Rummelpott-Laufen an der Küste

„Lischen mok de Dör op, De Rummelpott will rin, hau de Katt den Schwanz aff, hau em nich to lang aff, lot’n lütten Stummel stohn denn wie wüllt noch wieder gohn.“


Dieses Lied erschallt alljährlich am Silvesterabend an der Nordseeküste und auf den Inseln aus vielen Kindermündern. Die Kleinen sind bunt und schrill gekleidet und haben einen Topf, eine Tasche oder Körbe in der Hand. In Gruppen gehen sie von Haus zu Haus und locken mit lustigen Liedern die Bewohner heraus. Süßigkeiten, Obst und manchmal auch Geld wird ersungen. Wer nichts gibt, muss mit einem Spottlied rechnen. Rummelpott heißt das Spektakel und hat eine lange Tradition im Norden Schleswig-Holsteins und im Süden Dänemarks. Der Begriff stammt aus dem Niederdeutschen (rummeln = poltern) und bezeichnete einst einen Topf, der mit einer Schweinsblase überzogen war und mit dem man mittels eines Schilfrohr Krach machte. In den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Neujahr sollten damit die Wintergeister vertrieben werden, denn im Volksglauben stand in diesen Nächten die Welt der Geister offen.

Heute denken die Kinder wohl eher an die süße Beute. Die Tradition des Rummelpottlaufens soll auf das 17. Jahrhundert zurück gehen und auch Erwachsene laufen heute noch Rummelpott, diese erhalten statt Süßem jedoch in der Regel ein Gläschen Schnaps.

Die Hulken kommen

Auf Amrum kommen hingegen die Hulken! Große und kleine Gestalten verkleidet und maskiert suchen die Häuser und Gaststätten der Insel heim und bitten um Erkennung, Süßes oder Saures. Der alte friesische Brauch, der so richtig deftig fast nur noch auf Amrum zelebriert wird, macht heute allen Spaß, hat aber einen ernsthaften Ursprung: die Hulken sollten die Hausbesitzer daran erinnern, alles Bewegliche für Winter- und Sturmzeit ins Haus zu räumen und nahmen, was nicht fest war mit und versteckten es in den Weiten der Amrumer Marsch. Heute nutzen die sehr kreativen Hulken das Maskenspiel auch zum Ausdruck friedlichen Protests gegen ausgewählte Brennpunkte der Inselpolitik. Aber alle wünschen dennoch „a seegent nei juar“ - ein gesegnetes, neues Jahr!
 

Neujahrsbaden

Wem die Rummelpottgestalten nicht ganz geheuer sind oder schlicht seinen Silvester-Kater vertreiben möchte, kann auch Baden gehen. Das eiskalte Vergnügen zu Neujahr hat bislang noch jeden müden Lebensgeist nach einer durchfeierten Nacht wachgerüttelt. Wahre Schwimmkünste stehen bei diesem traditionellen Event an Ost- und Nordsee eher im Hintergrund, denn viel entscheidender bei solch widrigen Wetterbedingungen sind jede Menge Mut und eine große Portion Überwindungskraft. Zahlreiche Zaungäste überzeugen sich derweil von den „Heilkräften“ der kalten See – nicht ohne sich mit heißem Punsch aufzuwärmen.