In Molfsee eröffnete Ausstellung zu ländlichen Hausgärten

Anlässlich hochsommerlicher Temperaturen zieht es die Schleswig-Holsteiner und -Holsteinerinnen nach draußen. Wer einen Garten am Haus oder gar einen Schrebergarten besitzt, ist besonders glücklich.

Natürlich ist der Garten nicht nur ein Erholungsort mit Grill und er entsteht auch nicht dadurch, dass man im Schatten sitzt. Gärtnern hat eine lange Tradition und in der Vergangenheit natürlich auch einen Selbstversorgeraspekt.

Das Freilichtmuseum Molfsee widmet den Gärten nun sogar eine eigene Ausstellung. „Kohl-, Appel- un Blomenhoff – Ländliche Hausgärten in Schleswig-Holstein“ heißt diese Sonderausstellung, die sich mit der Entwicklungsgeschichte sowie der sich wandelnden sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung der gewöhnlichen Gärten auf dem Lande beschäftigt, wobei das Hauptaugenmerk auf der Zeit zwischen 1900 und 1970 liegen wird. Zu sehen ist das Projekt in Molfsee bis Ende Oktober.

Das Thema Garten ist über Jahrhunderte hinweg untrennbar mit dem Thema Selbstversorgung der ländlichen Haushalte und der damit einhergehenden Vorratshaltung verbunden. Hier schließen sich vielfältige Fragen an: Was wurde angebaut (Gemüse, Obst oder Kräuter) und in welchen Mengen? Wie hat man Erträge, die nicht gleich verzehrt wurden, bevorratet und konserviert? Wurden Überschüsse weitergegeben, etwa an Bedürftige? Welchen Raum nahmen Blumen und Ziergehölze ein? Wie waren die Gärten aufgeteilt und eingefriedet und wo lagen die verschiedenen Beete im Verhältnis zum Haus? Wie veränderten sich die Gärten mit der Zeit? Gab es regionale Unterschiede? Inwieweit haben Klostergärten, herrschaftliche Gärten, Pastorats- und Schulgärten in den vergangenen Jahrhunderten die ländliche Gartenkultur beeinflussten?

Weitere Aspekte sind die verschiedenen Gartenarbeiten im Jahreslauf und die Frage, warum hauptsächlich Frauen für die Gärten zuständig waren und woher diese ihr Wissen dafür hatten. Zu klären ist auch, ab wann und in welcher Weise ökologische Arbeitsweisen eine Rolle spielten und wie früher eigentlich gedüngt und Ungeziefer bekämpft wurde. Ebenso wird der Aspekt des Gartens als Erholungsort angesprochen. Lauben, Grotten und Spazierwege sowie kunstvoll gestaltete Hecken und Zierbeete sind nur einige Beispiele für gestalterische Elemente, die den Garten über seine wirtschaftliche Nutzung hinaus zu einem Ort der Regeneration, aber auch der Selbstdarstellung für seinen Besitzer machten.

Die Sonderausstellung ist nicht nur im Barghaus (Haus 26), dem Gartenhaus (Nr. 66) und dem Haus 44 vertreten. Insgesamt wurden zehn Schaugärten auf dem ganzen Gelände hergerichtet, die eindrucksvoll Antworten auf die oben gestellten Fragen bieten. Die Gärten wurden nach historischen Vorbildern gestaltet und vermitteln interessierten Besuchern, welche unterschiedlichen Gartentyoen einst in den ländlichen Gegenden Schleswig-Holsteins üblich waren. Und schließlich werden auch im Gelände verteilte landschaftliche Elemente, die das Thema berühren, mit in die Gesamtausstellung einbezogen.

Die Ausstellungspräsentation basiert hauptsächlich auf den Beständen des Landfrauen-Archivs, also auf Archivalien, sie wurde aber zur besseren Anschauung durch gegenständliche Exponate aus dem Freilichtmuseum Molfsee ergänzt. Die Ausstellung wurden unter Beteiligung eines Arbeitskreises erarbeitet, der sich aus Mitgliedern des Landfrauen-Verbandes Schleswig-Holstein e. V. zusammensetzt.

Kuratiert hat das Projekt Dr. Ulrike Looft-Gaude, zugleich verantwortlich für das Landfrauen-Archiv am Landesmuseum.

Mit Pflug und Unterrock: Gartenarbeit in der Vergangenheit

Kurz und Knapp

Was? Sonderausstellung "Kohl-, Appel- un Blomenhoff – Ländliche Hausgärten in Schleswig-Holstein“

Wann? Ab sofort bis Oktober

Wo? Hauptausstellung im Barghaus aus Arentsee. Außerdem: Haus Nr. 66 (Gartenhaus) und Haus Nr. 44, alle zehn Museumsgärten im Freilichtmuseum Molfsee