof der Namenlosen, wo die Unbekannten liegen, die das Meer brachte. Weil mitten in den Dünen ein eisenzeitliches Haus nachgebaut wurde, kann man auf dem Weg dorthin alles aus der Frühzeit der Insel erfahren. Es gibt Führungen auf den Spuren alter Amrumer – reicher Rückkehrer aus Sklavenfahrt und Walfang und armer Kojenmänner, Eiersammler und Fallensteller (www.naturzentrum-amrum.de). Und vom Leben im Haus erzählen die reizenden Alten des Öömrang-Hüs in Nebel, wenn sie Besucher durch das uralte Häuschen von 1751 führen, mit Feuerstelle, Kojenbetten und Bilegger-Ofen. Wer mag, kann in dem Ambiente auch heiraten (www.oeoemrang-hues.de).

Webseite der Insel: www.amrum.de

Husum

Neben den regelmäßigen öffentlichen Stadtführungen, die in Husum zwischen Mitte März und Ende Oktober (Montag bis Samstag) zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Storm-Stadt führen, gibt es von September bis Dezember (Dienstag) Rundgänge mit dem historischen Nachtwächter. Mit Sturmlaterne und Morgenstern ausgestattet nimmt er die Besucher mit auf einen Rundgang durch die romantische Altstadt und erzählt dabei Interessantes und Spannendes aus der Gegenwart und der Vergangenheit der Hafenstadt. Einmal im Monat stehen unter dem Motto „Tatort Husum“ die dunklen Seiten der Nordsee-Stadt auf dem Programm. Informationen zu diesen regelmäßigen Stadtführungen gibt es im Internet unter www.husum-tourismus.de/Vor-Ort/Stadtfuehrungen.

Für Gruppen sind diese und weitere Husumer Stadtführungen jederzeit individuell buchbar. Weitere Informationen gibt es unter www.husum-tourismus.de/Gruppenfuehrungen.

Im Schloss vor Husum, dem einzigen Schloss an der schleswig-holsteinischen Westküste, werden Besucher einmal im Monat bei der Gewandführung „Zwischen Tugend und Laster“ auf eine Zeitreise in den Barock geschickt. Zwei prachtvoll und zeitgemäß gekleidete Damen zeigen die Widersprüche dieser spannenden Epoche auf. Informationen unter www.museumsverbund-nordfriesland.de/schloss-vor-husum/40-0-Fuehrungen.html.

 

St. Peter-Dorf

Wie der Titel der Tour bereits verrät, begeben sich die Teilnehmer zusammen mit einem fachkundigen Tourguide der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording auf eine Reise in die Vergangenheit von St. Peter-Ording. Treffpunkt für die historische Führung ist die Skulptur „Jan und Gret“ auf dem Marktplatz im Ortsteil Dorf. „Jan und Gret“ repräsentieren die einfachen, meist armen Leute und Tagelöhner, die im damaligen Armenhaus von St. Peter-Ording wohnten. Gret fing Krabben mit dem Schiebenetz und Jan stach den Aal mit der Forke. Der nächste Stopp auf der ca. 2-stündigen Tour ist die historische Insel. In den letzten zehn Jahren durch die AG Orts-Chronik erbaut, zeigt die historische Insel das Leben vor Einführung der Elektrizität. Neben dem Backhus, in dem Besucher jeden zweiten Donnerstag frisches Brot genießen können, beherbergt die historische Insel unter anderem einen Eiskeller, ein Schipperhus und ein Eiderstedter Heck.

Weiter geht’s auf den Deich und durch die Dünen, wo der interessierte Gast alles rund um die Entstehung von Deichen und die Bepflanzung von Dünen erfährt. Im stillen Dorf kann dann die typische Reetdachbedeckung für Eiderstedt bestaunt werden. Zurück auf der Dorfstraße kommt man am ältesten Haus von St. Peter-Ording, dem Wanlik-Hus, vorbei. Weitere Stopps erstrecken sich über die gesamte Dorfstraße, wie zum Beispiel dem Nordseebernsteinmuseum. Hier findet sich eine natur- und kulturgeschichtliche Ausstellung über das "Gold des Nordens". Außerdem gibt es dort eine Bernsteinschleiferei und Schmuck aus diesem bestimmten Harz. Wer möchte, kann sich selbst ein Bernsteinschmuckstück anfertigen. Das beste Gebiet für Bernsteinfunde an der Nordsee befindet nämlich sich auf der Halbinsel Eiderstedt. Die Führung findet alle 14 Tage am Mittwoch um 14 Uhr statt und ist kostenfrei. Mindestteilnehmerzahl sind 4 Personen.

