Bio & Saatgut für den Norden

Am 23. und 24. März wird die Hamburger Handelskammer zur Saatgutbörse. Dort, wo früher Aktien gehandelt wurden, können Besucherinnen und Besucher Saatgut erwerben oder tauschen, Samenbomben basteln sowie mit Experten und Züchtern sprechen. Ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Filmen, Vorträgen und Diskussionen informiert darüber, warum Saatgut ein wichtiges Thema für Ernährung und eine nachhaltige Lebensweise ist. Die Veranstaltung ist die erste ihrer Art in Hamburg und findet parallel zur hamburg.bio-Messe statt. Eine weitere Messe erregte das Aufsehen der Bio-Liebhaber: Grell Naturkost bot über 100 Ausstellern eine Plattform für ihre Produkte und vergab zusätzlich Fördergelder im Gesamtwert von 200 000 Euro an Projekte für gute Ernährung und Umweltschutz.
 

„Mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten bereits verschwunden“

Jacqueline Kardel, erste Vorsitzende und Projektleitung für den und den „Saatgutverteiler” bei machbar e. V.: „Die globale Konzentration in der Saatguterzeugung setzt sich fort. Das Saatgut ist in den Händen immer weniger multinationaler Konzerne, und mehr als 90 Prozent aller Saatgutsorten sind bereits verschwunden. Landwirtschaft und Gärtnereien werden immer abhängiger von Hybridsorten, die sie selbst nicht mehr vermehren können. Dem wollen wir mit der ersten Hamburger Saatgutbörse auf der hamburg.bio-Messe etwas entgegensetzen.“


Saat von echten, alten Hamburger Gemüsesorten

Auf der Saatgutbörse werde Sorten geben, die es in keinem Laden zu kaufen gibt, so Kardel weiter: „Bei uns bekommt man unter anderem Saat von echten, alten Hamburger Gemüsesorten wie die Tomate Onkel Gustav, vom besonders edlen Grünkohl namens Lerchenzunge oder die Türkische Erbse. Das ist die klassische Bohne zu Birnen, Bohnen und Speck.“

Hamburger Saatgutverteiler: Depots in vielen Stadtteilen geplant

Der Verein, der unter anderem auch den „March against Bayer (Monsanto)” in Hamburg organisiert, will auf der Börse auch das neue Projekt vorstellen. Kardel: „Wir wollen an vielen Orten in Hamburg Saatgutverteiler aufstellen. Das sind Depots, mit denen Menschen Saatgut ganz einfach anbieten und mitnehmen können.“


Samenbomben-Basteln und Rahmenprogramm mit Dokumentarfilm

Kinder können auf der Saatgutbörse Samenbomben basteln, mit denen sie in ihrer eigenen Nachbarschaft für mehr Pflanzenvielfalt sorgen können. Im Rahmenprogramm wird unter anderem der Dokumentarfilm „Unser Saatgut – wir ernten was wir säen“ gezeigt. Er erzählt die Geschichte von Aktivist*innen, die sich weltweit für den Erhalt der noch vorhandenen Sortenvielfalt einsetzen. Kardel: „Der Film zeigt mit beeindruckenden Bildern, wie um die kleinen Samenkörner ein Machtkampf entbrennt – zwischen Konzernen, die Eigentumsrechte an Sorten erheben und Menschen, die den Mut haben, für die Freiheit des Saatguts zu kämpfen.“

Darüber hinaus erklären Profi-Züchterinnen aus Norddeutschland, wie Saatgut-Züchtung stattfindet. Oliver Willing (Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Landwirtschaft“ hält einen Vortrag namens „Saatgut – die gefährdete Grundlage unserer Ernährung.

Das Sonderprogramm wird gefördert von den Anbauverbänden Bioland und Demeter. Der Eintritt zur hamburg.bio-Messe und zur Saatgutbörse kostet fünf Euro. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt.
 

Fachmesse der Biobranche

Grell Naturkost präsentierte Neuheiten an über 100 Messeständen


Die jährliche Neuheitenmesse bei Grell Naturkost ist eine Plattform für die Biobranche im Norden. In diesem Jahr präsentierten sich so viele Biohersteller wie noch nie. Über 100 regionale, nationale und internationale Lieferanten stellten neue Produkte aus allen Sortimentsbereichen vor. Die rund 800 Fachbesucher aus Naturkostfachhandel, selbständiger Einzelhandel sowie Gastronomie oder Lieferdienste tauschten sich aus, erfuhren alles über die Marken und kosteten Produkte.

Die Gewinne von Grell Naturkost werden in die Ökobranche reinvestiert. Anlässlich des 200. Firmenjubiläums des Bio-Großhandels vergibt die Gerd Godt-Grell Stiftung Fördergelder von jährlich insgesamt 200.000 Euro an Projekte für gesunde Ernährung und Umweltschutz.

 

Förderung für die regionale Biobranche

Die Gerd Godt-Grell Stiftung übergab zwei fünfstellige Schecks. Insgesamt 35.000 Euro erhalten Saat:gut und Apfel:gut für die ökologische Züchtung. Züchterin Barbara Maria Rudolf: „Im Projekt Saat:gut auf Christiansen´s Biolandhof züchten wir seit 2009 an neuen, nachbaufähigen Gemüsesorten für den professionellen Biolandbau. Die Firma Grell Naturkost hat uns von Anfang an mit großer Begeisterung unterstützt. Wir bedanken uns bei der Gerd Godt-Grell Stiftung, die einen sehr wichtigen Beitrag zur Finanzierung des Projektes leistet.“

Den zweiten Scheck erhielt die Öko-Regionalinitiative Nord BIÖRN e.V. Mit 51.000 Euro werden Filmclips über das Engagement der Höfe, Hersteller und im Fachhandel und öffentliche Veranstaltungen unterstützt. „Für uns geht es bei Bio auch um die Werte und Haltungen hinter den Produkten. Anhand der Filmclips stellen wir Authentizität und Verantwortung unserer regionalen Biobranche in den sozialen Medien dar“, so Reiner Broitzmann, Vorstand der Öko-Regionalinitiative Nord BIÖRN e.V.

Über machbar e. V.

Der Verein machbar e. V. wurde am 27. November 2016 in Hamburg gegründet. Er organisiert den jährlichen „March against Monsanto/Bayer“. Sein Ziel sind die Förderung und der Schutz von Natur und unserer Umwelt. Durch friedliche Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit und kulturelle Veranstaltungen wie z. B. Filmvorführungen, Konzerte und Lesungen, regt der Verein zum Nachdenken an, klärt Verbraucher über Konsumverhalten und die Auswirkung auf unsere Umwelt auf und zeigt alternative Wege.

 

Über die hamburg.bio-Messe

Biomesse in Hamburg - Regionale Bio-Lebensmittel erleben, Saatgut tauschen

 

Über den Biolandhof Christiansen:

Öko- und Saatgut Pionier