Von Fallsucht und Depression

Der Gastrokritiker, Autor und Herausgeber dieses Magazins, Jens Mecklenburg, begibt sich am Donnerstag, 28. Februar 2019 um 18 Uhr im Kieler Stadtmuseum auf eine unterhaltsame kulturgeschichtliche Reise durch die Gastronomiegeschichte von der Antike bis heute.

Sie gaben mir Gras zu essen

Wie sich die Zeiten doch ändern: Früher ließen sich Wohlhabende zu Hause bekochen und luden dazu Gäste ein. Außer Haus mussten vor allem die Armen essen; wer keine eigene Küche, nicht genug Geld für Brennstoff und nicht genug Platz im Haus hatte. Im antiken Athen boten Händler mit tragbaren kleinen Herden gefüllte Feigenblätter und Gerstenkuchen mit Honig an. Auch im antiken Rom gab es Garküchen für Leute, die kein Zimmer hatten oder kein Wasser und keine Kochstelle. Im 12. Jahrhundert wurden in China fertige Imbissspeisen in großen Mengen in Manufakturen hergestellt. Zu dieser Zeit entstand auch die erste Würstchenbude Deutschlands. Für die Bauarbeiter, die vor 900 Jahren nach Regensburg kamen, um dort die Steinerne Brücke zu bauen, war es ihre Kantine. In den Gasthöfen ging es in früheren Zeiten vergleichsweise rau zu, der Gast war nicht König, sondern musste mit dem zufrieden sein, was ihm angeboten wurde. Auch ein früher Sylt-Reisender beschwerte sich: „Sie gaben mir Gras zu essen, wäre ich bis zum Winter geblieben, sie hätten mich bestimmt mit Heu ernährt.“ Dem armen Mann war gesottener Meerstrandwegerich vorgesetzt worden – auch damals nicht unbedingt eine kulinarische Delikatesse. Noch 1973 spottet eine Reisejournalistin über das Urlaubsland Schleswig-Holstein. „Es gibt Menschen, die bekommen Fallsucht und Depression in so viel windigem Flachland, die halten so viel grüne Eintönigkeit nicht aus.“ Auch sei es nicht einfach, hier ein gutes Essen zu bekommen. Wie sich die Zeiten doch ändern.

All dies wird Thema sein im „Kiel kocht-"Vortrag zur Geschichte der Gastronomie von der Antike bis heute. Eine unterhaltsame kulturgeschichtliche Reise durch die Geschichte der Gastronomie erwartet die Besuchenden der Vortragsveranstaltung, wenn sich Gastrokritiker Jens Mecklenburg am 28. Februar im Stadtmuseum Warleberger Hof der Essensentwicklung über die Jahrhunderte widmet. Der Eintritt ist frei.

Ausstellung „Kiel kocht“

Das Stadtmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19, zeigt aktuell die Ausstellung „Kiel kocht – Lebensmittelversorgung, Ernährung und Esskultur im 19. und 20. Jahrhundert“. Auf drei Etagen werden 400 historische Objekte aus der Museumssammlung präsentiert und geben mit zahlreichen Fotos aus dem Stadtarchiv einen guten Einblick in die Ernährungshistorie der Stadt Kiel über die letzten 200 Jahre. Ein reichhaltiges Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung.

 

Was, wann, wo?

Donnerstag, 28. Februar 2019, 18:00 Uhr

Vortrag: Die Geschichte der Gastronomie von der Antike bis heute

Warleberger Hof, Dänische Str. 19, Kiel

Eintritt frei

 

Mehr über „Kiel kocht“

Kiel kocht – Lebensmittelversorgung, Ernährung und Esskultur im 19. und 20. Jahrhundert