Friedrichstadt – die Holländerstadt

In der Friedrichstädter Altstadt reihen sich historische Bauwerke aneinander. Bei einem Bummel durch die schnurgeraden, rechtwinkligen Straßen trifft man auf Schritt und Tritt Zeugen aus der Vergangenheit: Alte Hausmarken, ehrwürdige Hausfassaden – die berühmten Treppengiebelhäuser - und verträumte Winkel, die zum Betrachten und Fotografieren einladen. Es gibt viele Bauwerke, die bewundernswert sind, zu entdecken. Im Museum Alte Münze erfährt man mehr über die bewegte Geschichte der Stadt, im Tischlereimuseum Jacob Hansen erlebt man original erhaltenes altes Handwerk und im Modellbahn-Zauber werden große und kleine Besucher zu Lokführern aus Leidenschaft. Auf einer Stadtführung durch die historische Altstadt von Friedrichstadt kann man die Geschichte und Geschichten der Holländerstadt entdecken. Die Stadtführungen finden täglich von 11:00 bis 12.30 Uhr statt, der Treffpunkt ist die Tourist-Information, Am Markt 9 in Friedrichstadt.

 

Tetenbüll – das Bilderbuchdorf

Bei einer Dorfführung durch das idyllische Tetenbüll und den historischen Kaufmannsladen Haus Peters geht es auf eine Reise in die Vergangenheit! Um 13 Uhr startet die Führung mit einem traditionellen Eiderstedter Gericht im Kirchspielkrug und ab 14 Uhr lernen die Teilnehmer bei einem Spaziergang durch das idyllische Tetenbüll die Bilderbibel in der Kirche St. Anna und die Geschichte und Geschichten des Dorfes kennen, die der ehemalige Kröger Jakob Claußen kenntnisreich zu erzählen vermag. Im historischen Kaufmannsladen Haus Peters kann man einkaufen wie vor 200 Jahren und danach auf einem alten Sofa im Café im Theatrium einen leckeren Kuchen probieren. Zum Abschluss besteht noch die Möglichkeit, auf einen Besuch in der Schafskäserei Volquardsen vorbeizuschauen. Die Termine finden jeden 2. Mittwoch im Monat statt.

Weitere Informationen unter www.st-peter-ording.de/eventsuche/veranstaltungen/veranstaltung/dorffuehrung

Büsum

Die Büsumer Gästelotsen Martina Köster und Raimund Donalies laden zu den regelmäßig stattfindenden Vorträgen ein, die mit netten Anekdoten und historischen Bildern gespickt sind. Die thematisch unterschiedlich aufgebauten Vorträge geben Einblick in den Fischerort Büsum zu damaligen Zeiten. Bei den liebevoll vorbereiteten Ortsrundgängen führen die Büsumer Gästelotsen Interessierte durch den Ort und verzaubern diese in das damalige und heutige Nordsee-Heilbad. Das frühere Leben rund um den Büsumer Hafen vermittelt bei einem humorvollen Spaziergang mit Momme Clausen, Mitarbeiter des museums am meer, zwischen März bis November beim Hafenbummel mit Museumsführung jeden Dienstag um 17:00 Uhr ab dem museum am meer. Gäste bekommen einen Einblick wie sich die Fischerei und der Tourismus in Büsum entwickelten. Der große Hafenbummel findet jeden Donnerstag um 17:00 Uhr ab dem Museum statt.

Weitere Informationen unter www.buesum.de/buesum-erleben/fuehrungen.html.

Geöffnet: April, Mai, Oktober Di-So 10-17 Uhr, Juni-September, täglich 10-17 Uhr, Oktober, Di-So 10-17, November-März, Di-So 11-16 Uhr
 

Der Trischendamm – ein besonderer Weg durchs Watt

Wo in Friedrichskoog-Spitze Land und Meer mit dem Horizont verschmelzen, führt ein eher unauffälliger Damm ca. 2,2 km weit mitten in den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hinein. Und ganz nebenbei bildet der Trischendamm einen Schutzwall gegen die heranströmende Nordsee. Das war nicht immer so. Im Kampf gegen den blanken Hans wurden in Friedrichskoog in den letzten hundert Jahren viele Maßnahmen ergriffen um Mensch und Tier vor Sturmfluten zu schützen. Deiche und Dämme wurden gebaut. Aber die Natur hat ihre eigenen Gesetze. Das Herandrängen eines gefährlichen Priels an den Deich in Friedrichskoog-Spitze ließ sich mit all den Maßnahmen nicht aufhalten. Die wohl einzige Lösung war, den gefährlichen Priel zu durchdämmen und seine Strömung abzuleiten. Heute schützt der einzigartige Damm das dahinter liegende Land. Das Deckwerk wurde mit Asphalt befestigt und ein gut begehbarer Weg entstand. Zahlreiche Hinweis-Tafeln entlang des Weges informieren Besucher über das Wattenmeer und seine Bewohner. Eine geführte Wanderung auf dem Trischendamm bietet der Tourismus-Service Friedrichskoog bis November jeden Freitag um 14 Uhr an. Die Teilnahme ist kostenfrei. Bei ungünstiger Witterung fällt die Wanderung aus.

Weitere Tipps für schöne Herbst- und Wintererlebnisse im Wattenmeer sowie Unterkunftsangebote finden auf www.nordseetourismus.de/winterangebote. Die Broschüre „nordsee Winterfrische“ ist über die Internetseite www.nordseetourismus.de oder telefonisch unter der Tel: 04841-89750 kostenfrei bestellbar.