Vogelfans beobachten die Trottellummenküken auf Helgoland

Es wird gelockt, gestoßen und geschubst. „Die hockt da schon seit drei Tagen in ihrer Ecke“, sagt – etwas empört – ein Vogelbeobachter, der sie mit dem Teleobjektiv im Visier hat. Die da, das sind die Küken der Trottellummen und die hocken schon seit Wochen in ihrer Ecke, watscheln vielleicht mal über den Sims und enttäuschen Hoffnungen Abend für Abend. Es ist Mitte Juni und es soll Lummensprung sein – Lummen sind genug da und Zuschauer auch. Aber nix da mit großer Flatter hoch oben auf windumtostem Helgoländer Fels, gesprungen wird nicht.

„Das ist der Sprung ins Leben! Interessant zu beobachten. Aber ist es nicht vielleicht ein falscher Ansatz, allein deshalb hierher zu kommen?“, fragt sich Rebecca Störmer. Die Biologin leitet die Helgoländer Station des Vereins Jordsand. „…nur um die Lummen springen zu sehen. Das ist gewiss ein außergewöhnliches Naturschauspiel. Aber am Helgoländer Lummenfelsen brüten und leben viel mehr Vögel – Basstölpel, Eissturmvögel, Tordalke. Es gibt hier so viel zu sehen, die Vielfalt ist groß und einmalig in Deutschland. Gerade jetzt im Mai und Juni.“

Der Sandstein der Helgoländer Felsen steht schief in der Nordsee, auf den schmalen Simsen drängen sich tausende um tausende Vögel der hohen See. Die tatsächlichen Stars an diesem Abend (und wohl am Vogelfelsen ohnehin) sind die Basstölpel, sie sitzen auf ihren Nestern, in denen sie auch Plastikmüll verbaut haben. Manche Nester stehen direkt am Klippenrandweg. Es sind hübsche Vögel; mit weißem Federkleid und gelblichem Kopf, wachsamen Augen hinter der schwarzen Maske. Ihnen schaut man gern ein paar Stunden zu.

Und dann die Lummen; unscheinbarer, unspektakulärer, Vögel für Geduldige, mit schwarz-weißem Federkleid, eher plump und groß wie eine Ente. Ab März, April treffen sie von der See wieder auf Helgoland ein und besiedeln die angestammten Brutplätze. „Es wird nur ein Ei bebrütet, das auf dem nackten Fels liegt“, erklärt Rebecca Störmer.

 

Der Sprung von der Klippe

Manch Trottellummen-Küken watschelt unentschlossen hin und her, vor und zurück, drängt sich aber immer wieder in die sichere Nische, anstatt zu springen. In den Felsen herrscht ein flatterhaftes Treiben der anderen Vögel, ein Kommen und Fortfliegen. Es ist ein riesengroßes Wimmelbild. Und um darin den Überblick zu behalten, sollte man sich „seine“ Küken ausgucken und im Auge behalten. Ein normales Fernglas reicht dafür völlig aus und natürlich darf man gern durch das Spektiv blicken, das Rebecca Störmer und die Leute von Jordsand deshalb an Tagen wie diesen hier aufbauen. Ein paar wichtige Tipps gibt es dazu. „Die Sprungzeit zieht sich durch den gesamten Juni. Dabei spielen aber auch Witterungsbedingungen eine Rolle: Ist es im Frühjahr beispielsweise während dem Start der Brutphase noch zu kalt oder während der Sprungzeit im Juni an vielen Tagen zu stürmisch, kann es zu Verschiebungen kommen. Grundsätzlich springen die Jungtiere dann in der Dämmerung und der beginnenden Nacht, dadurch sind sie vor ihren Feinden, den Großmöwen, relativ geschützt. Die besten Chancen auf gute Beobachtungen hat man an ruhigen, windstillen Tagen“, sagt Rebecca Störmer.

Unten schwappt die See in mächtigen Wogen und darauf sitzen Seevögel; Möwen auf der Suche nach einem schnellen Happen und Lummeneltern auf der Suche nach ihren Jungen. „Sie rufen das Küken solange, bis es springt. Die Eltern und das Küken erkennen sich am Ruf. Durch diese individuelle Stimme können sich die Lummen auf dem Wasser auch wiederfinden“, sagt Rebecca Störmer. Daunen und Fett polstern den Aufprall ab.

Es dämmert längst und lange. Wer stundenlang in die Felsen starrt, mag irgendwann alles Mögliche sehen. Aber junge Lummen, die sich ins Meer stürzen … dann endlich doch: Immer wieder wagte sich den Abend über ein Junges vor und nun steht es auf einem Vorsprung; und es fällt, hilflos mit den Flügelchen rudernd, in einem kurzen Bogen hinab. Und dann noch eins, und noch eins. „Sofort nach dem Sprung schwimmt die junge Lumme mit einem Elternvogel in die Überwinterungsgebiete - das kann die Deutsche Bucht sein oder, was häufiger der Fall ist, in die Gewässer vor der norwegischen Küste“, erklärt Rebecca Störmer. Mit ihren Kollegen sammelt sie am Fuß der Felsen die Küken ein, die es nicht bis ans Wasser geschafft haben und übergeben sie den Eltern. "Das ist an manchen Abenden wie Akkord. Die dutzenden Tiere beringen wir bei der Gelegenheit auch gleich.

 

Gut ausgerüstet die Vögel beobachten

Mit ins Gepäck auf den Posten am Klippenrand gehört neben Proviant und Fernglas gewiss auch die dreißigseitige Broschüre von Jörg-Thomas Baumgarten „Die Brutvögel am Helgoländer Lummenfels“ – man kann es in der Station des Vereins Jordsand, unten an den Hummerbuden, erwerben.

Bis zum 31.08. bietet der Verein Jordsand e.V. Führungen am Lummenfelsen an. Diese finden täglich um 17 Uhr statt. Karten kosten für Erwachsene 8 Euro, für Kinder (bis 16J.) 5 Euro. Karten können in unserer Hummerbude erworben werden (täglich außer montags 09:30-12 und 13-16h).

Erlebnispaket "Lummensprung"

 

Vom 19. bis zum 22.06.2018 bietet der Helgoländer Touristik Service ein dreitägiges Erlebnispaket zu den Vögeln an. Für 49 Euro erfahren Teilnehmende in Vorträgen, Führungen und Museen alles Wesentliche zu den Vöglen und dem Lummensprung.

 

Informationen und Anmeldung unter:

Helgoland Touristik

Tel.: 04725 808 808

Fax: 04725 808 99 808

E-Mail: info@helgoland.de